Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Kategorie: Britischer Film

The Death of Stalin

Es wirkt, als hätte das Team um Armando Iannucci sich nicht so recht entscheiden können zwischen einer klassischen Komödie und einer Darstellung des Schreckens, der am Hofe des Stählernen herrschte, woran letztlich Szene um Szene krankt, weil das Lachen meist schon stecken bleibt, bevor es auch nur den Hals erreichen kann, und weder Michael Palin als Molotow noch Steve Buscemi als Chruschtschow den Film zu retten vermögen.

Fazit: ein Film über die Angst, einen falschen Schritt zu machen

The Party

Als grandios angepriesen war dieses Stück Kammerspiellein für die Leinwand, das – zu meiner Überraschung – eigentlich nur so gerade lebt vom Spiel Timothy Spalls und Cillian Murphys, während die Damen praktisch nur die Kulisse füllen und Bruno Ganz wie üblich kaum über eine Rolle als irrelevanter Bühnennarr hinaus fungiert.

Fazit: gute Stellen, insgesamt aber doch enttäuschend

Dunkirk

Wenn der Film nicht mit Cillian Murphy und von Nolan gewesen wäre, hätte ich ihn mir sicher nicht angeschaut – und abgesehen von einem fantastisch synthetischen Soundtrack auch nicht viel verpasst.

Fazit: mehr fürs Ohr als fürs Auge

Sweet Sixteen

Ken Loach, dem Arte neulich freundlicherweise einen schönen Themenabend gewidmet hat, ist nicht allein aufgrund seiner ihm nachgesagten marxistischen Haltung ein Ausnahmeregisseur, sondern auch, weil er die Kamera einfach auf das hält, was weh tut, und wenn es abgehängte Sozialgruppierungen sind, wie er sie in diesem Film über Liam und seine Familie darstellt, die irgendwo zwischen Sozialleistungen, Drogengeschäften, Gewalt und Knast permanent in der Schwebe gehalten werden.

Fazit: auch für Nichtmarxisten sehenswert

2001: A Space Odyssey

Wenn es einen Film gibt, der in Gestaltung und Umsetzung wegweisend ist und die Popkultur bis in die Grundfesten erschütterte, obwohl ihn kaum jemand zu Ende gesehen hat, dann dürfte es dieser Monstrum an Bildästhetik sein, mit der Kubrick ganz, ganz weit in die Tiefen des (geistigen) Raums gegriffen hat.

Fazit: Man muss als Connaisseur ungewöhnlich hart im Nehmen sein, um die Bilder genießen zu können

Dr. Seltsam – oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben

Es bedarf womöglich eines ganz gewissen Humors, um sich Kubricks Dr.-Seltsam-Film anzuschauen und dann auch noch zu mögen, trotzdem halte ich ihn schlicht für schweinekomisch auf eine Weise, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt, wenn man den Kalten Krieg noch erlebt hat.

Fazit: nicht nur für Peter-Seller-Fans absolut sehenswert

A Clockwork Orange

Ein furios-bizarrer Film, der seine Buchvorlage in ein totales Kunstwerk verwandelte, aber aufgrund der gewaltbereiten Rezeption von Kubrick aus den Kinos geholt wurde.

Fazit: leider missverstanden, dafür filmgeschichtlich wertvoll

Barry Lyndon

Ein zugegeben oft etwas langatmiger Film, der aber dermaßen mit faszinierend-unglaublichen Bildern glänzen kann, dass man sich schier in eine Ausstellung klassischer Malerei versetzt fühlt.

Fazit: für den Cineasten ein Muss!

Bronson

Mit Bronson wandelt der vielmals von mir geschätzte Nicolas Winding Refn in der ein oder anderen Szene auf Kubricks Spuren, was allein leider noch keinen guten Film macht, und zwar auch dann nicht, wenn der Film auf wahren Begebenheiten eines irrsinnigen britischen Schlägers beruht.

Fazit: Mal ganz was anderes, aber es gibt Besseres – auch von Refn.

Grand Budapest Hotel

Viel zu spät leider habe ich mir diesen Film vorgenommen, was u.a. daran lag, dass mich die ersten Standbilder zunächst abgeschreckt hatten, aber Geschichte, Darsteller und Darstellung sind dank Wes Anderson dermaßen eigen und überzeugend, dass ich den Film einfach empfehlen muss.

Fazit: durchdachte Unterhaltung

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