Meine Mutter hat ein merkwürdiges Verhältnis zu Sport. Früher, zumindest in den 70ern, hat sie mit Tennis gespielt. Als Trimm-dich hip war, lief sie (langsam) mit, im Urlaub fuhr sie (langsam) Fahrrad. Sie ging zum Schwimmen, wenn auch meist nur bei einer Freundin im Schwimmbecken im Keller, als in den 80ern Skilanglauf modern wurde, machte sie auch das mit, und eine kurze Zeit ist sie mal geritten, bis sie sich eine Hand brach, dazu aber später mehr. Ach ja, und als ich klein war, waren wir mal beim Schlittschuhlaufen. Meine Mutter fiel hin, brach sich den Arm, der einige Wochen in einer Halsschlinge gehalten wurde, und danach gingen wir nie wieder Schlittschuhlaufen. Nur die Schuhe wurden jahrzehntelang auf dem Boden aufbewahrt. Ansonsten ist meine Mutter eher Passivsportler. Sie schaute sich – laut eigener Auskunft – alle großen Ali-Kämpfe an, stellte sich dafür extra nachts den Wecker. Angeblich tat sie das nur, um das „Großmaul“ mal verlieren zu sehen. Ich verdächtige sie ehrlich gesagt ein wenig, dass sie sich den Mann gern ansah, das aber niemals zugeben würde. Später schaute sie gern Tennis: Borg, McEnroe, Lendl – Becker schon ungerner, dann lieber schon Frauentennis. Formel 1 sieht sie auch seit vielen Jahren sehr gern, war mit einem Freund sogar zweimal in Zandvoort beim Rennen (selbst für Fans stinkelangweilig vor Ort, wie sie meinte, man sieht nix vom Rennen). Fußball schaut sie sich praktisch nur zu Weltmeisterschaften an und auch das nur in Gesellschaft, allerdings schon viele Jahre, bevor das für Frauen modern wurde. Seit einigen Jahren sieht sie sich auch Reiten im Fernsehen an, lieber Dressur, zur Not aber auch mal Springen.

So seltsam es klingt, sie hat sich ein erstaunliches Sportwissen angeeignet und könnte vermutlich aus dem Stand zumindest in den genannten Sportarten ein Spiel, Rennen oder Reiten im Rundfunk moderieren, wie mir erst bewusst wird, wenn ich diese Zeilen notiere.