Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Kategorie: Comics (Seite 1 von 2)

Hugo Pratt, Corto Maltese. Die geheimnisvolle Lagune

Pratt, der sein Venedig wohl sehr schätzte, gelangt mit Kapitän Corto Maltese in diesem Band über zwei Umwege in die berühmte Lagunenstadt Venetiens. Hier gerät er schließlich in die Wirren des Ersten Weltkriegs, wo Maltese zwischen den Frontlinien ein Husarenstück abliefert. Dabei zog ihn eigentlich nur die Suche nach einem Goldschatz dorthin.

Ein interessantes Puzzlestück im Maltesiversum, für sich genommen aber an einigen Stellen etwas flüchtig.

Hugo Pratt, Corto Maltese. Im Zeichen des Steinbocks

In diesem Band zieht es Maltese an die Küsten Südamerikas. Hier hilft er einem Waisen aus England dabei, seine Halbschwester zu finden.

Im Zeichen des Steinbocks ist etwas zerfasert; eine einheitliche Geschichte findet sich kaum, eher Geschichtchen, die locker mit der Region verbunden sind und bei denen er eine Handvoll Begleiter an seiner Seite hat bzw. trifft.

Tolle Bilder – wie üblich bei Pratt. Die Story ist leider eher ein Sammlung leichter Sommerträume.

Hugo Pratt, Corto Maltese. Das goldene Haus von Samarkand

Der Italiener Pratt war ein ganz besonderer Schwadronierer. Er saugte Geschichten und Legenden auf und verschmolz sie zu einem Abenteueramalgan, dem er mit einer flinken, aber treffsicheren Feder beikam.

Aus diesem Kessel ist auch Corto Maltese geboren. Maltese ist ein Weltenbummler, ein Herumtreiber, immer auf der Suche nach dem nächsten Schatz oder Abenteuer, hier und dort bekannt, verbunden mit einer seltsamen Hassliebe zu der ein oder anderen Figur, die immer wieder vorkommt.

So sucht Maltese in diesem Band das goldene Haus von Samarkand, einem Gefängnis, in dem ein Freund einsitzt, den man eigentlich nicht Freund nennen kann. Eine spannende, interessante, mit vielen historischen Fakten angereicherte grafische Novelle, die wundervoll gezeichnet ist.

Simon Spruyt, Junker. Ein preußischer Blues

Comics und Graphic Novels kommen hier eher selten vor. Das finde ich eigentlich schade, denn ich lese gute gezeichnete Geschichten wirklich sehr gern.

Als ich nebenbei über Junker stolperte, war ich recht schnell daran interessiert. Eine Zeitlang lag die Idee, mir die Novel zu besorgen, etwas flach. Irgendwann ergab es sich dann aber doch und ich griff zu.

Die Zeichnungen sind wirklich herrlich. Sauber, sehr bedacht und immer auf den Punkt. Die Geschichte selbst geht sich ebenfalls gut an. Je weiter man zum Ende gelangt, desto mehr fragt man sich aber: Wie will Spruyt das noch auf den paar Seiten auflösen? Gab es etwa einen zweiten Band, von dem ich noch nichts wusste?

Den scheint es aber partout nicht zu geben und ja, richtig, am Ende, eine im Vergleich zur Vorgeschichte etwas banale Wendung, von der ich nichts verraten möchte.

Trotz diesem Knackpunkt fand Junker dennoch mein Gefallen.

Plumpes Product Placement in Disney-Comics verleitet Jugendliche zur Unzucht!

Heute ist es an den Tag gekommen! Alle Welt beschwert sich, wie unzüchtig die Jugend heutzutage ist. Nun ist einer internationalen Forschungsgruppe um DocTotte endlich gelungen, die Ursachen für dieses rätselhafte hochpromiskuitive Verhalten aufzudecken. In einem sogenannten Comic-Strip („Onkel Dagobert und die Stadt der goldenen Dächer“) aus dem schicksalhaften Jahr 1982 stammt diese Szene:

Aus: Dagobert, der Milliardenakrobat. Lustige Taschenbücher Nr. 53, 3. Aufl. 1982. Klick vergrößert.

Man beachte die bereits durchsexualisierte Sprache: „BONG! BONG!“ oder „Schäl dir ’ne Banane“ und selbst im letzten hier dargestellten Bild wird der kindliche Leser noch auf „BUMBA“ und „BUMM“ getrimmt. Dadurch sollen die Sexualganglien auf Empfang gestellt werden, damit sichergestellt ist, dass das scheinbar unauffällig eingestreute Naturkautschukprodukt „Billy Boy“ (bitte nur anklicken, wenn volljährig) in die entsprechenden Gehirnareale gelenkt wird.

Nun kann dem europäischen Bildungsbürger nicht entgangen sein, dass der Name U.S.A. für Unzüchtige Sexuelle Ausschweifungen steht, aber unsere namhafte Forschungsgruppe ist felsenfest davon überzeugt, dass die Folge davon nicht sein darf, dass die moralisch gefestigte Jugend Europas auf diesem Wege der Liederlichkeit preisgegeben wird. Wir sagen: Pfui! Herr Disney, was für eine Affenschande!

Shame on you, Mr. Disney, shame on you!

Franquin, Schwarze Gedanken (komplett)

Nennt mich milzsüchtig, nennt mich bösartig, nennt mich, was ihr wollt – aber ich mag Franquins Schwarze Gedanken. Sie zeugen nicht nur davon, dass da jemand sehr genau verstanden hat, wie verderbt die ganze Welt ist, sondern der auch die der Verderbnis innewohnende Lächerlichkeit erkannt hat und sie ausdrucksstark in Szene zu setzen verstand. Die richtige Lektüre für Realisten. Ein paar soll es ja noch geben.

Alberto Breccia, Enrique Breccia, Héctor Oesterheld, Che

Zeichner Alberto Breccia, sein Sohn Enrique und der Texter Héctor Germán Oesterheld haben mit diesem Comic (kann man es überhaupt wirklich Comic nennen?) in meist eher düsteren Bildern Ausschnitte aus dem Leben des argentischen Revolutionärs.

Man mag sich ja über das Spannungsfeld zwischen seinem Wollen und Wirken streiten, die Tatsache, dass er als Identifikationsfigur für Millionen von Menschen wirkt(e), macht ihn aber zu mehr als eine simple Warhol-Ikone.

Dementsprechend halte ich es für wichtig, sich mit ihm und seinen Taten auseinanderzusetzen, und sei es in popkulturelleller Annäherung. Die Arbeiten der Breccias und von Héctor Oesterheld sind hier ein wertvoller Puzzlestein, den ich gern empfehle.

Hendrik Dorgathen, Space Dog

Dem Zeichner Dorgathen gelang Anfang der 90er mit diesem Comic eine kleine Sensation: Die kleine Geschichte um einen Hund, der zum heldenhaften Astronauten wird, und die dabei komplett ohne jedes Wort auskommt (abgesehen vom Buchtitel) war beim Erscheinen ein recht bekannter Knaller. Damals gefiel mir die Idee, sich auf Bilder zu beschränken, dabei eine nette kleine Geschichte zu erzählen und dazu grafische Mittel zu verwenden, wie ich sie gerade damals auch in eigenen Arbeiten gern genutzt habe. Genau genommen würde ich vieles sogar heute noch nutzen, wenn ich denn wieder mehr Zeit für eigene Arbeiten fände – aber das ist ja wieder ein anderes Thema.
Trotz des Lobs muss ich allerdings einräumen, dass ich Space Dog heute irgendwie recht lahm finde. Vielleicht ist die Geschichte einfach zu klein, um über Jahre zu leben. Aus grafischen Gründen ist der Band aber weiterhin dem zu empfehlen, der ihn noch nicht kennen sollte.

Ari Folman, David Polonsky, Waltz with Bashir

Den Film hatte ich ja bereits besprochen und empfohlen. Jahre nachdem ich ihn zum ersten Mal gesehen habe, entdeckte ich diese Graphic Novel. Auch wenn man bei der Lektüre nicht den fabelhaften Soundtrack von Max Richter hört (es sei denn, man lässt den OST nebenher laufen), bleibt es doch auch in Buchform eine enorm eindringliche und bemerkenswerte Geschichte.

Gilbert Shelton, Famous Tales of Fat Freddy’s Cat

Wer die Fabulous Fury Freak Brothers kennt, kennt auch Fat Freddy’s Cat. Das launige Pelztier, das zwischen Kakerlaken und Dope seinen Tag schlafend und fressend verbringt und seinem Herrchen mit Vorliebe in die Pantoffeln kackt oder auf die Matratze schifft, erlebte als Sidekick zahlreiche amüsante Abenteuer. In diesem amüsanten Band sind sie (weitgehend) zusammengestellt, sodass man sich bei der Lektüre über Truthähne, Katzenenkel und Walderlebnissen einer Stadtkatze auf diesen Kater konzentrieren kann.

Seite 1 von 2

Läuft mit WordPress & Theme erstellt von Anders Norén