Hans-Dietrich Genscher erzählte vor vielen Jahren mal im Fernsehen einen DDR-Witz (und ich meine mich erinnern zu können, dass er ihn wiederholt erzählte, weil er ihn so lustig fand). Da fragt ein Junge in der DDR seinen Vater, warum eine Brücke in seiner Stadt Dimitroffbrücke heiße. Der Vater – der natürlich wenig von der sozialistischen Regierung hält – weiß aber zu antworten, dass das schon ein ganz alter Name der Brücke sei, nämlich von August dem Starken. Der sei nämlich immer mit seiner Kutsche über die Brücke gefahren und habe im Angesicht all der schönen sächsischen Mädchen zum Kutscher gerufen: „Die mit roff! Die mit roff!“

Nun gut. Man mag von Genscher und seinem Schenkelklopfer halten, was man mag, aber es lockert das Thema fraglos etwas auf. Denn die Nazis wollten Georgi Dimitroff beim Prozess in Leipzig zum Reichstagsbrand in eine große kommunistische Verschwörung mit einbinden. Aber dem glänzenden Rhetoriker Dimitroff gelang es, den Prozess zumindest teilweise zu wenden und die Nazis als das zu entlarven, was sie waren (weshalb die anfängliche Öffentlichkeit des Prozesses nach und nach zurückgeschraubt wurde).

Ein Beispiel für dieses Talent ist nun Dimitroffs Schlussrede vor Gericht, die ich hier in meinem kleinen DDR-Bändchen vorliegen habe. Wiederum ein historisch spannendes Dokument, und wie ich meine: in diesem Fall wirklich jedem Antifaschisten zu empfehlen.