Hey, H.C. Andersen! Den kennt doch jeder! Das hässliche kleine Entlein, die Prinzessin auf der Erbse, das Mädchen mit den Streichhölzern, des Kaisers neuen Kleider, die roten Schuhe, nicht zu vergessen die kleine Meerjungfrau! Was kann da schon beim Lesen schiefgehen?

Hab ich jedenfalls gedacht, ich ich vor Jahren den Insel-Taschenbuch-Dreibänder erstanden hatte. Den ersten Band hatte ich noch recht flott verschlungen. Beim zweiten brauchte ich schon länger und im dritten Band wurde dermaßen der Rest gesammelt, dass ich ihn nur unterbrochen durch zwei längere Pausen ertragen konnte. Und bei der Lektüre der letzten hundert Seiten war ich wirklich sehr genervt von dieser Sprache, diesem „Stil“ und diesen Themen.

Wer lediglich die bekanntesten Andersen-Märchen kennt, weiß es sicherlich nicht, aber die Mehrheit seiner Texte sind von einem derart pietistisch-schwülstigen, ja um nicht zu sagen: animistisch-tuntigen Ton erfüllt, dass man echt die Hirnkrätze bekommt. Schlimmer sogar: Kommen Kinder in den Texten vor, ist ihre Beschreibung fast durchweg mit einem klebrigen Lack überzogen, dass man ihn aus heutiger Sicht nicht anders als pädophil angehaucht bezeichnen kann.

Aber zum Abschluss möchte ich doch noch auf eine positive Überraschung hinweisen, auf das Märchen vom kleinen und vom großen Klaus. Es sticht nicht nur durch seine Brutalität aund ihre ungewöhnlich neutrale Schilderung aus den Andersen-Texten hervor, sondern beinhaltet einen Witz, den ich in fast allen anderen Andersen-Texten schmerzlich vermisse. Zumindest dafür hat sich die Lektüre also gelohnt – aber dazu hätte ich keine drei Bände benötigt.