Henri Michaux, der französische Poet, über den ich einmal gelesen habe, dass er bewiesen habe, dass man auch unter Drogeneinfluss gut schreiben kann, hat sich nicht nur mit Reisen beschäftigt, sondern auch Reisetagebücher geschrieben. Ecuador, Indien, Malaysia, China, Bali – Michaux ist schon etwas herumgekommen und stellt interessante Beobachtungen an. Zum Beispiel weist er auf die Unterschiede zwischen christlichen Kirchen und indischen Tempeln hin. Während die Kirchen riesig, bombastisch sind und die Kleinheit des Einzelnen nicht nur unterstreichen, sondern in Stein meißeln, sind die meisten indischen Tempel – insbesondere das eigentliche Heiligtum – gerade eher klein, eng und bedrängt. Der Mensch braucht sich hier nicht unbedeutend und wertlos zu fühlen. Allein aus solchen Beobachtungen zieht Michaux Rückschlüsse auf unsere europäische Barbarei, obwohl er doch so fern unterwegs ist. Ein tolles Buch, ein lesenswertes Buch. Ein Buch, das ich nur empfehlen kann.