Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Mein Vater (21)

Mein Vater war ein Kneipengänger. Wie jeder gute Potti seiner Zeit frequentierte auch er die klassischen Eckkneipen, die heute nach und nach wegsterben, genau wie ihre Kundschaft. So gesehen war mein Vater ein Trendsetter. Er ging in die Annenschänke bei uns im Haus zum Feiern, Trinken, Kegeln. Er ging zum Haus Steinfort an der Ecke unserer Straße. Er ging 150 Meter weiter ins Repekus. Ein Stück um die Ecke gab es den Pottkieker. Hier gab es in Monaten auf -r immer die typischen Muschelschilder mit dieser 60er-Jahre-Grafik in den Fenstern, genau wie in der Ampütte, die zur anderen Seite vom Repekus kam. Nahe dem Pottkieker lebte eine Zeit lang Stoppok. Oder dessen Bruder. Nebenan wohnte die Familie eines Mädchens, das in meine Schule ging. Später trug sie die hässlichen Ballonmützen von Stoppok auf. Aber als sie noch kleiner war, da traf mein Vater sich schon mal gern mit ihrem Vater im Haus Steinfort. Danach blödelte er herum, er hätte mit meinem zukünftigen Schwiegervater ein Bierchen getrunken. Irgendwann kam ich empört von der Grundschule nach Hause und erklärte: Cordula werde ich nicht heiraten! Die hat sich heute in die Hose gemacht!

Es ist eine bittere Ironie, dass ich mich viele Jahre später unglücklich in eine Frau verliebte, die Cordula sehr ähnlich sah.

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  1. Jörg

    Zum Ende?

    Muss gestehen, ich habe mich hier gerade festgelesen. Sehr schön. Und ich weiß ja nicht nur, wer die Mützenträgerin ist, sondern kann mich auch noch sehr gut an den hier zitierten Budenbesitzer erinnern, also den auf der rechten Seite von der Rü kommend. Damals, als das süße Zeug noch nicht umständlich mit diesen Einmalhandschuhen aus den Gläsern befreit werden musste und man die Zigaretten noch einzeln kaufen konnte.

    • Ja, das waren noch Zeiten. Als man sich die Pfennige zusammensparte, um ein paar Esspapier-Ufos kaufen zu können, die dann brüderlich geteilt wurden. 🙂

    • Ah, noch zum Punkt Ende:
      Ja, das ist ein längerer Text, den ich hier zurzeit fragmentarisch zusammenpuzzle: http://www.doctotte.de/tag/mein-vater/
      Inzwischen ist alles geschrieben, eben auch der Schluss, der nach Plan Anfang Juni hier erscheinen wird. Ich plane, diese ganzen Fragmente anschließend ein wenig zu sortieren, noch Fehler zu tilgen und das Ganze dann als zusammenhängenden Text hier anzubieten.

      • Jörg

        Biete mich gerne als „Zitierzirkel-Schleuser“ an, wenn das Teilchen auf dem Markt ist…

  2. Jörg

    Huch, hier wird ja kaum verfremdet! War gar nicht nötig, dass auch noch der Name der Ballonmützenträgerin fiel. Herzliche Grüße von Jörg

    P.S. War Harry Schick schon zu weit?

    • Herzliche Grüße zurück! 🙂
      Ach, der Kreis der Eingeweihten ist ja klein.
      Außerdem werde ich zum Ende selbst noch die Hosen runterlassen.

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