Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz

In der Aufzählung guter deutschsprachiger Autoren aus der Vorkriegszeit wird Döblin mehr und mehr zu einem Schatten. Er verschwindet aus dem Fokus, wird schemenhaft und ich habe große Sorge, dass er bald nahezu unbekannt sein wird.

Das hat Döblin nämlich garantiert nicht verdient. Er hat nicht nur die deutsche Sprache wie wenig andere beherrscht, sondern auch den deutschsprachigen Roman auf ein neues Niveau gehoben. Das gilt nicht nur, aber gerade für die Geschichte von Franz Biberkopf. Wenn man mich fragte, und das geschieht leider nur für die falschen Fragen, dann müsste vor jeder dämlichen Faustlektüre der Alexanderplatz kommen. Er ist besser geschrieben, wichtiger und vor allem aktueller für unsere Zeit.

Wer ihn noch nicht kennt, dem sei gesagt: Lesen, unbedingt lesen!

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  1. Ich behaupte auch nicht, dass man Goethe aus dem Lehrplan schmeißen soll. Aber ich behaupte, dass der Alexanderplatz noch wichtiger ist. Außerdem denke ich, wer das Germanistikstudium erfolgreich hinter sich gebracht hat, sollte ihn erst recht gelesen haben. Da warten viele Aha-Momente.
    Es sei denn natürlich, dass die Ansprüche an Germanisten noch gesunken sind in den letzten 20 Jahren. Und das wollen wir doch wohl alle nicht hoffen. 😉

  2. Wir haben in der Schule Auszüge gelesen, aber ich konnte damit nicht viel anfangen. Da war mir Faust ehrlich gesagt lieber, zumal sich Faustmotive in zahlreichen anderen literarischen Werken finden lassen.

    • Verstehe ich recht, dass beides in der Schule gelesen wurde? Faust und Alexanderplatz (in Auszügen!)?
      Darf ich in diesem Fall ganz unverschämt fragen, welche Faustversion gelesen wurde? Der komplette Goethe? Unverändert? Letzter Hand? Dieses scheußliche Ungetüm? Am besten noch I und II? Sorry, aber wer mir weismachen möchte, dass der komplette Faust als Schullektüre besser verständlich ist als der Alexanderplatz, der kennt Faust entweder nur in einer sehr abgemilderten Schulversion oder macht sich selbst gehörig was vor.
      Zum Thema Verbreitung der Faustmotive nebenbei: Die hat ja schon Goethe zusammengeklaut, wie überhaupt die ganze Geschichte, kein Wunder also, dass sich solche banalen Weisheiten überall „finden“.
      Bei allem Gemotze möchte ich aber auch Mut machen. An Literatur wächst man. Wer sich die Literatur danach aussucht, was er (unter Anleitung) in der Schule verstanden hat, wird nicht weit kommen. Irgendwann muss man auch selbst laufen können, und das kann man nur, wenn man sich immer neuen Herausforderungen stellt.
      In diesem Sinne – gut blättre!

      • Ich habe Faust bereits 2 mal gelesen. einmal in der schule und einmal allein. Es ist vielleicht nicht an allen Stellen immer verständlich, aber es kommt doch durch was Goethe wahrscheinlich damit sagen soll. Das zweite mal habe ich ihn freiwillig und allein gelesen. Beide mal handelte es sich nur um den 1.Teil.
        Berlin alexanderplatz haben wir in Auszügen gelesen und in der Schule behandelt. Mich persönlich hat es nicht so sehr angesprochen. Das hast du schon alles richtig verstanden,
        Natürlich lässt sich über den Sinn der Schullektüre immer diskutieren. Selbst Reich-Ranicki hat schon gesagt, dass Faust nunmal kein Kinder- oder Jugendbuch ist und das meiste, was man in der Schule lest ebenfalls nicht, Aber es sind doch Klassiker, über die man mal was gehört haben sollte. Nach meinem Germanistikstudium kann ich sagen, dass der Deutschunterricht an vielen Stellen zu wünschen übrig lässt aber Faus sollte man keinesfalls aus dem Lehrplan nehmen. im Gegenteil, an sollte es zielgruppengerechter zubereiten. Und ja Faust hat seine Motive natürlich nur abgekupfert aber er hat sie erheblich verbessert und dem damaligen Publikum zugänglicher gemacht. Literatur ist aber doch nichts an anderes, als das Abändern von Motiven

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