Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: aw (Seite 1 von 2)

John Williams, Augustus

Bis ich dieses Buch geschenkt bekam, war Williams mir ehrlich gesagt unbekannt. Offenbar eine Lücke, die ich in den kommenden Jahren mal schließen sollte, um Stoner und Butcher’s Crossing von ihm zu lesen.

Denn was er hier im Augustus präsentiert – eine kluge Zusammenstellung, schön erzählt und trotz aller Zeitsprünge sauber miteinander verzahnt –, macht wirklich Lust auf mehr Williams.

Da stört es nicht, dass er mit Mitteln des Brief- und Tagebuchromans leicht anachronistisch aus einer so anderen, aber doch so ähnlichen Epoche erzählt. Gleichzeitig stellt er mit der Antike um die Zeitenwende kundig ein Panorama einer Zeit und einer Region vor, die unsere Zivilisation bis heute so sehr prägen.

Ich möchte aber auch nicht verschweigen, dass die zweite Hälfte dramaturgisch ein wenig schwächelt – wenn nämlich der erste Kaiser rückblickend merkt, was er alles nicht vermochte.

Meine Empfehlung für den intelligenten Leser, nicht nur für Menschen, die sich für die Antike interessieren!

Paul Watzlawick, Anleitung zum Unglücklichsein

Der eigentliche Trick dieses Buches besteht darin, dass jeder, der etwas dagegen zu sagen wagt, wie ein doofer Spielverderber aussieht, der keinen Spaß versteht. Allein diese Tatsache macht mich sauer. Denn eigentlich bin ich gut gelaunt an die Lektüre gegangen. Ich war sogar überzeugt davon: Hey, dieses Buch (ein Geschenk, Anm. DocTotte) ist genau das richtige Buch für dich. Und das, obwohl ich die Anwesenheit eines Buchs auf Bestsellerlisten gerade nicht als Ausweis für Qualität erachte.

Gut, ich begann die Lektüre, fand den Ansatz zu Beginn auch durchaus unterhaltsam. Aber schon bald musste ich feststellen, dass diese verquarkte Verbindung alter und – schlimmer! – flacher Witze mit pseudophilosophischen Überlegungen, die sogar noch flacher als die Witze sind, auf die Dauer die Hirnmuskeln erschlaffen lassen. Schade, eine gute Idee, leider flau umgesetzt.

Thomas Buchsteiner, Otto Letze (Hrsg.), Weegee – The Famous. Fotografien von 1935–1960

Der grandiose Bildband war ein toller Überraschungsfund, als ich mir neulich in Oberhausen die angenehme Warhol-Ausstellung angeschaut habe. Eigentlich hatte ich nur ein wenig im Museumsshop stöbern wollen, amüsierte mich dabei über den ganzen Museumsshoptand, der feilgeboten wurde. Aber schließlich stolperte ich über den Weegee-Band und schleppte ihn gleich zur Kasse.

Ich kann nicht beurteilen, wie bekannt oder unbekannt Weegee heute in Deutschland ist. Ich habe ihn – zugebenerweise – erst recht spät über den Umweg Kubrick kennengelernt, der zeitlebens ein großer Weegee-Fan war. Weegee hat sich lange als Polizeifotograf durchgeschlagen, bis die künstlerischen Qualitäten seiner Bilder (an)erkannt wurden.

Schade finde ich eigentlich nur, dass ich damals nicht bei der Ausstellung war, sondern jetzt lediglich diesen Ausstellungskatalog besitze. Aber immerhin wenigstens den.

Elsbeth Wolffheim, Hans Henny Jahnn (Rowohlt-Biographie)

Jahnn betrachte ich als einen sehr ungewöhnlichen, um nicht zu sagen außergewöhnlichen Autor. Als vor Jahren bei Zweitausendeins eine günstige Ausgabe seiner Werke erschien, griff ich – zugegebenerweise aus Dämlichkeit – nicht zu, sondern erstand nur ein einzelnes Buch. So ungewöhnlich wie seine Schreibe ist, waren auch Jahnns Leben und Leidenschaften. Sein Faible für Orgeln kann ich nicht nachvollziehen, auch seine intensiven Gefühle (ich denke, man darf es so nennen) für Pferde sind nicht meine Welt. Und trotzdem reizt es mich, mehr von ihm zu lesen. Eine Notlösung war es daher, als ich die Gelegenheit bekam, wenigstens in dieser informativen Kurzbiographie ein wenig über den Norwegenfan Jahnn zu erfahren.

Ror Wolf, Die heiße Luft der Spiele

Von allen Büchern, die ich von Wolf besitze, ist das hier dasjenige, das ich – mit Abstand! – am wenigstens leiden mag. Genau genommen habe ich auch mehr nur darin gestöbert als gelesen, einfach weil Fußball meine Welt nicht ist. Ich finde es schnarchlangweilig, halte es für schrecklich überhöht in unserer Gesellschaft und kann mit Kusshand darauf verzichten.

Und wenn ich ehrlich bin, verstehe ich bis heute nicht, wie Menschen mit einem gewissen intellektuellen Anspruch sich daran delektieren können, wenn ich auch innerhalb meines Freundeskreises selbst unter den größten Geistern noch Fußballfreunde weiß.

Dennoch möchte ich ein Sätzchen zum Inhalt verlieren: Wolf hat hier Texte, Reportagen, Aussagen und vieles anderes aus den Jahren 1969 bis 1979 rund um den Fußball gesammelt und daraus ein Spektrum an Beschreibungen, Erklärungen, Vorstellungen des Fußballs dieser Zeit geschaffen.

Nebenbei: Hier handelt es sich um ein klassisches Buchtauschkreisbuch.

Ror Wolf, Aussichten auf neue Erlebnisse. Moritaten, Balladen & andere Gedichte

Ein Band, den ich entdeckte, als ich ein Geschenk für eine Freundin suchte. Insgesamt ein Wolf bester Qualität. Allerdings muss ich einräumen, dass ich vieles davon bereits in anderen Büchern versammelt hatte und für mich nur wenig Neues dabei war. Aber, auch das sei eingeräumt, Wolf gehört eben auch zu den Autoren, die nach der ersten Lektüre nicht gleich erledigt sind. Sie spornen zum mehrmaligen Lesen an, immer wieder entdeckt man neue Kleinigkeiten, die das Ganze so rund machen.

Ror Wolf, Danke schön. Nichts zu danken

Die hiesigen Leser mögen sich wundern, in welcher Reihenfolge Titel angesprochen werden. In der Hauptsache geht es ja Regal um Regal und Reihe um Reihe. Ausnahmen habe ich lediglich gemacht, wenn ich etwas Frisches gelesen habe oder wenn ich nicht zwei Wochen lang nur einen Autor besprechen wollte (zwei weitere Ausnahmen werden später noch genauer erklärt, aber das möchte ich jetzt hier nicht vorwegnehmen). Wie, so nun womöglich die Folgefrage, verfahre ich jetzt aber innerhalb eines Œuvres? Oft, aber nicht immer!, wurden die Titel in einer chronologischen Reihe vorgestellt. Das „nicht immer!“ ist nun der Grund, warum an dieser Stelle Wolfs „Danke schön. Nichts zu danken“ das heutige Thema sein soll.

Gefunden habe ich es in einer Unibuchhandlung in Bochum, die allein an mir einiges verdient haben dürfte. Und ich hoffe, der Laden ist nach meinem Magister und Weggang aus Bochum nicht pleite gegangen. (Das könnte ich mir nie verzeihen.) Dementsprechend lang ist das Buch in meinem Besitz – und entsprechend lang ist die Lektüre her. Anders als bei waldmann, den ich auch später sehr regelmäßig wieder in die Hand nahm, habe ich dieses Buch sicher nur einmal gelesen. Es amüsierte mich, so viel weiß ich noch sicher, aber ich muss gestehen, dass ich mich kaum an Inhaltliches erinnre. Insofern kann ich es als Wolf-Fan dank des erinnerten Gefühls empfehlen, muss zum Inhalt aber schweigen, bis ich Zeit für eine erneute Lektüre finde.

Herwig Wolfram, Die Germanen

Hierbei handelt es sich um einen dieser kleinen netten Einführungsbände aus dem Hause Beck. Gewöhnlich von Fachleuten mit Ahnung verfasst, aber erfahrungsgemäß recht oberflächlich – wie man spätestens dann merkt, wenn man über ein Thema liest, bei dem man selbst ein Fachmensch ist.* Dem Ahnungslosen also zu empfehlen, der Fachmensch kann sich woanders besser informieren und unterhalten lassen. Das gilt auch in diesem Fall.

* Und damit sprenge ich zugegebenerweise natürlich ein wenig den Rahmen, hier keine Fachbücher zu besprechen. Aber da dieser Band ohnehin eher Laien anspricht, steht er auch nicht in meinem Fachbuchfach.**

** Fachbuchfach. Ein schönes Wort.

Ror Wolf, hans waldmanns abenteuer

Ich kenne bis heute leider immer noch nur Ausschnitte aus Wolfs Wirken. Aber diese Abenteuer gehören für mich zu dem Lustigsten, Bewegendsten und Spannendsten, was ich von ihm gelesen habe. Unvergessen Waldmanns Sturzereignisse im bewegenden „ruhe, ruhe“. Und allein für den Vierzeiler Wetterverhältnisse* (der sich auf der Rückseite des Buchs befindet) gebührt diesem Virtuosen des Wortes meines Erachtens eine überlebensgroße Statue, die uns Tag und Nacht gemahnt, dass es da einen ganz Großen gibt, der Wörter ernst und unernst zugleich, aber stets buchstaben… – was sag ich! – nanometergenau zu setzen vermag. Nicht zuletzt möchte ich auf die wundervollen Collagen verweisen, die mir in dieser Form in diesem Band erstmals vorgestellt wurden. Kurz: Es ist ein Buch, das jeder ernstzunehmender Mensch im Hause stehen haben muss, wenn er unsere Sprache wirklich schätzt.

* PS: Wer den Vierzeiler nicht kennt, möge ihn hier lesen:

WETTERVERHÄLTNISSE
es schneit, dann fällt der regen nieder,
dann schneit es, regnet es und schneit,
dann regnet es die ganze zeit,
es regnet, und dann schneit es wieder.

Horace Walpole, Die Burg von Otranto

Ja, der Otranto ist fraglos ein Klassiker, der in keiner Schauerbibliothek fehlen darf. Dabei muss man nicht nur aus heutiger Sicht einräumen, dass es eigentlich ein recht harmloses Buch ist. Es hat allerdings zu seiner Zeit für Aufregung gesorgt und ist zumindest literaturhistorisch durchaus eine Beachtung (und somit die Lektüre) wert.

Seite 1 von 2

Läuft mit WordPress & Theme erstellt von Anders Norén