Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Flann O’Brien

Flann O’Brien, Goldene Stunden

Ich hatte schon einmal angemerkt, dass ich es schade finde, lediglich die schmalen Auszüge, die unter Trost und Rat erschienen sind, von Flanns bzw. Myles’ Kolumnen zu kennen. Ich wusste, dass die Kolumnen im Original viele Seiten füllen (und wenn ich viele schreibe, meine ich wirklich viele). Umso überraschter, und zwar im positiven Sinne, war ich, als ich in der angesprochenen Zweitausendeins-Ausgabe neben dem schmalen Trost-und-Rat-Bändchen ein zweites Buch fand, das Kolumnen aus dieser Reihe enthielt. Jeder mag sich ausmalen, mit welcher Spannung und Freude ich mich darauf gestürzt habe – und maßlos enttäuscht wurde.

Der grandios absurde Humor aus der einen Zusammenstellung kommt hier jedenfalls nur marginal vor, schlimmer: Fast jeder Text rekurriert auf irgendeinen Dubliner oder von der nördlichsten Klippe Irlands stammenden Schauspielerpolitikerautor, den kein Mensch mehr kennt, weshalb in viel zu vielen Fußnoten umständlich der Kontext erklärt werden muss. Man kennt diesen Effekt bei Witzen: Ist man gezwungen, die Pointe zu erklären, ist der Witz nicht (mehr) witzig. Dazu gesellt sich die Tatsache, dass man merkt, dass O’Briens Aberwitz hier oft genug unübersetzbar war. Zwischen den Zeilen gewinnt man den Eindruck, dass auch Harry Rowohlt etwas unzufrieden mit den eigenen Lösungen war, weil sie kaum mehr als ein bleicher Abklatsch werden konnten.

Kurz: Dieser Band ist leider die einzige Enttäuschung im O’Brien-Paket, verrät mir aber zugleich, dass ich den Teufel tun werde, mir irgendwelche Myles-Kolumnen im Original zu besorgen, denn ich weiß jetzt, dass ich kaum den Furz einer Ente verstehen werde von dem, was dort präsentiert wird.

Flann O’Brien, Aus Dalkeys Archiven

Ein Text – die Bezeichnung Roman lehnte O’Brien selbst ab – der sich mit allerlei Kuriosem beschäftigt, darunter dem Einfrieren der Zeit, dem Wiederauffinden des noch lebenden James Joyce (der leugnet, mit Ulysses etwas zu tun zu haben) und einigen Verschränkungen mit dem dritten Polizisten wie Figuren und Motiven.

Erneut amüsanter Spaß, aber ich sage jetzt schon voraus, dass ich in zwei Monaten kaum noch etwas über das Buch werde sagen können.

Habt ihr eigentlich schon mal über die Verschwörung der Fahrräder nachgedacht?

Flann O’Brien, Durst

Ja, ich meckere oft darüber, was aus dem Haus Zweitausendeins geworden ist, weil das Angebot längst viel zu viel Mist auf Weltbild-Niveau bietet. Aber ich gestehe auch, dass es hin und wieder Perlen gibt, die zum Kauf mehr als einladen.

Aktuell ist diese Perle die achtbändige Ausgabe der gängigen Werke O’Briens (im Schuber). Leider ist sie nicht vollständig, wie selbst ich als O’Brien-Laie weiß, da die Myles-na-gCopaleen-Kolumnen „Trost und Rat“ bis heute nur bruchstückhaft in Deutschland bekannt und erhältlich sind.

Sei es, wie es sei. Dieses Paket ist eine wunderbare Gelegenheit, die derzeit auf Deutsch erhältlichen O’Briens zu einem günstigen Preis geschlossen zu erhalten, daher habe ich sie auch sofort bestellt, obwohl ich die Hälfte der Texte längst besaß (interessanterweise wirklich jedes Buch in einer eigenen Ausgabe, die nichts mit den anderen zu tun hatte).

Kommen wir zum eigentlichen Thema: Durst. Durst ist nicht nur ein amüsanter Text, in dem O’Brien mit einer sehr trockenen Geschichte einen Sergeant dazu bringt, über die Polizeistunde hinwegzusehen, sondern auch der Name einer Sammlung kürzerer Texte und Fragmente. Darunter Slatterys Sago-Saga, Die Krone des Märtyrers, John Duffys Brüder, Faustus Kelly und der Essay Wie man im Tunnel ein Faß aufmacht.

So manches enthält lustige Ideen und zeigt die typischen O’Brien-Schrullen. Anderes wie Faustus Kelly machte mir deutlich, dass der Mann zwar so einiges konnte, aber keine Bühnenstücke.

Aber unabhängig davon, was O’Brien konnte oder nicht konnte, sei an dieser Stelle noch einmal die Werksausgabe empfohlen. Günstiger geht zurzeit nicht und es ist für jeden Irlandfan ein wunderbares Weihnachtsgeschenk.

Flann O’Brien, Trost und Rat

Obwohl ich leider nur diese kleine gekürzte Ausgabe von O’Briens Kolumnen besitze, zählt dieses kleine grüne Büchlein zu meinen Lieblingsbüchern von ihm. O’Brien sprüht in diesen Kolumnen nur so vor Witz und hat – meiner Meinung nach – überhaupt erst die moderne Kolumne damit erfunden. Sag ich mal so, ohne es erforscht zu haben. Wer wissen möchte, welche Paranoia man haben kann, was für seltsame Typen man in irischen Theatern treffen kann und was der katholische Glaube mit den Menschen und den 15-köpfigen Durchschnittsfamilien anrichtet – der ist hier richtig. Hier hat sogar zu lachen, wer sonst nichts zu lachen hat, und zwar auf höchstem Niveau.

Flann O’Brien, Das Barmen (Irischer Lebenslauf)

Ja, der irische Lebenslauf. Er spielt mit den typischen O’Brien-Topoi, die er allerdings in seinen Kolumnen wesentlich pointierter bringt. Gut, unlustig ist es nicht, aber wenn man die Kolumnen kennt, weiß man, dass O’Brien mehr kann. Und das ist etwas, was mich stets ärgert: Wenn Leute ihr Talent nicht voll ausschöpfen. Vermutlich ärgert mich das besonders, weil ich immer wieder dasselbe Problem habe. Mal, weil ich selbst zu faul war, mal, weil man mir ein Hindernis nach dem anderen vor der Nase platziert hat.

Ja, vielleicht ist das die Lehre aus solchen Stücken: dass man eben nicht immer dafür kann, wenn man hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

Flann O’Brien, Der dritte Polizist

Nicht ganz so gut wie In Schwimmen-zwei-Vögel, aber ähnlich konfus. Zum Teil wilde Geschichte um Morde, Fahrräder und ständig unerwartete Wendungen. Kurios, aber lesenswert, vor allem dank dem irischen Humor. Ich frage mich nur gerade, warum es mir so schwer fällt, O’Brien näher zu beschreiben. Ich weiß noch, bei welchem Buch ich mich amüsiert habe und bei welchem weniger. Aber die näheren Inhalte verblassen auffallend schnell in meinem Schädel.

Flann O’Brien, In Schwimmen-zwei-Vögel

Flann O’Brien ist ein besonderer Fall eines Autors. Mit einer unbändigen Portion Humor versorgt komprimiert er seine Texte zu einem Füllhorn guter Laune. Der Inhalt des vorliegenden Romans ist … tja, schwierig zu schildern. In der Hauptsache geht es um einen Studenten, der ein Buch schreiben möchte. Die Hauptfiguren aus dem Buch machen sich schließlich selbständig und zeigen dem Erzähler, wo der Hammer hängt. Meines Erachtens O’Briens lustigstes Buch nach den Glossen, die er unter dem Pseudonym Myles na gCopaleen publiziert hat. Intelligenten Lesern dringend zu empfehlen!

Flann O’Brien, Das harte Leben

Ich weiß nicht, warum es so ist, aber es ist so: Wenn der Text länger werden sollte, patzte O’Brien regelmäßig. Ich glaube, lediglich sein At Swim-Two-Birds konnte mich da überzeugen. Schade. Seine Kolumnen sind da deutlich besser.

Einar Kárason, Die isländische Mafia

Das Buch war ein Geschenk einer lieben Freundin, die glaubte, dass ich nach dem Studium weiterhin großes Interesse an Skandinavien hatte. Das hatte sich aber damals etwas abgekühlt, daher lag das Buch dann erst mal herum. Endlich hab ich es letztes Jahr im März in die Finger genommen und mit viel Vergnügen gelesen. Es handelt sich um eine skurrile Familiengeschichte, die zuweilen an Flann O’Brien erinnert.

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