Zu der Zeit, als ich mir das Buch kaufte, spielte ich gerade recht häufig das Spiel Gettysburg von Sid Meyer. Vorher konnte ich nie verstehen, was US-Amerikaner am Civil War fanden. Mir kam er immer irgendwie … langweilig vor. Bitte nicht falsch verstehen! Ich lehne ihn als Krieg an sich genauso ab wie andere Kriege. Aber wenn ich mich schon mit dem Thema beschäftigt habe, dann lieber in anderen Regionen und Zeiten. Das galt selbst für Pop-Phänomene wie Fackeln im Sturm – die Episoden, die im Krieg spielten, fand ich als Teenager ziemlich öde.

Genau das, und deshalb erwähne ich das hier überhaupt, kippte während der Beschäftigung mit dem genannten Spiel. Plötzlich gab es Facetten, bei denen ich mich wunderte, über die ich mehr wissen wollte. Und da kam das Buch gerade recht.
Es schildert, wie der Titel schon sagt, Tag für Tag, was in den Jahren des Bürgerkriegs passierte. Dazu gibt es neben Fotos der Protagonisten (hauptsächlich Generäle und dergleichen) auch zahlreiche Fotos von Schlachtfeldern. An dieser Stelle wurde mir zweierlei bewusst. Erstens: Wie realistisch das Strategiespiel angelegt war, denn die Spielgebiete in und um Gettysburg fand ich erschreckend detailliert im Buch wieder. Und zweitens: Dass im amerikanischen Bürgerkrieg weitergeführt wurde, was im Krimkrieg begann – die Kriegsfotografie. (Und ich suche immer noch nach einem schönen Band mit Bildern des Pioniers Roger Fenton.)

Warum mich das interessiert? Ich kann es gar nicht richtig sagen. Es ist weder Verherrlichung noch Ergötzen am Entsetzen. Es ist eher eine Neugier an den Abgründen der Menschheit, die sich eben während Kriegszeiten überproportional zeigt (und direkt im Anschluss, wie die „plötzliche“ Verrohung z.B. nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland beweist).

Deshalb ist die Bürgerkriegschronik zwar kein Lieblingsbuch von mir, aber doch eins, in dem ich hin und wieder blättere. Von dem ich mich in Staunen darüber versetzen lasse, warum Menschen sich zu solchen Brutalitäten kommandieren lassen, warum sie anderen Menschen Sachen antun, von denen sie selbst inständig hoffen, dass sie ihnen und ihren Familien niemals angetan werden, warum sie nicht merken, wie sie als billiges Werkzeug, als Bauernopfer verheizt werden.