Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Edgar Allan Poe (Seite 1 von 2)

Peter Haffner (Hrsg.), Der Wissenschafts-Rabe

Der Rabe Nr. 35 ist ganz dem Thema Wissenschaft gewidmet. Die Sammlung wartet mit allerlei interessanten wie kruden Ideen auf. Beispielsweise überlegt Stephen Hawking, welche Probleme komplexere Wesen in einer zweidimensionalen Welt hätten (für verdaute Nahrung gäbe es nur einen Weg aus dem Körper heraus, nämlich den Eingang, weil die Wesen anderenfalls in zwei Hälften zerfielen). Insgesamt wieder ein recht amüsantes Sammelsurium der gehobenen Unterhaltung mit Einfällen von Musil, Lichtenberg, Swift, Sacks, Lévi-Strauss, Poe und vielen mehr!

Edgar Allan Poe, Arthur Gordon Pym

Für mich der absolute Schlüsseltext aus Poes Werk. Die Geschichte des A. G. Pym ist nicht nur überaus spannend aufgrund der vorzüglichen Abenteuerelemente, sondern abgesehen vom Ende meines Erachtens mit das schlüssigste Stück Poe, das es gibt. Das ist umso erstaunlicher, als Poe sonst ja eher durch deutlich kürzere Arbeiten glänzte. Aber hier zeigt er eben, dass er es auch im größeren Umfang kann.

Darüber hinaus ist der Text nicht unwichtig im Zusammenhang mit Arno Schmidts Zettel’s Traum (ja, ja, noch nicht gelesen, ich schäme mich). Hier deutet Schmidt das Ende des Pym nebenbei als wissenschaftliche Erklärung für das Rätsel der verschollenen Stämme Israels. Inwieweit das über Schmidts Idee hinaus stimmt oder nicht stimmt, sei jetzt einmal dahingestellt. Trotzdem ist der Pym insofern auch wichtig für das Verständnis von Schmidts Welt.

Edgar Allan Poe, Der Rabe

In diesem Band aus der Haffmans-Ausgabe sind neben Poe-Gedichten – der Titel verrät es bereits – drei Essays versammelt: Heureka, die Methode der Komposition und Maelzels Schachspieler.

Ich mach es kurz: Poes Gedichte sind nicht meine Welt. Mit Ausnahme des Raben finde ich sie alle, sagenwirmalfreundlich: öde. Interessanter sind da die Essays, auch wenn es leider nur drei Stück sind.

Die Methode der Komposition ist bekanntlich eng mit dem Raben verbunden – schildert Poe hier doch, wie er angeblich das Gedicht entwickelt hat. Mehr zum Thema hier.

Malezels Schachspieler gehört meiner Erinnerung nach zu den frühesten Texten, die ich überhaupt von Poe gelesen habe. Warum auch immer. Ich glaube, der Text war mal irgendwo abgedruckt.

Heureka – der Versuch, den Kosmus und seine Entstehung zu erklären – ist durchaus die Lektüre wert, auch wenn er mir stellenweise wie Kraut und Rüben erscheint.

Edgar Allan Poe, Der schwarze Kater

Erst die Tage hatte ich einen Band aus der Schmidt-Wollschläger-Übersetzung angesprochen, der viele wichtige Erzählungen des Großmeisters Poe enthielt. Auch dieser Band bringt ein paar wichtige Diamanten wie das verräterische Herz, den Goldkäfer oder das vorzeitige Begräbnis. Gleichwohl halte ich den Band in seiner Gänze als nicht so spannend wie den vorigen.

Edgar Allan Poe, Der Fall des Hauses Ascher

Dieser Band aus der Wollschläger-Schmidt-Übersetzung zeigt bereits in der Überschrift, welchen Weg die beiden Übersetzer einschlugen. Sie machten aus dem Gegebenen etwas Eigenes, ohne das Original zu verlieren. Sie formten es neu, behielten aber die Zier bei.
In diesem Band sind eine Reihe ganz doller Erzählungen Poes versammelt, weshalb ich ihn ganz besonders schätze. So finden sich neben dem namengebenden Ascher auch die Morde in der Rue Morgue, der Sturz in den Malstrom, die Maske des roten Todes, Grube und Pendel sowie das herausragende Tagebuch des Julius Rodman.

Gerade Letzteren – in Anlehnung an Clark und Lewis* – zähle ich zu den fünf wichtigsten (bekannten) Poe-Texten. Er sollte in keinem Lesekanon fehlen, wenn ich auch den Pym für noch wichtiger halte.

* Es gibt sowohl bei Lewis und Clark als auch beim Rodman gastronomische Hinweise über Zubereitung und Geschmack von Bieberschwänzen, leider finde ich die vor Ewigkeiten herausgesuchten Zitate in meinen Dutzenden Moleskines nicht wieder, um das hier näher vorzustellen.

Edgar Allan Poe, König Pest

Meine kleine vierbändige Poe-Ausgabe habe ich neulich bereits besprochen. Nun möchte ich mich der nächsten Ausgabe widmen. Es handelt sich um die fünfbändige Ausgabe des Haffmans-Verlags von 1994. Sie enthält die von Schmidt und Wollschläger übersetzten Erzählungen und Gedichte aus der großen Walter-Ausgabe (zu der später noch mehr).

Im ersten Band – benannt nach der Erzählung König Pest – findet sich gleich eine Reihe kleiner Klassiker, darunter den Manuscriptfund in einer Flasche, das unvergleichliche Abenteuer eines gewissen Hans Pfaall und Berenice.

An dieser Stelle sei gleich etwas zur Übersetzung gesagt. Ich weiß, dass sie von vielen abgelehnt wird. Schmidt und Wollschläger haben sich einen eigenen Ansatz dazu erarbeitet. So ist Schmidt beispielsweise in Wörterbüchern aus Poes Zeit versunken und hat aus seiner Beschäftigung mit Poes Texten gleich noch einen Riesenwälzer namens Zettel’s Traum geschrieben. Aber über den werde ich ein anderes Mal schreiben (nämlich frühestens dann, wenn ich es endlich schaffe, ihn zu lesen).

Edgar Allan Poe, Das Tagebuch des Julius Rodman

Der Band enthält lediglich drei Geschichten, eine davon hat es aber in sich. Das ist aber nicht die Titel gebende Rodman-Geschichte (die ist auch nicht schlecht, aber nu ja) und auch nicht das unvergessliche Abenteuer eines gewissen Hans Pfaall – der Knaller ist und bleibt der Bericht des Arthur Gordon Pym. Hier räumt Poe so nachhaltig auf und präsentiert eine durch und durch spannende Geschichte über Seefahrt und damit verbundenes Unglück, das man nur gefesselt sein kann. Gesteigert wird die Qualität noch dadurch, dass Poe historische Berichte einbindet (die Katastrophe der Essex) und zudem – laut Arno Schmidt – eine phantasievolle Antwort auf die historische Frage der verlorenen Stämme Israels zu geben versucht. Es ist kein Wunder, dass ausgerechnet diese ebenfalls nicht zu Ende erzählte Geschichte Autoren wie Verne und Lovecraft zu Fortsetzungen anregte.

Edgar Allan Poe, Der Teufel im Glockenturm

Aus der Insel-Ausgabe erscheint mir dieser Band als das schwächste Glied – wenn man einmal vom Fall des Hauses Usher absieht, das ich bis heute für einen der starksten Poe-Texte halte, obwohl es etwas unbefriedigend bleibt. Aber wenn ich darüber nachdenke, erscheint mir, dass seine stärksten Texte ohnehin etwas Unbefriedigendes beinhalten. Das gilt ja auch für die Grube und das Pendel oder für Lebendig begraben. Und Poe steigert das noch in seinem besten Werk. Das finde ich gerade umso bemerkenswerter, weil es ja auch nahezu alle Kubrick-Filme auszeichnet, dass man am Ende mit einem Fragezeichen übrig bleibt.

Edgar Allan Poe, Die Morde in der Rue Morgue

In diesem Band meiner Insel-Ausgabe sind besondere Klassiker von Poe enthalten: Neben den titelgebenden Morden in der Rue Morgue (eben einer der beiden Dupin-Texte und wie ich meine: der spannendere; es geht um einen Doppelmord in einem Raum, den der Täter „eigentlich“ nicht verlassen haben kann) finden sich hier die Erzählungen Sturz in den Malmström, die Maske des Roten Todes, die Grube und das Pendel, das verräterische Herz, der Goldkäfer (die Erfindung der Schatzsuche mit einer verschlüsselten Botschaft) und weitere prominente Stücke. Mit vielen der hier versammelten Stücke hat Poe Standards gesetzt, die bis heute in verschiedensten Genres immer wieder aufgegriffen und weiter verarbeitet wären. Ja, ohne Dupin gäbe es heute das gesamte Genre Krimi vermutlich überhaupt nicht. Und mit der Grube hat Poe die Schauergeschichte in eine neue Zeit katapultiert, um den Stab an Lovecraft weiterzureichen.

Edgar Allan Poe, Streitgespräche mit einer Mumie

Ich möchte wetten, dass sich hier der ein oder andere bereits gewundert hat, warum Poe so kurz weggekommen ist. Das lag einfach daran, dass ich mir seine Kurzgeschichten für den Schluss der letzten „normalen“ Regale aufgehoben habe. Ich wollte nämlich etwas mehr Zeit dafür haben, auch mit dem Hintergedanken, vielleicht auf die ein oder andere Geschichte näher einzugehen (was ich allerdings ausgerechnet im heutigen Fall nicht tun werde).

Diese Geschichten besitze ich in zwei Übersetzungen, einmal von einer Vielzahl weitgehend unbekannter Übersetzer (vierbändige Insel-Ausgabe), und dann von Arno Schmidt und Hans Wollschläger (leider nur die einfache fünfbändige Ausgabe; die große Ausgabe hatte mal eine Ex von mir, die sie aus verständlichen Gründen nicht rausrücken wollte).

Gut, beginnen wir mit der Version der (mir) unbekannten Übersetzer. Der erste Band ist benannt nach der Kurzgeschichte Streitgespräche mit einer Mumie. Neben dieser Geschichte finden sich darin auch die Klassiker Lebendig begraben, Der entwendete Brief und Hopp-Frosch. Aus dieser Reihe ist natürlich gerade Der entwendete Brief hochspannend, kann hier doch der erste Detektiv der Literaturgeschichte mit seinem Grips glänzen: Dupin. Auf ihn komme ich allerdings in einer anderen Geschichte noch näher zu sprechen.

Ansonsten sind hier eher die kleinen, weniger spektakulären Arbeiten versammelt. Daher bleibt’s zur Einleitung in diese Reihe erst mal kurz.

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