Eine nette Überraschung war dieser Fund in einem modernen Antiquariat. Nicht allein, dass es eine hübsche Ausgabe aus dem insolvent gegangenen Haffmans-Verlag ist, auch der Inhalt wusste zu beeindrucken. Die Geschichte ist grob leicht erzählt. Sie stellt den Alltag in und an einer Schlange zu Zeiten der Sowjetunion dar. Der Text besteht ausschließlich aus Dialogen, nicht einmal Prosa im Stile von Regieanweisungen sind zu finden. Die Menschen in der Schlange wissen nicht (sicher), wofür sie anstehen, kommen kaum vorwärts, erleben Unwetter, Sex und eine Art Liebe – und trotzdem ist der Text so voller Leben, dass er gerade für die, die diese Umständlichkeit nicht zu erleben brauchten, eine hochinteressante Studie darstellt. Eine Anmerkung sei mir noch von Bekannten aus Russland erlaubt: Der Autor Sorokin soll angeblich persönlich ein eher unangenehmer Mensch sein. Und die deutsche Übersetzung muss äußerst milde ausgefallen sein, weil das Original wohl zahllose deftigste Kraftausdrücke enthält, die einem Donkosakenveteranen die Schamesröte ins Gesicht treiben würde, bis die Ohren glühen.