Träume sind, das wussten schon die frühesten Psychoanalytiker, aber auch Ureinwohner verschiedenster Kontinente, ein spannendes Feld des Menschen. Manche Religionen gehen sogar davon aus, dass Träume die eigentliche Realität sind. Der Blick in individuelle Träume einzelner Menschen kann aber immer auch zwiespältig sein: Einerseits bieten sie Einblicke in fremde Welten, andererseits kann es aber auch schnell ermüdend sein, in diese einzutauchen.

Ich selbst hatte vor über zwanzig Jahren bisweilen einzelne Träume niedergeschrieben. Eine liebe Freundin, die meine Texte sehr schätzte, mokierte sich ausrechnet über diese Traumtexte. Das, was einem aus dem eigenen Unbewussten selbst beeindruckend erscheint, sprach sie inhaltlich kaum an.

Damals wusste ich nicht, dass Georges Perec von 1968 bis 1972 Träume gezielt gesammelt und niedergeschrieben hat.* Diese Träume sind nun erstmals auf Deutsch erschienen. Auch wenn ich die Kritik der genannten Freundin teilweise zustimmen möchte, war es dennoch hocherfreulich, diese Zusammenstellung zu lesen.

So fand ich es bemerkenswert, beschreibende Mechanismen zu erkennen, die diese seltsame Subjektivität des Träumenden ausmachen. Bei allem Unsinn, den man sich zusammenträumt, ist es doch bei vielen Elementen so, dass sie im Traum ganz selbstverständlich und „eigentlich“ bekannt sind. Auch werden Sprünge in Zeit, Raum und bei Personen als ganz normal hingenommen, während man sich über andere Teile schon im Traum sehr wundert.

Alles in allem fand ich Perecs Träume wirklich hochinteressant, räume aber ein, dass sie sicherlich nur etwas für eingefleischte Perecianer sind und kaum als Einstiegslektüre taugen.

Lediglich einen Kritikpunkt möchte ich anbringen: Wenn ein Verlag wie der Diaphanes-Verlag so ein ehrenhaftes Projekt in Angriff nimmt und optisch ein wirklich hübsches Büchlein zaubert, wundert doch die sprachliche Qualität. Das Buch ist ein weiteres Beispiel (und die häufen sich in letzter Zeit wirklich auffallend!!!) dafür, dass Geld für Lektoren eingespart wird und/oder Übersetzer ihre Muttersprache nicht beherrschen. Ich sage nur „Extase“ (es juckt mich wenig, wie es im Französischen geschrieben wird, lieber Übersetzer Jürgen Ritte).

* Genau genommen kannte ich Perec damals noch nicht einmal.