Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Michel de Montaigne

Uwe Schulz, Montaigne (Rowohlt-Biographie)

Es gibt so zwei, drei Ecken in Frankreich, die ich bereits bereist habe. Manche, wie die Provence, sogar mehrfach. Leider hat es mich bislang noch nie nach Montaigne verschlagen. Und das, obwohl ich natürlich gern mal da vorbeischauen würde. Insbesondere den Turm, in dem er geschrieben hat, würde ich gern mal eigenäugig in Betracht nehmen. Nun, bis dahin muss ich mich von hier aus darauf beschränken, mich durch Montaignes Texte, aber eben auch durch Biographien wie diese hier aus der rororo-Reihe diesem Denker anzunähern.

Wie üblich bei den rororos gilt auch hier: hübscher schneller Einstieg, aber die Vertiefung sollte dann doch mit anderen Werken erfolgen. (Und wer mir eine gute Montaigne-Biographie empfehlen kann, gebe mir bitte einen Tipp. Ich freue mich darüber!)

Michel de Montaigne, Tagebuch der Reise nach Italien über die Schweiz und Deutschland

Aufgrund einer schmerzhaften Nierenerkrankung trat Michel de Montaigne eine Kurreise an. Er nutzte die Gelegenheit, die Länder kennenzulernen, und machte sich zahlreiche Notizen. Den Anfang der Schilderung übernahm dabei sein Sekretär.

Für mich eine Art Reiseversion der Essais. Okay, nicht ganz so amüsant, aber es gibt doch einige lustige Anmerkungen. Beispielsweise mokiert sich der Franzose Montaigne regelmäßig darüber, wie hässlich die Italienerinnen seien. Entweder gab es ein national geprägtes Schönheitsempfinden oder es muss sich einiges getan haben in den letzten 400 Jahren in Italien. Etwas weniger spannend fand ich dagegen seine Erläuterungen, wann jetzt was für ein Nierenstein bei ihm abgegangen ist. Klar, die Reise war eine Kurreise, aber trotzdem finde ich persönlich seine Erkrankung nicht so spannend wie seine Gedanken.

Michel de Montaigne, Essais

Ich sag es gleich, ich bin befangen: Dieses Buch ist mein Abgott. Aber erst möchte ich ausholen. Jeder kennt die klassische Frage: Welches Buch würdest Du mit auf eine einsame Insel nehmen? Ich hatte mich durch kluge Überlegungen früh gewappnet und hätte jahrelang gesagt: „Die Bibel.“ Das aber nicht etwa, weil ich gläubig bin (ganz im Gegenteil, wie wir noch feststellen werden) oder da irgendwelchen Trost suchen wollte, sondern aus einem praktischen Grund: Wenn man nicht weiß, wie lange man womöglich festsitzt, so dachte ich, sei es besonders praktisch, sich einen dicken Schinken mitzunehmen, in dem von Erzählungen über Lieder bis hin zu Gedichten alle Textgattungen vorkommen und dermaßen zahlreiche Geschichten, dass man lange etwas zu lesen hätte, ohne dass einem der Inhalt als solcher langweilig würde (im Gegensatz zur Schreibe, aber das nur nebenbei).

Wer kann da nachvollziehen, wie selig ich war, als ich Montaignes Essais entdeckte? Dieses unerschöpfliche Werk eines Skeptikers hoch zehn? Eines Mannes, der sich „nur“ versuchte, aber dennoch Überlegungen höchster Qualität schriftlich fixierte? Ja, ich liebe dieses Buch und ich würde es definitiv auf die berühmte Insel mitnehmen. Es enthält genau die Abwechslung und die richtige Portion schlaue Gedanken, die man braucht, um nicht irre zu werden. Und ich bin stolz, dass ein nicht unwesentlicher Teil meines Namens mit einem Teil seines Namens übereinstimmt.

Kurz: Wer Kluges lesen möchte, ist bei Montaigne immer gut aufgehoben. Es ist und bleibt die Basis allen klugen Handelns.

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