Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Essays (Seite 1 von 4)

Wladimir Iljitsch Lenin, Die große Initiative

Auch dieses Bändchen ist aus meiner Reihe DDR-Miniaturbücher und insofern eher ein historisches Propagandadokument als ein interessanter Text. Es enthält Lenins Artikel über die „Heldentaten der Arbeiter“ zu Beginn der UdSSR (aus Anlass der kommunistischen Subbotniks, also der Gratisarbeitsdienste).

Zugegeben, es wird bei diesem Bändchen höchstwahrscheinlich bei einer einmaligen Lektüre im Sinne einer Kenntnisnahme bleiben, aber es darf als historische Propaganda weiter in meiner Bibliothek hausen.

Arno Schmidt, Deutsches Elend

Mein letzter kleiner Arno-Schmidt-Band umfasst „13 Erklärungen zur Lage der Nation“, also wiederum eine Reihe von Essays, in denen Schmidt sich diesmal über den Adenauerstaat auslässt, und was es daran auszusetzen gab (ich setze als bekannt voraus, dass es da einiges gab; der Interessierte google zum Anfang einfach mal nach „Die schwarzen Kassen der CDU“; dieses System geht nämlich weit über Flick und Kohl hinaus).

Wie bei den anderen kleinen Bändchen kann ich daher auch dieses hier sehr empfehlen, wobei es in dieser Ausgabe nur mit Glück antiquarisch erhältlich sein dürfte.

Arno Schmidt, Der Platz, an dem ich schreibe. 17 Erklärungen zum Handwerk des Schriftstellers

Ein weiteres kleines lustiges Bändchen aus der praktischen Haffmans-Reihe. Hier sind Schmidts Essays versammelt, in denen er sich mit seiner Rolle als Schriftsteller in der (frühen) Bundesrepublik auseinandersetzt. Oft ist es ein seltsamer Mix aus Anspruchsdenken und Verachtung des Staats, von dem er sich wünschte, durchgefüttert zu werden, um Kultur zu erschaffen. Der Band ist ein angenehmer Einstieg in Schmidts Werk, weil man Einblicke in die Eigensicht des Autors bekommt, die beim Verständnis mancher Texte gut weiterhilft. Für den Anfänger ist dieser Band also durchaus zu empfehlen – vorausgesetzt, man findet das Buch noch irgendwo im Antiquariat.

Arthur Schopenhauer, Eristische Dialektik – oder die Kunst, Recht zu behalten

Ein Buch, das schon im Titel Freude macht. Ja, die Beschäftigung mit der eristischen Dialektik ist nicht nur theoretisch ein amüsanter Spaß. Man kann sie darüber hinaus auch selbst aktiv anwenden oder bei – zumindest rhetorisch besser geschulten – Politikern beobachten. Putin zum Beispiel macht sich hin und wieder gegenüber Journalisten den Spaß, genau so mit ihren Fragen umzugehen, wie es Schopenhauer vor bald 180 Jahren für Diskussionen geraten hat.

So gesehen ist es also auch ein praktischer Ratgeber für den Fall, dass man sich hin und wieder argumentativ mit anderen Menschen auseinandersetzen muss. Es sei allerdings nicht verschwiegen, dass es dabei weniger darum geht, wirklich das Richtige zu sagen, sondern einen bestimmten Disput, eine einzelne Diskussion zu gewinnen. Aber dafür ist es wirklich ein empfehlenswerter Spaß!

Arno Schmidt, Griechisches Feuer

Erinnerungen sind schon eine ungewöhnliche Sache. Das eine ist abgespeichert wie in Stein gemeißelt und Bernstein gegossen. Das andere ist so flüchtig wie ein mikrosopischer Tropfen Spiritus auf einem Glastisch.

Die „13 historische Skizzen“, wie das vorliegende Büchlein untertitelt ist, waren tatsächlich mein erster richtiger Schmidt. Ich hatte damals zwar schon einiges Schmidt-Namedropping und den ein oder anderen kurzen Auszug in den Fingern gehabt. Aber erst als ich dieses Hafmanns-Bändchen bekam, in dem dreizehn kurze Essays versammelt sind, die sich mit historischen Begebenheiten beschäftigen, konnte ich richtig reinschnuppern. Ich fand die Ausgabe in einem Antiquariat in Kiel, das ich wiederholt besuchte, wenn ich mittags Zeit hatte. Nach dem stolzen Kauf marschierte ich zu einer Dönerbude in einer Parallelstraße. Die Bude war wie ein langer Schlauch gestaltet, ganz hinten nahm ich Platz und ließ mich hier von TRT Int oder irgendeinem anderen mir unverständlichen Quark beschallt. Dann packte ich die Beute aus, und verliebte mich auf Anhieb in diese Sprache. Ich weiß nicht, ob es jetzt eher überheblich oder verstörend wirkt, aber ich erkannte meine Gedankengänge und -sprünge in diesen verschachtelten, verwurstelten Sätzen wieder.

Männern wird gern nachgesagt, dass sie des Multitaskings nicht fähig seien. Ich möchte nicht beurteilen, wie das in offensichtlicher Hinsicht bei mir ist. Aber ich weiß, dass meine Gedanken eben genau das tun: wildestes Multitasking. Das geht so weit, dass ich bei Alltagsgeplapper meist über ganz andere Dinge nachdenke, als ich gerade rede – und zwar nicht nur über ein ganz anderes Ding, sondern über zig andere Dinge. Deshalb macht es manchmal auch den Eindruck, dass ich stottere, wenn ich nur so nebenher nuschle. Es ist kein Stottern im eigentlichen Sinne, nein, mein Mund kommt nur meinen Gedanken absolut nicht hinterher. Und während ich in Gedanken schon fünf Kapitel weiter bin, verbiegt sich die Zunge noch bei den einleitenden Sätzen.

Ich schweife aus. Aber vielleicht erklärt dieser Kleinversuch meiner verkorksten Gedankenwelt, warum ich dermaßen entzückt war, während ich mir diesen verbrannten Haufen toten Tiers einverleibte. Nur kurz darauf besorgte ich mir eine stärkere Dosis Schmidt.

Edgar Allan Poe, Der Rabe

In diesem Band aus der Haffmans-Ausgabe sind neben Poe-Gedichten – der Titel verrät es bereits – drei Essays versammelt: Heureka, die Methode der Komposition und Maelzels Schachspieler.

Ich mach es kurz: Poes Gedichte sind nicht meine Welt. Mit Ausnahme des Raben finde ich sie alle, sagenwirmalfreundlich: öde. Interessanter sind da die Essays, auch wenn es leider nur drei Stück sind.

Die Methode der Komposition ist bekanntlich eng mit dem Raben verbunden – schildert Poe hier doch, wie er angeblich das Gedicht entwickelt hat. Mehr zum Thema hier.

Malezels Schachspieler gehört meiner Erinnerung nach zu den frühesten Texten, die ich überhaupt von Poe gelesen habe. Warum auch immer. Ich glaube, der Text war mal irgendwo abgedruckt.

Heureka – der Versuch, den Kosmus und seine Entstehung zu erklären – ist durchaus die Lektüre wert, auch wenn er mir stellenweise wie Kraut und Rüben erscheint.

Hunter S. Thompson, Gonzo Generation

In diesem Band – untertitelt mit: das Beste aus den Gonzo Papers – sind zahlreiche kurze oder längere Texte von Thompson vereinigt, die zu einem guten Teil auch in anderen jüngst veröffentlichten Bänden publiziert sind. Nett für einen Rundumschlag durch die Jahrzehnte, amüsant in der Lektüre, aber eben auch viel Wiederholung, wenn man ohnehin Thompson-Fan ist. Kann man haben, muss man aber nicht.

Ronald K. Siegel, Der Schatten in meinem Kopf

Halluzinationen haben nur Bekloppte? Das ist sehr kurzsichtig gedacht, wie Ronald Siegel in diesem Buch zeigt. Stimmen, Visionen, Käfer unter der Haut – Siegel beschreibt und erklärt, was das Unbewusste mit unseren scheinbar bewussten Sinnen so anstellen kann. Zum Teil verursacht durch den Abusus von Drogen.

Ein empfehlenswertes Buch und insbesondere eine lesenswerte Ergänzung zu Siegels Halluzinationen!

Heinrich Mann, Der Hass. Deutsche Zeitgeschichte. Essays

Eine wunderbare Zusammenstellung von Essays, die Heinrich Mann 1933 über die Nazi-Deutschland verfasst hat. Besonders auffallend ist, dass er schon im Jahr der „Machtergreifung“ – die dank rechter und liberaler Parteien sowie Parteien der Mitte bekanntermaßen besser Machtübergabe genannt werden sollte – im Prinzip vorhersieht, was passieren wird.

Dazu wird das Ganze aufgelockert durch Infos, die allzu gern in der Geschichtsschreibung untergehen, wie zum Beispiel die Tatsache, dass Goebbels vor seiner Parteikarriere Autor schmieriger und erfolgloser Theaterstücke war. Auf jeden Fall sehr empfehlenswert und meiner Meinung nach besser, weil schärfer als Sebastians Haffners Essays.

Jörg Luibl, Spielefresser, Biomonster & Fanboys. Geschichten aus der Welt der Videospiele

Jörg ist ein Kommilitone aus meiner Studienzeit in Bochum. Wenn wir nicht in Seminaren der Skandinavistik gehockt haben, haben wir uns in der Caféte übers Schreiben und Zocken ausgetauscht. Über ein paar Umwege ist er dann in der Welt des Spielejournalismus gekommen und hat einen großen Teil dazu beigetragen, einen neuen Geist hineinzubringen. Sein Ziel war (und ist), Computerspiele als das wertzuschätzen, was sie längst oft genug sein können: Unterhaltung auf höchstem Niveau. Japaner und Angelsachsen haben das längst erkannt und setzen hochbezahlte Scriptschreiber in der Entwicklung von Spielen ein. Aber natürlich ist sowas in Deutschland nicht drin. Im vorgeblichen Land der Hochkultur beschäftigt sich das Feuilleton lieber mit DSDS oder madenfressenden Pseudoprominenten, während sie in einem Sandkastendschungel „eingesperrt“ sind.

Jörg geht dabei mit einem journalistischen Ansatz ans Werk, der ihm nicht nur Freunde eingebracht hat. Sicher, das Eine-Hand-wäscht-die-andere-Prinzip gilt nicht nur im Spielejournalismus, das ist mir schon klar. Aber was Jörg öffentlich gemacht hat und was er zusätzlich unter der Hand erzählt hat, ist schon erschreckend. Mehr Details spare ich an dieser Stelle besser aus, weil ich weiß, dass er auch regelmäßig von hauseigenen Juristen zurückgepfiffen wurde.

Zu diesem Ansatz gehörte für ihn auch, richtiggehende Kolumnen in die Spielewelt zu bringen. Nachdem so ein beachtliches Œuvre angewachsen war, brachte er dies in gesammelter Form als Taschenbuch heraus.

Keine Frage, die Texte sind nichts für jeden Geschmack. Es dreht sich fast alles rund um Computerspiele und die zugehörigen Zocker. Dafür sind die Texte sehr unterhaltsam und kurzweilig zu lesen.

PS: Wo ich gerade neulich von Hohlbein sprach – Jörg hat ihn einmal interviewt und erzählte mir, dass es ein besonders lustiges Interview war. Es fand am Telefon statt, Hohlbein stand der Akustik nach zu schließen im Hausflur (Nebengeräusche). Die beiden plauderten nett, führten ein normales Interview und dann knallte Jörg ihm eine Frage um die Ohren, die Hohlbein am Ende des Interviews als die beste Frage bezeichnete, die ihm je gestellt wurde: „Welches Ihrer Bücher finden Sie am schlechtesten?“ Und nein, ich weiß seine Antwort nicht mehr, er hat sie aber gegeben.

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