Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Ziemlich beste Freunde

Ich halte den Film, der auf einer wahren Geschichte „beruht“ (was für ein unnötiger Hinweis), für eine Gratwanderung, weil er zwar einerseits zeigt, was menschlich möglich ist, andererseits aber doch recht plump mit dem rassistischen Stereotyp des primitiven Wilden aus der Banlieue, in dem letztlich doch das Gute wohnt, das man bloß mit kulturellen Mitteln zu wecken braucht.

Fazit: auf jeden Fall betrachtenswert, hat aber irgendwie ein Geschmäckle

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Ari Folman, David Polonsky, Waltz with Bashir

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Elsemarie Maletzke (Hrsg.), Der Hotel-Rabe

  1. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Szene, als die Polizei sie zum Krankenhaus eskortierte. *hehe* Nicht gerade politisch korrekt, aber ich muss trotzdem lachen. Nenn’s infantil.

  2. Vielleicht wollten sie damit eine auf Frankreich zugeschnittene Sozialkritik einflechten. Ich bin weder Film- noch Frankreichkenner. aber das gezeigte Ghetto war schon … nicht so nett; und die Mama, die sich für alle abrackerte fand ich auch eine interessante Figur.

    Nee, also ich habe mir gerade noch mal den Trailer angesehen. Der Driss sieht doch absolut nicht wie ein Buschwilder aus! Der ist gut gewachsen, gepflegt… ’n’bisschen großmäulig, wie man sich noch nicht recht dem Teenageralter entwachsene Männer so vorstellt; leicht abgedreht, wie man sich jemanden vorstellt, der von der Abstellkammer ins Märchenschloss zieht. Und bewegungsmäßig sehe ich da eher Vorbilder in der Musikszene.

    • Als Sozialkritik funktioniert im Prinzip natürlich der ganze Film, und zwar auf mehreren Ebenen. Deshalb haben mich die Stereotypen ja auch so gewundert, weil sie dieses Prinzip unterlaufen.
      Im Trailer sieht man natürlich nur Ausschnitte und leider erinnre ich mich heute nur an wenige konkrete Bilder (die Kritik ist schon etwas älter und im Blogumzug hier gelandet). Trotzdem meine ich auch heute noch im Trailer die Tonalität wiedererkennen zu können, die ich damals bemängelt habe. Aber wahrscheinlich müsste ich den Film noch mal ansehen, um das belegen zu können.

  3. Ich habe den Film damals im Kino gesehen und empfand ihn als ein schönes Beispiel dafür, wie man sich gegenseitig ein Ziel im Leben schenken und es lebenswert machen kann; auch wenn man aus völlig unterschiedlichen Schichten kommt. Gerade wegen des Hinweises auf eine wahre Begebenheit gab’s für mich gar kein Geschmäckle.

    • Dieses Geschmäckle rührt meiner Ansicht nach schon da her, dass Driss zeitweise als Buschwilder dargestellt wird (gab es nicht auch entsprechend übertriebene Mimik/Gestik wie im Theater oder bilde ich mir das inzwischen nur ein?). In Wirklichkeit ist das Vorbild aber der Nordafrikaner Abdel Yasmin Sellou, der schon rein optisch mit der Figur des Driss rein gar nichts zu tun hat – geschweige denn mit der angesprochenen Mimik und Gestik, denn die ist in Nordafrika nun mal anders als in Schwarzafrika. Unabhängig von der Frage, ob die verwendete Darstellung des Wilden nun rassistisch ist oder nicht, wundere ich mich schon, warum man überhaupt so einen Wechsel gemacht hat, mit dem diese Darstellung erst möglich wurde.

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