Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: at (Seite 1 von 2)

Helge Timmerberg, Die rote Olivetti

Lakonisch ist so ein gespaltenes Wort. Oft trägt es einen abwertenden Beigeschmack mit sich. Es kann aber genauso ein sehr unterhaltsames Element sein.

Timmerberg ist so ein Beispiel. In der roten Olivetti (benannt nach seiner Reiseschreibmaschine) berichtet er lakonisch, auf welchen Umwegen er Journalist wurde und wie es ihm auf den verschlungenen Pfaden im Wald der flotten Spätachtziger- und Neunziger-Zeitschriften erging. Und er macht es eben amüsant lakonisch.

Er beschreibt wunderbar. Er scheut sich nicht, für Vergleiche in den Fundus der hemmungslosen Kneipensprache abzutauchen. Stilsicher verzichtet er dabei auf das zotig Plumpe. Er schreckt auch nicht zurück, sich in ein schlechtes Licht zu stellen, was den Text ehrlich wirken lässt und ihn letztlich zu seinen Wurzeln zurückbringt: dem Gonzo-Journalismus.

Denn man merkt der Olivetti Timmerbergs Herkommen aus den damals angesagten Zeitschriften an. Aber das tut dem Text keinen Abbruch. Im Gegenteil möchte ich behaupten: Timmerberg stolziert wie eine aufmerksame Thompson-Gazelle durch die Savanne, die zwischen den beiden Buchdeckeln liegt. Und das zu Recht.

Ein leichtes, aber sehr schönes Lesevergnügen.

Ludwig Tieck, Die Vogelscheuche. Das alte Buch

Etwas ungewöhnlich, aber mir fiel die Tage auf, dass ich aus der Reihe Haidnische Alterthümer diesen Band noch gar nicht angesprochen hatte. Gut, die Vogelscheuche habe ich auch in einer anderen schöneren Version und das alte Buch zähle ich nicht gerade zu Tiecks stärksten Stücken. Aber genannt werden darf es doch trotzdem.

Michael Töteberg, Fritz Lang (Rowohlt-Biographie)

Die wirklich großen deutschen Filmregisseure kann man praktisch an einer Hand abzählen: Wen haben wir denn da? Lang, Murnau, Herzog, meinetwegen noch Schlöndorf und Fassbinder; dann wird es aber auch schon eng – und nein, Petersen oder Emmerich hab ich nicht vergessen. Die zwei sind weder große Regisseure noch würde ich sie wirklich als deutsch bezeichnen. Aber gut, das ist ein anderes Thema.

Oft habe ich vor allem Murnau und Lang als vergleichbare Regisseure betrachtet. In einer ähnlichen Zeit in ihrem Metier groß geworden, haben beide den Film an sich revolutioniert und das geschaffen, was man heute wohl Erzählkino nennen würde.

Dennoch gibt es einen Punkt, in dem sich beide deutlich unterscheiden: Murnau starb früh, zu früh für den Film, aber auch zu früh, um den Nazisumpf erleben zu müssen (ich erspare Spekulationen darüber, was ihm als homosexuellem Regisseur mit expressionistischen Ansätzen im Dritten Reich geblüht hätte). Lang dagegen spielte mit Elementen (der größenwahnsinnige Mabuse mit seiner verbrecherischen Organisation; Metropolis, die Nibelungen, M), die die Nazis entweder vorwegnahmen oder ihnen sinnbildstiftend in die Hände spielten. Das wurde u.a. begünstig durch seine Frau Thea von Harbou, die sowohl für Lang als auch für Murnau Drehbücher verfasste.

Doch auch bei Lang gab es einen großen Bruch – die Emigration in die USA, nachdem den Nazis hierzulande die Macht überlassen worden war.* Obwohl Lang sowohl in den USA als auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland in den 50ern weiterhin Filme drehte, blieben sie meines Erachtens doch weit hinter seinen früheren Glanzleistungen zurück. Leider!

Trotz allem möchte ich diese kleine Biographie aus dem Hause Rowohlt nicht missen. Sie bringt dem Filmfan den Menschen Lang ein kleines Bisschen näher.

* Und ja, ich schreibe bewusst nicht Machtergreifung oder ähnlichen Unsinn, der lediglich beschönigen soll, dass gewisse bürgerliche Kreise den Nazis die Macht sehr bewusst zur Verfügung gestellt haben.

Tacitus, Germania

Ach ja, die kleine antike Schilderung hat vermutlich mehr Folgen für die Menschheit als so manche Enzyklopädie. Wenn man allein überlegt, welche Schwachköpfe noch den größten Unsinn mit diesem Text herbeiargumentiert haben – und dass, obwohl er nur auf Hörensagen beruht. Denn Tacitus war eben nie selbst im großen Germanien. Trotzdem räume ich ein, dass sein Text nicht nur interessant ist, sondern in Teilen eben auch wertvolle Informationen liefert. (Gleichwohl finde ich die wenigen Schilderungen Plinius des Älteren über Germanien wesentlich spannender, beispielsweise seine Beschreibungen der Wurten in der Nordsee.)

Tja, in der Hauptsache hab ich Tacitus natürlich fürs Studium gebraucht. Als Spezialist für diese Zeit kommt man eben um die wenigen (wichtigen) Quellen nicht herum. Grundsätzlich kann man hier im Lande auch Normalsterblichen dieses Werk empfehlen, aber ein Muss ist es sicher nicht.

Ludwig Tieck, Der blonde Eckbert, Der Runenberg, Die Elfen

Ach ja, dieses Reclam-Bändchen sollte meine Tieck-Sammlung beginnen. Leider fand ich alle drei Erzählungen ziemlich lahm, obwohl ich mir wirklich Mühe gegeben habe, sie möglichst positiv zu sehen. Nee, von Tieck gefällt mir die Vogelscheuche besser. Und von der Romantik ist Hoffmann der angenehmere Schreiber.

(Dank einer später eingetreteten Dopplung reiche ich den Reclam-Band auch gern an Interessierte weiter.)

Mark Twain, Die Abenteuer von Tom Sawyer

Ich glaube, hier braucht man gar nicht viel zu sagen. Twain ist gut, Sawyer ist gut. Nur Huckleberry Finn ist besser, aber die Ausgabe, die ich mit 14 mal bekommen habe, ist irgendwann verschwunden – leider. Super Lektüre, nicht nur für Jugendliche!

Barbara Tuchmann, Der ferne Spiegel

Ich glaube, zum ersten Mal habe ich vom fernen Spiegel erfahren, als ich den Namen der Rose gelesen habe. Gekauft habe ich es dann aber erst Jahre später, kurz darauf nahm ich es mit auf meine erste Islandreise (ich ahnte nicht, dass ich mich vor Ort mit zahllosen Saga-Penguins ausstatten würde). Trotzdem las ich Tuchmanns Geschichte des 14. Jahrhunderts im Flieger und auf den ersten Campingplätzen atemlos durch.

Es ist ein wunderbares Buch für jeden, der sich für europäische Geschichte interessiert. Nur wenigen Autoren gelingt es, Historie so angenehm zu schildern. Wer also Einblicke in das hohe Mittelalter erhalten möchte, ist hier gut aufgehoben.

Hunter S. Thompson, Gonzo Generation

In diesem Band – untertitelt mit: das Beste aus den Gonzo Papers – sind zahlreiche kurze oder längere Texte von Thompson vereinigt, die zu einem guten Teil auch in anderen jüngst veröffentlichten Bänden publiziert sind. Nett für einen Rundumschlag durch die Jahrzehnte, amüsant in der Lektüre, aber eben auch viel Wiederholung, wenn man ohnehin Thompson-Fan ist. Kann man haben, muss man aber nicht.

Georg Trakl, Abendländisches Lied

Ich glaube, Trakl war so ziemlich der einzige Nenner, auf den ich mich mit meiner jahrelangen Deutschlehrerin auf dem Gymnasium verständigen konnte. Von all den Autoren, die sie uns aufgetischt hat, konnte ich mit Trakl am meisten anfangen. Später überraschte sie mich sogar damit, dass sie uns verriet, Trakl sei einer ihrer Lieblingsautoren überhaupt. Nennt mich milzsüchtig, nennt mich Melancholiker, Pessimist, was auch immer – aber Trakl gelingt es, in mir Saiten anzuschlagen, die ganz besonders nachhaltig klingen.

Hunter S. Thompson, Königreich der Angst

Hier ist eine Reihe von kürzeren Texten aus dem Leben Thompsons versammelt. Viel deutlicher als bei den Romanen wird hier sein Interesse an der amerikanischen Politik deutlich. Thompson war früh ein Warner, blieb damit aber praktisch bis zu seinem Tod ein einsamer Rufer in der geistigen Wüste USA. Son fundiert und amüsant seine Kritik klingt, so folgenlos ist sie – leider! – auch geblieben. Trotzdem tolle Texte!

PS: Seit ein paar Monaten gibt es eine Textsammlung „Die Rolling Stone Jahre“. Ich fürchte, dass darin weitgehend Texte versammelt sind, die ich bereits kenne bzw. vorliegen habe. Leider hatte ich in keiner Buchhandlung die Chance, einmal reinzugucken. Falls hier jemand liest, der das Buch besitzt, würde ich mich freuen, Hinweise auf den Inhalt zu bekommen. Danke!

Seite 1 von 2

Läuft mit WordPress & Theme erstellt von Anders Norén