Was wäre gewesen, wenn Tolstoi während des zweiten Weltkriegs gelebt hätte? Richtig. Er hätte Grossman geheißen. Zugegeben, das ist kein Zufall. Denn Tolstoi war Grossmans Idol, dem er nacheifern wollte. Und ich muss sagen: Es ist ihm gelungen. Er hat wirklich ein Gemälde der Schlacht um Stalingrad geschaffen, das keine dümmliche Verherrlichung einer Seite oder des Krieges oder sonst wessen ist. Es stellt einfach dar. Es stellt dar, wie die Menschen lebten in der Sowjetunion der 40er, wie sie von Stalin verfolgt wurden, wie sie dennoch alles dafür gaben, um zu überleben, um ihr Leben zu leben. Und wie sie dabei letztlich den großen vaterländischen Krieg, wie er an der Wolga bezeichnet wird, gewannen. Wegen dieser ungeschönten Darstellungen war das Buch, Grossmans Lebenswerk, lange Zeit in der UdSSR verboten. Bitter sind seine Briefe an Chruschtschow, in denen er um die Veröffentlichung fleht – ohne Erfolg (in der Ausgabe des Claasen-Verlags im Anhang zu finden). Umso dankbarer dürfen wir heutigen Zeitgenossen sein, dass wir dieses Denkmal wider den Totalitarismus jeglicher Couleur bewundern dürfen. Sehr zu empfehlen!