Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

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DocTotte spricht zu euch

(Zur Erinnerung: das » Ritual hier zum Mitlesen.)

Moonlight

Auf den Oscar angesprochen antworte ich gewöhnlichm dass mir dieser güldene Pappkamerad schnurze ist & doch werde ich hin und wieder neugierig, was an den Preisträgern preistragend sein soll – oft, zu oft leider grundlos wie bei diesem insgesamt erschreckend belanglosen Streifen, der nur wenig zu erzählen hat, was auch durch manche schöne Kameraeinstellung einfach nicht zu retten ist.

Fazit: gähnen im Mondlicht

Chevalier

Als ich damals zur Veröffentlichung des Films über ihn las, wunderte ich mich schon, warum er es offenbar in keins meiner Programmkinos schaffte, was aber womöglich daran lag, dass die Grundgeschichte – eine Gruppe von Männern veranstaltet den ultimativen Schwanzvergleich – weniger amüsant, sondern vielmehr grunddeprimierend rüberkommt und das Zuschauen in den meisten Szenen eher einem Fremdschämen gleicht.

Fazit: ein (für Männer) sehr bedrückendes Drehbuch

Namen der Verkehrsschilder

Die Tage fiel mir etwas Lustiges ein. Ich erinnerte mich daran, wie ich zu der Zeit, als ich Verkehrsschilder lernte, das Vorfahrtsschild aus welchen Gründen auch immer mit einer Mitschülerin assoziierte. Ich kann nicht sagen, warum, aber für mich standen Vorfahrtsschilder einfach für „Sonja“. Ob es an der gelben Farbe lag – ich weiß es nicht.

Eingedenk dieser Erinnerung fiel mir auf, dass ich heute auch andere Verkehrsschilder mit Namen verknüpfen könnte. Eine synästhetische Abart sozusagen. Merkwürdigerweise kamen mir lediglich Namen von Grundschulmitschülern in den Sinn, ganz so, als wären ihre Namen für mich appelativ geworden. Halteverbotsschilder sind für mich z.B. eindeutig Andreas. Die Einbahnstraße ist Rita. Sackgasse ist Thomas und Radfahrer ist Michael. Peter, der ist für mich am ehesten ein Links-(oder Rechts-)Abbiegen-Schild.

So könnte ich ewig weitermachen. Aber das wäre natürlich langweilig. Wie sieht das bei euch aus? Habt ihr ähnliche Assoziationen?

Hugo Pratt, Corto Maltese. Im Zeichen des Steinbocks

In diesem Band zieht es Maltese an die Küsten Südamerikas. Hier hilft er einem Waisen aus England dabei, seine Halbschwester zu finden.

Im Zeichen des Steinbocks ist etwas zerfasert; eine einheitliche Geschichte findet sich kaum, eher Geschichtchen, die locker mit der Region verbunden sind und bei denen er eine Handvoll Begleiter an seiner Seite hat bzw. trifft.

Tolle Bilder – wie üblich bei Pratt. Die Story ist leider eher ein Sammlung leichter Sommerträume.

Die andere Seite der Hoffnung

Mit diesem Film hat Kaurismäki sich selbst übertroffen, da man jedes, aber wirklich jedes Standbild von der ersten bis zur letzten Sekunde herausnehmen, vergrößern und in einer Fotoausstellung präsentieren könnte, so gut ist das Ganze fotografiert – und dabei erzählt es nebenbei noch eine, nein: zwei Geschichten.

Fazit: nicht nur für Kaurismäki-Fans ein hohes Vergnügen!

Plötzlich Gigolo

John Turturro, u.a. bekannt als Bowlingspieler aus Big Lebowski und Bruder von Mr. Monk, präsentiert hier ein amüsantes Spiel im Verbund mit Woody Allen in der Rolle als Zuhälter eines mittelalten Escorts, der die New Yorker Frauenwelt aufmischt und dabei doch nur die eine sucht.

Fazit: amüsanter kurzweiliger Spaß

Paybackgedanken

Kennt ihr das auch? Diese ewige Fragerei an den Kassen, ob man eine Payback-Karte hat?

Ich hab vor vielen Jahren mal son Plättchen geschickt bekommen, als ich noch Telekomkunde war. Die Anmeldung hatte ich aber nicht durchgezogen, weil es mich genervt hat, den versammelten Einzelhändlern Hinweise darauf zu geben, was ich so einkaufe.

Auch heute noch nervt mich diese Vorstellung. Sogar noch mehr als die dauernde Fragerei nach dieser asseligen Karte, mit der man pro Einkauf Anteile am Bruchteil eines Bruchteils von irgendwelchem billigen Werbemittelschrott erwirbt.

Wenn ich mir aber so anschaue, wie bereitwillig andere Leute ihre Payback-Karte zücken, frage ich mich langsam, ob das Payback-Konsortium sehr wohl weiß, was ich so kaufe. Sie schauen einfach nach, was sonst noch so gekauft wurde, und schließen daraus, das war ich. Hat sich was mit Datenschutz.

Hugo Pratt, Corto Maltese. Das goldene Haus von Samarkand

Der Italiener Pratt war ein ganz besonderer Schwadronierer. Er saugte Geschichten und Legenden auf und verschmolz sie zu einem Abenteueramalgan, dem er mit einer flinken, aber treffsicheren Feder beikam.

Aus diesem Kessel ist auch Corto Maltese geboren. Maltese ist ein Weltenbummler, ein Herumtreiber, immer auf der Suche nach dem nächsten Schatz oder Abenteuer, hier und dort bekannt, verbunden mit einer seltsamen Hassliebe zu der ein oder anderen Figur, die immer wieder vorkommt.

So sucht Maltese in diesem Band das goldene Haus von Samarkand, einem Gefängnis, in dem ein Freund einsitzt, den man eigentlich nicht Freund nennen kann. Eine spannende, interessante, mit vielen historischen Fakten angereicherte grafische Novelle, die wundervoll gezeichnet ist.

Zwischen den Jahren

Ein im Prinzip recht krasser Film, der sich auf der Blaupause „ehemaliger Mörder wird vom Angehörigen seiner Opfer entdeckt und gestalkt“ recht eindrücklich mit dem Thema Vergangenheit, Buße und Neustart beschäftigt, ohne eine allgemeingültige Lösung präsentieren zu wollen.

Fazit: kein Heile-Welt-Film, nein, ganz und gar nicht

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