Es ist gar nicht lange her, da habe ich Eternauta hier schon einmal besprochen, allerdings die Version 1969, gezeichnet von Alberto Breccia. Diese jüngere Fassung gefiel mir schon sehr, abgesehen davon, dass sie v.a. zum Ende extrem gestaucht war, nachdem Oesterheld und Breccia aus politischen Gründen sozusagen das Papier unter den Händen weggezogen wurde.

Damals war mir schon klar, dass ich auf jeden Fall irgendwann die erste Fassung lesen wollte. Zum Geburtstag war es so weit.

Eternauta – die Urfassung

Der erste Eindruck: Hier hat der Avant-Verlag einmal mal sehr engagiert gearbeitet. Die Edition sieht großartig aus, der Comic selbst wird umrahmt von Artikeln, die gute Einblicke in die Welt und Familie von Oesterheld gewähren. Solanas Zeichnungen sind handwerklich insgesamt sauber, manchmal in der Ausarbeitung von Gesichtern etwas schludrig, aber praktisch nie auf Breccias hohem Niveau (wobei ich einräume, dass zwischen den beiden Herangehensweisen natürlich auch ein paar Jahre liegen). Oesterhelds Geschichte aber, die ist wirklich grandios. In dieser Urfassung wird mir erst so richtig klar, was für ein guter Autor Oesterheld war. Klar, bei einer Geschichte „Außerirdische überfallen die Erde und Menschen wehren sich“ ist die Steigerung der Handlungen obligatorisch. Wie Oesterheld das aber gestaltet, was er drumherum gestaltet, welchen Rahmen er bietet, was da alles drinsteckt und nicht zuletzt: Wie sehr er die Militärherrschaft in Argentinien mit dieser Geschichte vorwegnahm – das alles macht die Geschichte einzigartig und sichert Oesterheld einen ganz eigenen Platz im Olymp der Autoren. Und ich schreibe mit Absicht nicht Comicautor; denn die Geschichte, die er hier abliefert, würde problemlos auch als Buch ohne Bilder funktionieren.

Mir ist nicht ganz klar, ob ich einfach nur ewig brauchte, um Oesterheld zu entdecken oder ob er in Deutschland wirklich so ein Nischendasein fristet. Verdient hat er jedenfalls die ganz große Bühne. Dringende Empfehlung für alle Comicfreunde!