Es ist sicher nicht von der Hand zu weisen, dass ich mich lange, viel zu lange, um genau zu sein, gesträubt hatte, etwas von Bernhard zu lesen, obwohl mir ein Exkollege seit Jahren schon, da war er noch nicht einmal Exkollege, als seine Empfehlungen begannen, den Bernhard ans Herz gelegt hatte, weil ich ihn dringend lesen sollte; er ahnte, oder besser: wusste wohl, dass ich gedanklich eine gewisse Verwandtschaft mit diesem Lästermaul besitze, dass ich mich wunderbar hineindenken kann in diese nicht enden wollenden Sätze, Überlegungen und Wiederholungen, genau wie die Empfehlungen übrigens, die sich ja auch über die Jahre wiederholt haben, in nahezu jeder E-Mail sogar und jetzt, endlich, jetzt habe ich zugegriffen, wegen eines Angebots, wie ich zugebe, eines günstigen Angebots, bei dem ich nicht Nein sagen konnte oder nein, eigentlich wollte, denn ich war ja durchaus neugierig, was es denn jetzt mit der Schreibe dieses Ösis auf sich hat und warum sie mir gefallen sollte, also bestellte ich das Buch, bekam es auch, und obwohl ich gerade ein anderes, viel dickeres Buch begonnen hatte (dazu später mehr), dachte ich: Na toll, lieste den dünnen Bernhard eben in der Bahn, brauchste dir dann auch keinen Bruch nicht zu heben mit der Gesamtausgabe der Jahrestage, und ich las und las, keine zwei Tage Pendelei per Bahn brauchte ich, dann hatte ich Ja durchgelesen und mich, ja ich gebe es doch zu!, amüsiert gehabt, denn es ist ein gutes Buch, auch wenn ich einräume, dass ich mich die ersten Seiten erst ein wenig daran gewöhnen musste, weil es wie ein Schwall kalten Wassers war, der mir da ins Gesicht schoss – oder soll ich „schoß“ schreiben, dem österreichischen Idiom gemäß? –, aber spätestens nach 20 Seiten war ich so begeistert, dass ich es kaum aus der Hand legen konnte und wie nur bei wenigen Büchern die Bahn verfluchte, dass sie trotz Verspätung schon angekommen gewesen war und ich aussteigen und zur Arbeit beziehungsweise am Abend eben nach Hause gehen musste, verfluchte Teufelei, ich werde mehr lesen müssen und Bernhard ob des Suchtfaktors verfluchen, denn ja, genau das ist es doch, eine Droge, eine Lesedroge, die anfällige Wortjunkies wie mich in ihren Bann zieht und nicht mehr loslässt, wenn sie einmal angefixt sind, so betrachtet ist es sogar eine Unverschämtheit, dass er überhaupt so geschrieben hat, so atemlos, so herabsetzend, so sich selbst aufpeitschend, und dass er mir empfohlen wurde und überhaupt, aber was schreibe ich hier eigentlich, das liest ja sowieso niemand, ich sollte meine Kräfte lieber für die nächste Rezension aufsparen Punkt.