Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Carl Gustav Jung

Carl Gustav Jung, Traum und Traumdeutung

Von den Büchern, die ich von Jung besitze, handelt es sich in diesem Fall um die dickste Zusammenstellung einzelner Arbeiten. Man kann es quasi als Fortsetzung oder Ergänzung des Archetypen-Bandes betrachten, denn hier werden diese theoretischen Überlegungen sozusagen fortgeführt und „praktisch“ angewandt. Jung betrachtet Träume in Form von Beispielen und zeigt daran anschaulich, wie und warum die Archetypen dort auftreten. Ferner befasst er sich mit dem Prinzip der Dualität und religiöser Symboliken. Die Gedanken, die er sich über Mandalas gemacht hat – auch im Rahmen der Träume vorgestellt –, kann ich dagegen eher weniger nachvollziehen, und zwar vor allem, weil mir manche seiner Ausführungen in diesem Zusammenhang entweder zu platt oder zu abgefahren erscheinen.

Trotz allem ein wichtiges Buch!

Carl Gustav Jung, Archetypen

Okay. Diese Zusammenstellung verschiedener Arbeiten ist natürlich der Schlüssel für das Verständnis von Jung. Neben der Grundsatzerklärung, was er unter Archetypen versteht, dekliniert Jung in diesem Bändchen die einzelnen Typen der typischen Archetypen durch. Das erfolgt insbesondere anhand der Figuren der Anima, anhand des Mutterarchetypus und den damit verwandten Formen sowie anhand des Kindarchetypus und den zugehörigen Formen. Sehr zu empfehlen, vor allem für psychologisch interessierte Leser.

Carl Gustav Jung, Die Beziehung zwischen dem Ich und dem Unbewussten

Ich hatte bereits ein anderes Bändchen von Jung angesprochen, in dem es – nach Auskunft des Titels – um das Bewusste und das Unbewusste gehen sollte. Der Band von heute wird seinem Titel allerdings deutlich gerechter. Jung entwickelt in den hier versammelten Texten das persönliche und das kollektive Unbewusste. Er leitet die Probleme her, die aus dort vorliegenden Brüchen entstehen können und erklärt das psychologische Individuum an sich.

Dieses Buch ist für mich in dieser Zusammenstellung eins der Schlüsselwerke zum Verständnis seines Ansatzes. Ich bin ein Mensch, der äußerst ungern in Büchern herummalt. Zwei Autoren bilden da allerdings aus gutem Grund regelmäßig eine Ausnahme: Deschner und Jung. Ihre Inhalte sind hochwichtig und so spannend wie wichtig. Da darf man nicht mit Exzerpten warten, sondern muss sofort handeln.

Carl Gustav Jung, Bewusstes und Unbewusstes

Ich habe zwar bereits einen Jung angesprochen, möchte aber heute nachholen, etwas allgemeiner über ihn zu sprechen. Wer sich mit professionellen Schreibern darüber austauscht, wer einen guten Schreibstil hat, wird über kurz oder lang nicht bei bei Romanciers stehenbleiben. Auch auf anderen Feldern gibt es da manches zu entdecken. Dazu gehört der Journalismus, aber dazu gehört auch die Wissenschaft. Und ein Wissenschaftler, dem man einen guten Stil zusprechen kann, ist auf jeden Fall Carl Gustav Jung. Ich mag seine Schreibe. Sein Stil ist angenehm zu lesen, gut verständlich auch für den Laien. Es macht Spaß, sich mit seinen Werken zu beschäftigen. Nun räume ich gern ein, dass beim Spaß ein grundsätzliches Interesse am Wirken der menschlichen Psyche nicht schaden kann.

An dieser Stelle finde ich den Titel des vorliegenden Buchs etwas irreführend. Gut, zumeist lässt sich die Psyche in das Bewusste und Unbewusste gliedern. Aber der Inhalt dieses kleinen Taschenbüchleins beschäftigt sich doch mehr mit sehr speziellen Ideen Jungs. Da ist zunächst das – wie er es genannt hat – kollektive Unbewusste. Hier sieht er eine Art Gruppenunbewusstsein, das sich in bestimmten Figuren niederschlägt, die Jung als Archetypen bezeichnete. Das klingt zuweilen etwas seltsam, gerade wenn man so weit geht, die Götter einzelner Völker als Archetypen zu betrachten. Bricht man es allerdings auf eine grobe Stufe hinunter, wird die Betrachtung deutlicher und es erscheinen Grundfiguren, die auf der ganzen Welt in Träumen und Erzählungen und Märchen wiederkehren.

Von diesem Thema ausgehend wird im Buch ferner die Figur „Geist“ im Märchen behandelt, zuletzt befasst Jung sich mit der Psychologie der östlichen Meditation. Fernöstliche Kulturen hatten es ihm besonders angetan. Das lag unter anderem daran, dass sie sich im Gegensatz zu den europäisch-mediterranen Kulturen weniger mit der Außenschau befassen, sondern mehr nach innen blicken. Auch verhalfen ihm die Kulturen mit ihren wichtigsten Grundelementen zur Entwicklung seiner Lehre, die im Gegensatz zu Freud den ewigen Dualismus herausarbeitet. Platt gesagt: Jung hat das Yin und Yang auf die westliche Psychologie übertragen und modern weiterentwickelt.

Ich kann jetzt nicht sagen, ob diese Sichtweisen auch etwas damit zu tun haben, dass ich mit Jung mehr anfangen kann als mit Freud. Aber ich weiß mit Sicherheit, dass mir Jungs Lehren näherstehen. Sie sind im Aufbau schlüssiger und auch ihre Anwendung halte ich für wirkungsvoller als bei Freud. Wenn ich dann noch daran denke, dass auch der hochverehrte Philip K. Dick den Psychologen Jung sehr schätzte – nun, was soll ich da noch sagen?

Carl Gustav Jung, Antwort auf Hiob

Eins meiner Lieblingsbücher von Jung. Ich gehe einmal davon aus, dass die Geschichte von Hiob zumindest grob bekannt ist. (Falls nicht, siehe hier.) Jung untersucht nun in seinem Werk die Psychologie, die dem Wirken des rachsüchtigen, blutrünstigen Jahwe zugrundeliegt. Er vergleicht die Entwicklung innerhalb des Alten Testaments und schaut sich an, was dieser Jahwe noch mit dem Gott des Neuen Testaments zu tun hat. Dabei kann er zeigen, wie sehr sich diese Figuren verändern, übrigens auch passend zur historischen Entwicklung der Völker, die ihn angebetet haben. Ich verbitte mir allerdings, dies als Abwertung des jüdischen Glaubens zu betrachten. Wer an etwas glauben möchte, soll es tun, solange er mich und andere Menschen damit nicht zwangsbelästigt. Ansonsten betrachte ich alle Religionen ähnlich doof oder schlau und abgesehen vom Buddhismus gibt es bekanntlich in jeder großen Religion gewaltbereite Fundamentalisten.

Zurück zum Text. Ich vermute mal, für einen gläubigen Menschen ist der Text starker Toback. Man muss schon ein etwas gelöstes Verhältnis zu diesem Konstrukt „Gott“ haben, das ich kaum anders betrachte als andere Märchenfiguren – abgesehen davon, dass sie vielen Tausend Herrschern und Hetzern sehr zupass kam, um die eigene Herrschaft zu rechtfertigen und Völker aufeinander zu hetzen.

Daher ist Jungs Text enorm wichtig und spannend!

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén