Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: al (Seite 1 von 4)

Jack London, König Alkohol

Vor Jahren schon hatte mir ein guter Freund diesen Text empfohlen (ich möchte betonen, dass es kein Wink mit dem Zaunpfahl war, sondern allein um den Inhalt ging!). Als ich nun neulich in meiner Stammpapierwarenhandlung war, um Briefumschläge zu kaufen, sah ich an der Kasse das Buch und packte es ohne zu zögern zu den Umschlägen (Kommentar des Verkäufers: „König Alkohol – der muss sein!“).

Ich war so unfassbar gespannt, dass ich das Buch bei der erstbesten Gelegenheit in die Finger nahm und nicht mehr aufhören konnte mit der Lektüre. London schildert hier nicht einfach die Geschichte seiner Sucht. Er präsentiert über die verknappte Darstellung seines Lebens ein pessimistisch geprägtes Weltbild in einer amüsant-spritzigen Weise, dass es auch dem größten Optimisten gefallen dürfte – und der Pessimist feiert wie Onkel Dagobert, wenn der vor lauter Freude sich die Entenfüße hält und sitzend im Kreise hopst.

König Alkohol ist wahrlich beste Lektüre mit zahlreichen klugen Gedanken und Überlegungen!

Wladimir Iljitsch Lenin, Die große Initiative

Auch dieses Bändchen ist aus meiner Reihe DDR-Miniaturbücher und insofern eher ein historisches Propagandadokument als ein interessanter Text. Es enthält Lenins Artikel über die „Heldentaten der Arbeiter“ zu Beginn der UdSSR (aus Anlass der kommunistischen Subbotniks, also der Gratisarbeitsdienste).

Zugegeben, es wird bei diesem Bändchen höchstwahrscheinlich bei einer einmaligen Lektüre im Sinne einer Kenntnisnahme bleiben, aber es darf als historische Propaganda weiter in meiner Bibliothek hausen.

Thomas Buchsteiner, Otto Letze (Hrsg.), Weegee – The Famous. Fotografien von 1935–1960

Der grandiose Bildband war ein toller Überraschungsfund, als ich mir neulich in Oberhausen die angenehme Warhol-Ausstellung angeschaut habe. Eigentlich hatte ich nur ein wenig im Museumsshop stöbern wollen, amüsierte mich dabei über den ganzen Museumsshoptand, der feilgeboten wurde. Aber schließlich stolperte ich über den Weegee-Band und schleppte ihn gleich zur Kasse.

Ich kann nicht beurteilen, wie bekannt oder unbekannt Weegee heute in Deutschland ist. Ich habe ihn – zugebenerweise – erst recht spät über den Umweg Kubrick kennengelernt, der zeitlebens ein großer Weegee-Fan war. Weegee hat sich lange als Polizeifotograf durchgeschlagen, bis die künstlerischen Qualitäten seiner Bilder (an)erkannt wurden.

Schade finde ich eigentlich nur, dass ich damals nicht bei der Ausstellung war, sondern jetzt lediglich diesen Ausstellungskatalog besitze. Aber immerhin wenigstens den.

Janko Lavrin, Dostojevskij (Rowohlt-Biographie)

Der Mann war fraglos kein einfacher Mensch. So gut er schreiben konnte, so gut er sich in Menschen hineinversetzen konnte – so ein getriebener Irrer und Nationalist war Dostojevskij. Das macht es meines Erachtens umso wichtiger, wenigstens ansatzweise zu erfahren, wie der Mensch war, der all diese faszinierenden Figuren und Geschichten geschaffen hat.

Dieses kleine Rowohlt-Bändchen gehört mit zu den besten rororo-Biographien, die ich kenne. Sie sind in sich rund, es fehlt nichts für eine Kurzbiographie. Sehr zu empfehlen!

Karl Liebknecht, Briefe aus dem Zuchthaus

Ein weiterer Band aus meiner DDR-Miniatur-Bibliothek. Karl Liebknecht ist in der Geschichte des modernen Deutschen Reichs eine enorm wichtige Person, auch wenn er aufgrund des Mords durch Rechtsextreme viel zu früh aus unserer Politikerlandschaft gerissen wurde (und ich muss nicht seine politische Meinung teilen, um seine Wichtigkeit anzuerkennen). Ohne ihn wäre die Novemberrevolution anders abgelaufen, ohne ihn wäre die KPD nicht oder bestenfalls anders gegründet worden und ohne die KPD wären auch weitere politische Entwicklungen wesentlich anders abgelaufen.

Liebknecht wurde aufgrund seines Pazifismus im Jahre 1916 zu Zuchthaus verurteilt, das er kurz vor Kriegesende verlassen durfte. Aus dieser Zeit ist eine Reihe von Briefen überliefert, von denen ein Teil im vorliegenden Büchlein versammelt ist. Es sind Briefe an Verwandte und politische Freunde. Und so schwankt auch der Inhalt zwischen Privatem und Kampfparolen im Sinne der „internationalen Arbeiterschaft“.

Gut, ich gebe zu, dass ich sowas nicht lese, weil ich mich an Stil oder Inhalt ergötzte. Das sicher nicht. Aber auch diese Zusammenstellung ist ein lebendiges Stück Zeitgeschichte, und zwar sowohl im Inhalt als auch in Form. Und daher gehört es zu den der kleinen Auswahl besonderer Bücher in meiner Bibliothek.

Wladimir Iljitsch Lenin, An die revolutionären Arbeiter der Welt

Ich vermute mal, dass nur wenige diese lustigen kleinen Büchlein kennen, die in der DDR produziert wurden. Es sind richtige Bücher in Winzformat, aber mit Ledereinband. Meist enthalten sie nur kurze Texte, beispielsweise eine Rede. Nach der Wende stoppte die Produktion dieser Büchlein, die meines Wissens vornehmlich Propagandatexte enthalten.
Ich hatte damals mal ein paar Bücher bestellt, allerdings eher aus dokumentarischen Gründen und weniger, weil mich der Inhalt interessiert hätte. Gelesen habe ich sie dennoch.

Dieses kleine Bändchen Lenin habe ich sogar eine Zeit lang mit mir herumgeschleppt. Wer mich damals kannte, mag mich für einen Leninisten gehalten haben, obwohl mir dessen Einstellung ziemlich fern lag (und liegt). Es enthält vornehmlich Durchhalte- und Motivationsschreiben. Daher ist es historisch leider weniger spannend als beispielsweise die Mao-Bibel. Insofern mag ich weniger dieses spezielle Buch empfehlen, aber wer mal in einem Antiquariat auf so ein Bändchen stoßen sollte, dem sei gesagt, dass er damit ein Stück Geschichte in den Fingern hat, das für die Nachwelt eines Tages enorm spannend sein kann!

Walter Lennig, Poe (Rowohlt-Biographie)

Ich gehöre noch zur Schule, die bei der Bewertung von Kunst viel Augenmerk auf den Künstler, dessen Leben und Werdegang legen. Das gilt natürlich besonders bei Künstlern wie Poe, deren Werk mir besonders wichtig ist.

Während man laut einem meiner Literaturprofessoren angeblich das Leben Goethes weitgehend im Fünfminutentakt rekonstruieren kann, haben wir bei Poe leider viele, viele Leerstellen. Vieles ist recht unbekannt, und das bisschen, das bekannt ist, ist nicht immer schmeichelhaft. Trotzdem finde ich es enorm interessant, weil die vielen Brüche, die wir aus Poes Leben kennen, ihn als Menschen nahebringen und auch sein Werk besser einordnen lassen.

Das, was mich am meisten ärgert, ist eigentlich lediglich, dass ich gern eine ausführlichere Biographie hätte als dieses dünne Rowohlt-Bändchen. Vielleicht kann einer der hiesigen Leser mir ja einen Tipp geben.

Bernd G. Längin, Der amerikanische Bürgerkrieg. Eine Chronik in Bildern Tag für Tag

Zu der Zeit, als ich mir das Buch kaufte, spielte ich gerade recht häufig das Spiel Gettysburg von Sid Meyer. Vorher konnte ich nie verstehen, was US-Amerikaner am Civil War fanden. Mir kam er immer irgendwie … langweilig vor. Bitte nicht falsch verstehen! Ich lehne ihn als Krieg an sich genauso ab wie andere Kriege. Aber wenn ich mich schon mit dem Thema beschäftigt habe, dann lieber in anderen Regionen und Zeiten. Das galt selbst für Pop-Phänomene wie Fackeln im Sturm – die Episoden, die im Krieg spielten, fand ich als Teenager ziemlich öde.

Genau das, und deshalb erwähne ich das hier überhaupt, kippte während der Beschäftigung mit dem genannten Spiel. Plötzlich gab es Facetten, bei denen ich mich wunderte, über die ich mehr wissen wollte. Und da kam das Buch gerade recht.
Es schildert, wie der Titel schon sagt, Tag für Tag, was in den Jahren des Bürgerkriegs passierte. Dazu gibt es neben Fotos der Protagonisten (hauptsächlich Generäle und dergleichen) auch zahlreiche Fotos von Schlachtfeldern. An dieser Stelle wurde mir zweierlei bewusst. Erstens: Wie realistisch das Strategiespiel angelegt war, denn die Spielgebiete in und um Gettysburg fand ich erschreckend detailliert im Buch wieder. Und zweitens: Dass im amerikanischen Bürgerkrieg weitergeführt wurde, was im Krimkrieg begann – die Kriegsfotografie. (Und ich suche immer noch nach einem schönen Band mit Bildern des Pioniers Roger Fenton.)

Warum mich das interessiert? Ich kann es gar nicht richtig sagen. Es ist weder Verherrlichung noch Ergötzen am Entsetzen. Es ist eher eine Neugier an den Abgründen der Menschheit, die sich eben während Kriegszeiten überproportional zeigt (und direkt im Anschluss, wie die „plötzliche“ Verrohung z.B. nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland beweist).

Deshalb ist die Bürgerkriegschronik zwar kein Lieblingsbuch von mir, aber doch eins, in dem ich hin und wieder blättere. Von dem ich mich in Staunen darüber versetzen lasse, warum Menschen sich zu solchen Brutalitäten kommandieren lassen, warum sie anderen Menschen Sachen antun, von denen sie selbst inständig hoffen, dass sie ihnen und ihren Familien niemals angetan werden, warum sie nicht merken, wie sie als billiges Werkzeug, als Bauernopfer verheizt werden.

J.M.R. Lenz, Der Hofmeister

Ein Buch, das ich zwar zur Ausbildung brauchte, interessanterweise aber nicht zu Schulzeiten, sondern in der Literatureinführung an der Uni. Das war damals vielleicht eine seltsame Veranstaltung. Eingepfercht zwischen Kommilitonen, die kaum mehr als die Anleitung zur Brigitte-Diät lesen, und anderen, die Mollys Monolog aus Ulysses fast auswendig konnten. Ach ja, der Hofmeister. Hm. Ein für mich ungewöhnliches Stück. Ich möchte es nicht wiederlesen, fand es aber wenigstens insofern interessant, als ich natürlich Büchners Auseinandersetzung mit Lenz kannte. Im Ganzen war es son bisschen Kabale und Liebe für Arme.

Mark Leyner, Billy Goldberg, Warum haben Männer Brustwarzen?

Ich rate mal, dass die wenigsten erwarten, hier von einem Buch zu lesen, dessen Untertitel lautet: „Drängende Fragen, die Sie Ihrem Arzt erst nach dem dritten Martini stellen würden“. Ich räume auch ein, dass ich es mir selbst vermutlich nicht gekauft hätte. Richtig, es war ein Geschenk. Und ich muss einräumen, dass ich die Grundidee zum Buch gar nicht mal so doof finde, weil es für aufgeschlossene Menschen doch täglich Fragen gibt, auf die man keine Antwort bekommt. Zugleich möchte ich aber auch bemängeln: Dieses Buch beantwortet sie nicht und vor allem beantwortet es diese Fragen stilistisch recht rudimentär. Also gute Idee, aber bereits durch die unglückliche, weil unausgewogene Coautorenschaft herzlich missglückt. Eigentlich schade, aber in dieser Form möchte ich das Buch nicht empfehlen.

Seite 1 von 4

Läuft mit WordPress & Theme erstellt von Anders Norén