Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Herz der Finsternis

Joseph Conrad, Almayers Luftschloss

Bei diesem Text (verschiedentlich auch Almayers Wahn transkribiert) tritt der umgekehrte Effekt ein, den ich bei der Lektüre vom Herz der Finsternis hatte: Zunächst erscheint Almayer platt, er gewinnt aber eine Tiefe, die den Text wesentlich kraftvoller macht. Besonders beängstigend für mich: eine Stelle, in der der Hauptfigur eine schlimme psychische Krise widerfährt. Die Bilder, die Conrad hier nutzt, kamen mir bei der Lektüre sehr bekannt vor. Die Tatsache, dass er dasselbe Bild wieder und wieder verwendet, lässt mich vermuten, dass er es selbst genau so erlebt hat. Jedenfalls schildert er es sehr lebendig und persönlich. Das erinnert mich daran, dass ich vielleicht mal nach einer Conrad-Biografie Ausschau halten sollte …

Joseph Conrad, Herz der Finsternis

Ach, was ärgere ich mich heute, Conrad erst so spät angefasst zu haben. Allerdings möchte ich nicht ausschließen, dass ich ihn auch weniger gut verstanden hätte, wenn ich ihn 20 Jahre früher gelesen hätte, als ich es getan habe. Kurz zum Herz der Finsternis, einem Klassiker, der schon längst Topos geworden ist. So wichtig der Klassiker für Conrad ist, so farblos erscheint er mir ehrlich gesagt im Vergleich zu manch anderem Buch von ihm. Es ist beinah mehr eine Art Einführung in Conrads Welt.

Übrigens ist bei Conrad eines besonders interessant: Er stammt als Sohn polnischer Russen (russischer Polen?) aus Berdytschiw, der Stadt, aus der auch Wassili Grossman stammt. Einmal vormerken bitte. Mit 20 begann Conrad Englisch zu lernen und war ein sprachliches Wunderkind, weil er es vorzüglich beherrschte.

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