Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Der Rabe (Seite 1 von 2)

Anne T. Clune (Hrsg.), Der lebendige irische Rabe

Wer sich hier ein wenig umschaut, wird merken, dass ich irischer Literatur (und anderen Dingen aus Irland) durchaus aufgeschlossen bin. Deshalb gab es für mich auch keinen Moment des Zweifels, Raben Nr. 46 zu erwerben. Ich sollte dazu sagen: Es gibt einen weiteren irischen Raben, den ich leider nicht besitze; dieser hier konzentriert sich auf Autoren, die zur Zeit der Drucklegung unter den Lebenden weilten.

Nun soll man ja nie sagen: Früher war alles besser. Aber ehrlich, die früheren Iren gefallen mir besser. In diesem lebendigen Raben ist so vieles so schrecklich bemüht darin, geistreich zu sein, erfrischend, tiefgründig oder spielend leicht witzig. Und diese Mühen ermüden umgemein – mich zu sehr. Da lese ich dann doch lieber O’Brien oder Wilde oder Joyce oder Behan oder die Blume in einem ordentlichen Glas Kilkenny.

Inge Hammelmann (Hrsg.), Der Geld-und-Gold-Rabe

Der Wert oder Unwert von Geld und Gold ist ein Thema, das sich des Streits seit Jahrtausenden mehr als würdig erweist. Was Wunder, dass der Rabe sich ebenfalls des Themas annahm. Im Raben Nr. 48 war es so weit. Es unterhalten u.a. William Somerset Maugham, Erik Satie und Dmitrij Schostakowitsch, Wilhelm Busch, Bernd Pfarr erklärt, warum Atlantis untergehen musste („Die umständlichen sechzehnstelligen Geheimzahlen der Geldautomaten in Atlantis nervten Gott schließlich so ungemein, daß er Atlantis untergehen ließ.“), Simone Borowiak und F.K. Waechter erzählen und Robert Gernhardt erklärt. Besonders angetan hat mir nebenbei das bebilderte Devisen-Gedicht von Hans Traxler (noch Jahre vor dem Euro, deshalb gibts entsprechend viele Strophen).

Alles in allem ein besonders amüsanter Rabe!

Achim Szymanski, Gerd Stahlschmidt (Hrsg.), Der Werbe-Rabe

Manchen Leuten ist es regelrecht peinlich, in der Werbung zu arbeiten (Jacques Seguela bat in den 80ern andere Leute darum, seiner Mutter nicht zu sagen, dass er Werber sei, weil sie glaubte, er sei Pianist in einem Bordell). Andere frohlocken dagegen öffentlich über die damit verbundene Freiheit, den Rest der Menschheit zu belügen und zu betrügen (es ist schon erstaunlich, wie viele Zyniker und Möchtegernmarxisten man in dem Geschäft antrifft, obwohl die wenigsten es direkt zugeben).*

Sei es, wie es sei – auf jeden Fall sind Werbung und gute Werber amüsant, wie der Rabe Nr. 45 zeigt. Hier erzählen befähigte Künstler (die nicht umsonst zeitweise oder dauerhaft hier ihr Brot verdienen – ich nenne z.B. Magritte) sowie Leute vom Fach, was sie mit Reklame verbinden, was sie an Werbung verabscheuen oder schätzen. Ein höchst amüsantes Büchlein mindestens für den Werber, und, wie ich glaube, auch für den Rest der Menschheit.

* Als Betroffener erspare ich dem Leser Statistiken zum gesellschaftlichen Wert unserer Berufsgruppe.

Tilo Eckardt, Patrick Niemeyer (Hrsg.), Der LeseLust-Rabe

Wenn man vom Titel des Raben Nr. 44 ausgeht, bringt er das Rabenkonzept quasi auf den Punkt.

Umso schöner, dass hier unter vielen modernsten Klassikern Lieblingstexte zu finden sind wie Fritz Senns Ochlokinetik (ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich sie zuerst im Raben oder zuerst in Nicht nur nichts gegen Joyce gelesen habe). Eigentlich – wie ich gerade feststelle – ist dieser Rabe auch mal wieder ein dringender Kandidat für die Neulektüre. Allein, wo ist die liebe Zeit dafür?

Charles Lewinsky (Hrsg.), Der jüdische Rabe

Gemeinhin halte ich nichts von Schubladendenken, ganz besonders wenn es dabei um religiöse Schubladen geht. In mindestens einem Fall scheint es aber eine ungewöhnliche Verbindung aus religiös verursachtem Kulturkreis und Humor. Richtig, ich bin beim jiddischen Witz. ich brauche nicht erst Woody Allen zu nennen (der natürlich im Raben Nr. 43 so wenig fehlen darf wie Heine und Tucholsky). Nein, ich kann auch Jurek Becker, Kinky Friedman, Alfred Kerr, Egon Erwin Kisch, Groucho Marx und Philip Roth als Beiträger anführen – neben vielen anderen. Mehr als netter Sidekick: die durch den ganzen Raben verteilten gezeichneten Kohn-Gags, deren Grundidee schließlich auch das Rabenrätsel bestimmt. Nicht bekannt? Ganz einfach: Wie nennt man einen jüdischen Kellner? Kohn serviert. Ein jüdischer Schneider? Kohn flickt.

Spaßeshalber transkribiere ich hier einmal zwei Fragen aus dem Rabenrätsel, auf dass die Leserschaft sich darüber Gedanken macht:
1. Ratschlag an einen Juden, der nicht wusste, wie er die Briefmarken auf dem Umschlag befestigen sollte
2. Sagenhaftes biblisches Tier, aus dem Milch und Honig fließt

Ich freue mich schon auf Vorschläge.

Barbara Gafner, Gerd Haffmans (Hrsg.), Der 13-Jahre-Rabe

Der Rabe galt lange Zeit als Unglücksvogel (im germanischen Kulturkreis spätestens seit der Christianisierung), ähnlich ergeht es – meines Erachtens unberechtigerweise – der Zahl 13. Was könnte da Besseres passieren, als dass der Rabe mit seiner Ausgabe Nr. 42 das 13-jährige Bestehen feiert? Eben. Also wurden Texte gesammelt und zusammengestellt, Autoren und Zeichner wie Bernstein, Henscheid, Gernhardt und Rühmkorf, Egner, Haefs und Schulz zur Kollekte gebeten. Heraus kam eine Reihe spaßiger und nachdenkenswerter geistige Ergüsse, die die einzelnen Jahre von 1981 bis 1993 erklären und schildern mögen. Der Ansatz, dass jeder ein betreffendes Jahr aus seiner Warte beschreibt, behagt mir ganz besonders, weil er in dieser Zusammenstellung eine ungewöhnliche Perspektive erzeugt. Lohnt sich!

 

Stephan Opitz, Bernd Rauschenbach (Hrsg.), Der maritime Rabe

Ich kann es nicht beschwören, aber ich glaube, der Rabe Nr. 39 war in etwa der erste Rabe, den ich erwerben durfte. Er passt schon thematisch so offensichtlich in meine Bibliothek (vgl. den Bücherkoffer), dass er sich auch außerhalb meiner Raben-Abteilung problemlos in die Regale schmiegte. Wer erzählt hier von und über die Seefahrt? Viel Bekanntes und (mir ansonsten) weniger Bekanntes. Eugen Egner erklärt, wie die Seefahrt erfunden wurde, Rühmkorf grüßt Schiff ahoi! Reemtsma präsentiert einen Auszug aus seiner Übersetzung des Tacitus, die ich ganz ausdrücklich empfehlen möchte, weil ich sie besonders gut finde.

Wieder eine sehr angenehme Lektüre, oft erfrischend wie eine Seebrise.

Gerd Haffmans (Hrsg.), Der Tier-Rabe

Es gibt eher wenig Tiere, die lesen können, aber zum Glück kann man Tierspuren lesen. Oder den Tier-Raben (Nr. 38). Dieser moderne Brehm ist gespickt mit Bierce, Schopenhauer, Gernhardt und Egner. Wir werden von Monty Python fortgebildet, von Elsemarie Maletzke, Wiglaf Droste und Frank Schulz. Alles in allem unterstreicht es meine Theorie, dass, wenn es keine Tiere gäbe, sie erfunden werden müssten, da sie zu einem nicht unbeträchtlichen Teil unserer Unterhaltung dienen. (Deshalb sollte man sie eigentlich auch nicht essen, oder zumindest nicht so viele von ihnen. Schließlich ist auch ein Radio oder Fernseher eher wenig bekömmlich.)

Mara Mauermann (Hrsg.), Der heilige Rabe

Das Wort heilig ist schnell in den Mund genommen. Aber was ist das eigentlich – heilig? Der Rabe Nr. 37 führt es vor. Ob Artmann, Joyce oder Traxler mit seiner kurzgefassten Geschichte der Römischen Päpste („Der 1. Papst, den man hier kennt, kam aus dem Vorderen Orient …“), ob Mystizismus, Wunder oder biblische Rezepte nach Toulouse-Lautrec („geröstete Heuschrecken nach der Art von Johannes dem Täufer“). Hier ist alles vereint, was man wissen muss über SEine HEiligkeit. Ergänzend empfiehlt sich bestenfalls die parallele Lektüre des aktuellen Wachturms und eines frei gewählten Buchs von Karlheinz Deschner.

Inge Hammelmann (Hrsg.), Der Schul-Rabe

In unserem Kulturkreis gibt es eine praktische Regel: Wenn gar kein Thema mehr geht, einfach Wetter ansprechen – oder Schule. Schule kennt jeder, hat jeder mal erlebt (oder erlebt noch), jeder hat gute und schlechte Erfahrungen gemacht und kann Anekdötchen, Katastrophenmeldungen, bitterböse Kommentare oder spannende Reportagen beisteuern.

Da lag es nahe, auch einen Raben zum Thema Schule zu gestalten (Nr. 36). Der ist gespickt mit allerlei Lehrern, Schülern, mit Lernen und Pauken, von Sartre über Huelsenbeck zu Borowiak. Besonders amüsant erscheint mir der seitenlange Briefwechsel zwischen Wilhelm Reich und A.S. Neill, in dem Reich den Leiter der Summerhill-Schule vom Bau und Nutzen des Orgonakkumulators überzeugen wollte. (Wer son Ding braucht, wird bekanntlich hier glücklich.)

Ja, der Schul-Rabe ist definitiv unterhaltsam!

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