Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Alfred Döblin

Alfred Döblin, November 1918. Eine deutsche Revolution

Döblins Krönung ist und bleibt der Alexanderplatz. Trotzdem möchte ich November 1918, dieses Ungetüm von einem Vierbänder, mit stärkstem Nachdruck empfehlen. Döblin schafft es in einem Mix aus zeitgeschichtlichem Roman, Zeitkolorit, seiner unnachahmlichen Schreibe und intelligenten Kommentaren, ein Panorama aufzufalten, dass man nur dastehen und mit großen Augen staunen kann. Was ich auf diesen vielen, vielen Seiten gelernt habe, das konnte mir kein Geschichtsleistungskurs, kein Fachbuch so nahebringen. Man riecht die Revolution, man schmeckt die Revolution, man ist mittendrin und sieht, an welch kleinem Unsinn sie scheitern musste. Man sieht die übermächtigen Gegner, gegen die nichts auszurichten war. Für mich einer der wichtigsten deutschsprachigen Romane des 20. Jahrhunderts!

Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz

In der Aufzählung guter deutschsprachiger Autoren aus der Vorkriegszeit wird Döblin mehr und mehr zu einem Schatten. Er verschwindet aus dem Fokus, wird schemenhaft und ich habe große Sorge, dass er bald nahezu unbekannt sein wird.

Das hat Döblin nämlich garantiert nicht verdient. Er hat nicht nur die deutsche Sprache wie wenig andere beherrscht, sondern auch den deutschsprachigen Roman auf ein neues Niveau gehoben. Das gilt nicht nur, aber gerade für die Geschichte von Franz Biberkopf. Wenn man mich fragte, und das geschieht leider nur für die falschen Fragen, dann müsste vor jeder dämlichen Faustlektüre der Alexanderplatz kommen. Er ist besser geschrieben, wichtiger und vor allem aktueller für unsere Zeit.

Wer ihn noch nicht kennt, dem sei gesagt: Lesen, unbedingt lesen!

Arno Schmidt, Briefwechsel mit Kollegen

Ein Sammelsurium kürzerer Briefwechsel ist hier zusammengestellt. Die Qualität hängt natürlich stark davon ab, wie interessant man die einzelnen Briefschreiber findet. Neben Deschner und Döblin ist das für mich vor allem Hans Henny Jahnn.

Im Übrigen war der Kauf wohl eher dem Sammeltrieb geschuldet.

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