Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Snorri Sturluson, Edda

Außenstehenden mag es zunächst etwas seltsam anmuten, was es mit all den Eddas auf sich hat, die ihr Unwesen treiben. Deshalb noch einmal eine Kurzerklärung:

Es gibt eine ältere Edda, das sind „Lieder“, welche die Götterlieder inklusive Ragnarök, Sittengesetze und eine nordische Form des Nibelungenlieds enthalten. Die ältere Edda gilt aus sprachlichen Gründen als Text des frühen Hochmittelalters, der aber nur in späteren handschriftlichen Überlieferungen vorliegt.

Lustigerweise sind diese Überlieferungen nämlich etwa so alt wie die Snorra-Edda. Die ist aber weniger in Liedform verfasst, obwohl sie auch solche Teile enthält, sondern schildert in der herrlichen und amüsanten Prosa des isländischen Mittelalters die Abenteuer der alten Götter.

Wo die ältere Edda noch mit Pathos und Gehabe tönt, arbeitet Snorri mit einer Frühform der Burleske und höchst amüsanten Geschichten. Kurz: Auch wenn die Snorra-Edda nicht unbedingt leicht zu erhalten ist, ist sie doch äußerst empfehlenswert!

Nur der Hinweis sei mir noch erlaubt: Wer glaubt, er könne mit diesen Texten den altgermanischen Götterhimmel rekonstruieren, dem sei gesagt, dass er da auf einem Holzweg ist. Klar, Namen dürften in etwa stimmen, vermutlich auch der ein oder andere Sagenkern. Aber im Ganzen haben wir hier Texte vorliegen, die nach der Christianisierung entstanden sind.

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  1. Das alles wusst ich nicht, vielen Dank. Man lernt immer dazu. 🙂

  2. Übrigens: Bildungsgut wie die Kenntnis von Snorri Sturlursons Edda ist nicht jedermanns Sache, das wird in der französischen Filmkomödie „L’invité“ (Der Gast) mit Valerie Lemercier deutlich. Sie spielt darin eine unbedarfte Hausfrau, die, um den als Gast eingeladenen Chef ihres Mannes zu beeindrucken, frisch eingepauktes, aber noch unverdautes „Wissen“ ins Gespräch einfließen lassen will. Sie kommt dabei auch auf Snorri Sturlurson zu sprechen und verheddert sich heillos in diesen zungenbrecherischen Namen.

    Wolfgang Krisai

    • Thema Bildungsgut: Ich kenne den Film peinlicherweise nicht. Lohnt es sich, das nachzuholen? *lach*

      • Thema etwas nicht korrekt zustandebringen: Ich habe mich im Film geirrt, wenn auch nicht in der Darstellerin. Es handelt sich um den Film „Le petit Nicolas“ („Der kleine Nick“) mit Valerie Lemercier. Ich kenne nur die französische Fassung, wo die schon ziemlich angesäuselte Mutter von Nick vorgibt, sie interessiere sich für die nordische Literatur des Mittelalters, dann aber den Namen Snorri Sturlurson bis zur Unkenntlichkeit verballhornt und schließlich aufgibt. Vermutlich ist das ein Witz, wo nicht alle Kinobesucher lachen werden – beim überaus lustigen Rest des Films aber schon. – Ich denke, der Film – nach dem Buch von Goscinny und Sempé – ist Bildungsgut. Könnte also nachgeholt werden;-) Wobei mich interessieren würde, was in der deutschen Synchronisation aus dem Snorri geworden ist. Wer weiß – vielleicht Wolfram von Eschenbach?
        lg, Wolfgang Krisai

        • Ich werde mich mal nach dem Film umschauen.
          So ein bisschen strahlt Snorri ja auch in die Welt um Monty Python und spätere Arbeiten der Clique hinein. Bei „Erik dem Wikinger“ gibt es meiner trüben Erinnerung zufolge an Bord einen Snorri (ich glaube, in der deutschen Fassung haben sie daraus Schnorri gemacht).
          Aber gut, beim Flying Circus gibt es ja auch eine Folge zum Thema Islandsaga, womöglich hat die Truppe das noch aus ihrer Zeit von Cambridge und Oxford.

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