Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Lyrik (Seite 1 von 3)

Two-night Tom

Tom war nicht der Mann für einen One-Night-Stand.
Er spielte Schlagzeug dann und wann in einer kleinen Band.

Nach dollen Gigs nahm er dann oft Groupies schamlos in sein Loft.

Am Schlagzeug brauchte er zwei Sticks.
Einer nur reicht für die Ficks.

Er verwöhnt die Damen stets zwei volle Nächte, verspritzt den Samen aus dem Gemächte nicht zu knapp, weshalb man ihn – sei’s in Brüssel, sei’s in Wien – nur Two-Night Tom benannte.
Wozu er sich auch gern bekannte, der Trommler, der schon bald in deiner Stadt die Felle knallt.

» Follow me

Edgar Allan Poe, Der Rabe

In diesem Band aus der Haffmans-Ausgabe sind neben Poe-Gedichten – der Titel verrät es bereits – drei Essays versammelt: Heureka, die Methode der Komposition und Maelzels Schachspieler.

Ich mach es kurz: Poes Gedichte sind nicht meine Welt. Mit Ausnahme des Raben finde ich sie alle, sagenwirmalfreundlich: öde. Interessanter sind da die Essays, auch wenn es leider nur drei Stück sind.

Die Methode der Komposition ist bekanntlich eng mit dem Raben verbunden – schildert Poe hier doch, wie er angeblich das Gedicht entwickelt hat. Mehr zum Thema hier.

Malezels Schachspieler gehört meiner Erinnerung nach zu den frühesten Texten, die ich überhaupt von Poe gelesen habe. Warum auch immer. Ich glaube, der Text war mal irgendwo abgedruckt.

Heureka – der Versuch, den Kosmus und seine Entstehung zu erklären – ist durchaus die Lektüre wert, auch wenn er mir stellenweise wie Kraut und Rüben erscheint.

Neidhart von Reuental, Lieder

Eine lustige kleine „zweisprachige“ Reclam-Ausgabe. (Zweisprachig deshalb in Anführungszeichen, weil es Mittelhochdeutsch und modernes Deutsch ist.) Sehr lustige Lektüre. Wer das Mittelalter für eine verspießerte, bornierte, prüde Zeit hält, sollte sie sich zu Gemüte führen. (Und nebenbei der Tipp: Es gibt wunderbare Vertonungen einzelner Neidhart-Lieder!)

Mary Lynn Johnson, John E. Grant (Ed.), William Blake’s Poetry and Designs

Wie manch anderer Lyrikband auch muss ich bei diesem eine winzige Ausnahme machen. Nein, ich habe nicht alle Texte Blakes gelesen, aber ich schätze diesen Band nicht allein wegen seiner mir bekannten Texte, sondern auch wegen der hochspannenden Illustrationen, die mich in manchen Details an Bilder aus Prinzhorns Bildnerei der Geisteskranken erinnern. (Und zumindest insofern müsste ich Schmidt eigentlich recht geben, wenn er Blakes Lyrik als „die Gesänge eines Irren in ausgedachten Landschaften“ bezeichnet.)

Kurz: Meine beiden Blake-Lieblinge sind hier der Tyger und die Marriage of Heaven and Hell. Nebenbei möchte ich aber auch auf einen meiner Lieblingsfilme hinweisen: Dead Man von Jim Jarmusch – hier spielt Johnny Depp einen (angeschossenen) Mann, der zufälligerweise William Blake heißt und von einem Indianer für den großen Dichter gehalten wird.

Ror Wolf, Pfeifers Reisen

Als ich mir Pfeifers Reisen gönnte, hatte ich länger nichts Neues von Wolf gelesen. Umso erfreuter war ich natürlich bei der Lektüre, insbesondere über das Wiedersehen mit dem hochverehrten Hans Waldmann, den ich ohne Zögern auf meine Couch einladen würde, wenn er mal hier in der Gegend wäre. (Gegebenenfalls dürfte er auch auf dem Regal schlafen, das ist ihm überlassen. Hauptsache, er lässt seine Famili zu Hause.)

Tja, allerlei schöne, zum Teil zuvor unveröffentlichte Gedichte aus den Jahren 1958 bis 2006 sind hier versammelt und unterhalten den, der das gepflegte Wort wertzuschätzen weiß.

Ror Wolf, Aussichten auf neue Erlebnisse. Moritaten, Balladen & andere Gedichte

Ein Band, den ich entdeckte, als ich ein Geschenk für eine Freundin suchte. Insgesamt ein Wolf bester Qualität. Allerdings muss ich einräumen, dass ich vieles davon bereits in anderen Büchern versammelt hatte und für mich nur wenig Neues dabei war. Aber, auch das sei eingeräumt, Wolf gehört eben auch zu den Autoren, die nach der ersten Lektüre nicht gleich erledigt sind. Sie spornen zum mehrmaligen Lesen an, immer wieder entdeckt man neue Kleinigkeiten, die das Ganze so rund machen.

Ror Wolf, hans waldmanns abenteuer

Ich kenne bis heute leider immer noch nur Ausschnitte aus Wolfs Wirken. Aber diese Abenteuer gehören für mich zu dem Lustigsten, Bewegendsten und Spannendsten, was ich von ihm gelesen habe. Unvergessen Waldmanns Sturzereignisse im bewegenden „ruhe, ruhe“. Und allein für den Vierzeiler Wetterverhältnisse* (der sich auf der Rückseite des Buchs befindet) gebührt diesem Virtuosen des Wortes meines Erachtens eine überlebensgroße Statue, die uns Tag und Nacht gemahnt, dass es da einen ganz Großen gibt, der Wörter ernst und unernst zugleich, aber stets buchstaben… – was sag ich! – nanometergenau zu setzen vermag. Nicht zuletzt möchte ich auf die wundervollen Collagen verweisen, die mir in dieser Form in diesem Band erstmals vorgestellt wurden. Kurz: Es ist ein Buch, das jeder ernstzunehmender Mensch im Hause stehen haben muss, wenn er unsere Sprache wirklich schätzt.

* PS: Wer den Vierzeiler nicht kennt, möge ihn hier lesen:

WETTERVERHÄLTNISSE
es schneit, dann fällt der regen nieder,
dann schneit es, regnet es und schneit,
dann regnet es die ganze zeit,
es regnet, und dann schneit es wieder.

Paul Zech (Nachdichtung), Die lasterhaften Balladen und Lieder des Francois Villon

Was hab ich sie gern gelesen, einzelne sogar auswendig gelernt (den Erdbeermund natürlich, den kleinen Herrn Ranunkel, Wer’s lang hat und die Lästerzungen …). Anfangs amüsierte ich mich noch darüber, sie in einem Klaus-Kinski-Imitat zu sprechen, erst später „erfand“ ich meine eigene Form der Aussprache und Betonung. Ja, Villon ist mitteleuropäisches Kulturgut. Geboren im spätmittelalterlichen Frankreich, wiedergeboren in der deutschsprachigen Moderne dank der genialen nachgedichteten Übertragung von Zech. Ein Buch, das wohl zu den letzten 20 Büchern gehören würde, wenn ich mich von den meisten meiner Bücher trennen müsste. Einfach weil so dicht gedrängt so viel darin steckt. Lesen und behalten, sag ich!

Paul Verlaine, Poetische Werke

Wer kennt sie nicht, die Beziehung zwischen Verlaine und Rimbaud? Höchst ungleich, diese Beziehung, nicht nur in Alter, sondern auch im poetischen Ausfluss. Witzigerweise sind es aber gerade die Texte des jüngeren Dichters, also von Rimbaud, die mit Abstand die besseren sind. Ob das daran liegt, dass der jüngere eher in der Lage war, sich „revolutionär“ von alten Zöpfen zu verabschieden und frei zu schreiben, während Verlaine viel stärker an den alten Formalien kleben blieb – ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass ich einen Satz von Rimbaud dem Gesamtwerk von Verlaine vorziehe.

Georg Trakl, Abendländisches Lied

Ich glaube, Trakl war so ziemlich der einzige Nenner, auf den ich mich mit meiner jahrelangen Deutschlehrerin auf dem Gymnasium verständigen konnte. Von all den Autoren, die sie uns aufgetischt hat, konnte ich mit Trakl am meisten anfangen. Später überraschte sie mich sogar damit, dass sie uns verriet, Trakl sei einer ihrer Lieblingsautoren überhaupt. Nennt mich milzsüchtig, nennt mich Melancholiker, Pessimist, was auch immer – aber Trakl gelingt es, in mir Saiten anzuschlagen, die ganz besonders nachhaltig klingen.

Seite 1 von 3

Läuft mit WordPress & Theme erstellt von Anders Norén