Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Südsee

Robert Louis Stevenson, Der Strandräuber

Stevenson, Spross des bekannten schottischen Leuchtturmbauers, ist vor allem für Schatzinsel sowie Jekyll und Hyde bekannt. Dass er auch darüber hinaus andere gut erzählte Stile beherrschte, war mir bereits länger bekannt. Der Strandräuber, eine Verschmelzung aus Kriminal- und Künstlerroman, war mir dagegen bis vor kurzem unbekannt.

Nach der sehr befriedigenden Lektüre, während der ich Seiten & Kapitel wie schon lange nicht mehr verschlungen habe, bin ich mehr als froh, diese Lücke nun geschlossen zu haben.

Stevenson serviert ein detailliertes Panoptikum amerikanischer, schottischer und Pariser Schilderungen, die er gekonnt mit einer komplexen Mischung aus Südseeerlebnissen würzt.

Alles ist so lebendig, so farbenfroh geschildert, dass man den Hunger der Kunststudenten nahezu genauso spürt wie man den Salzgeruch der Meere schmeckt oder Möwen wie Eisenbahnen kreischen sowie Taue und Masten knarzen und ächzen hört. Zudem präsentiert er einen Krimi, der im Ergebnis kaum vorhersehbar ist und trotzdem auf einen Deus ex machina verzichtet.

So gelungen ich andere Werke Stevensons finde, so sehr sticht dieses Werkt noch einmal heraus, bei dem an auch den enormen Spaß mitlesen kann, den Stevenson bei der Abfassung gehabt haben muss.

Wirklich uneingeschränkte Leseempfehlung für sämtliche Fans von Abenteuer- und Kriminalromanen!

Herman Melville, Mardi

Ein weiteres Monstrum aus dem Hause Melville. Mardi ist allerdings lange nicht so bekannt wie der weiße Wal. Das wundert einerseits angesichts des interessanten Südseeinhalts, andererseits wundert es auch wiederum nicht. Denn Melville hat in Mardi etwas versucht, was zur Zeit der Niederschrift schon länger aus der Mode war: Satiren über die eigene Zeit im Kostüm anderer, womöglich erfundener Kulturen. So beschreibt Melville in Mardi die damals wichtige Welt aus Europa und den kommenden USA anhand verschiedener Südseekönigreiche. Und genau der Teil ist ihm nicht gelungen – im Gegensatz zu den Schilderungen eines Weltteils, den damals nur sehr wenige kannten und von dessen Exotentum noch heute viele Vorstellungen des Garten Eden geprägt sind. (Dazu braucht man sich ja nur auf den Webseiten verschiedenster Reiseanbieter herumzutreiben.)
Sei es, wie es sei. Der Roman blieb lange unübersetzt und wurde vor 15 Jahren von der Achilla-Presse-Verlagsbuchhandlung erstmals in Deutschland herausgegeben in der Übersetzung von Rainer G. Schmidt. Für diese schöne Ausgabe auch heute noch meinen Dank!

Thomas Heffernan, Meuterei auf der Globe

Schiffe waren bis zur Erfindung des Funkverkehrs und der Hubschrauber während ihrer Fahrten praktisch von der Außenwelt abgeschlossen, solange sie sich auf hoher See befanden. Es waren eigene Welten für sich, die ein genaues Reglement brauchten, damit sie funktionierten. Ab und an wird dieses Reglement gebrochen (die Gründe seien jetzt einmal außer Acht gelassen), die Mannschaft meutert.

Einen der bekanntesten Fälle hatte ich hier bereits kurz angesprochen. Ein weniger bekannter, dafür aber umso spannenderer Fall spielte sich vor fast 180 Jahren auf einem Walfänger aus Nantucket ab, als der gerade durch die Südsee schipperte. Diese Geschichte, vor allem die Geschichte des jungen Seemanns Samuel Comstock, der mit enormer Brutalität seine Meuterei durchzieht, schildert der Historiker Thomas Heffernan in diesem interessanten Buch. Wer immer sich für Seefahrt interessiert, wird an diesem Buch Gefallen finden.

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