Essays, Skizzen und Gedanken

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Gabór Schein, Der Schwede

Bei einem geschenkten Gaul kann man sich das Maul ja vielleicht noch sparen. Bei einem geschenkten Buch sollte man mal einen Blick reinwerfen. Gegebenenfalls sollte man es auch lesen.

Doch leider, leider – manchmal erweist es sich als eines Geschenks nicht so recht würdig. Wie in diesem Fall. Ein Weihnachtsgeschenk. Und dermaßen öde, dass es beinah körperliche Schmerzen verursacht. In der Lebenszeit, die ich für diese etwas über 200 Seiten verbraucht habe, habe ich sonst knapp 20 Bücher gelesen (durchschnittliche Dicke, kein Krieg und Frieden).

Dringende Abratung tut hier not, wenn der Leser nicht gerade – aus welchen Gründen auch immer – enormer Ungarnfan ist. Vielleicht bieten sich dann Reize, die mir entgangen sind.

Henry David Thoreau, Walden oder Leben in den Wäldern

Walden ist ein Kandidat aus der Reihe „Lange interessant gefunden, aber nicht interessant genug“. Im Gegensatz zu Büchern, die manchmal wie ein guter Wein eine Zeit lang im Regal reifen, hatte ich hier aber über etliche Jahre sogar den Kauf vermieden.

Irgendwann hatte mir ein WDR-Podcast Lust darauf gemacht und wenig später lag das Buch bereit.

Ich stürzte mich sogar relativ zügig darauf, fand den Beginn durchaus unterhaltsam, vielfach kurzweilig.

Bald wurde es für meinen Geschmack aber doch zu viel Gefasel und ich begann die Lektüre wiederholt und immer häufiger durch Comics zu unterbrechen (hauptsächlich Maltese, dazu aber ein ander Mal mehr).

Was soll ich sagen: kann man lesen, muss man aber nicht. Und ich freu mich über jede Seite amüsanterer Lektüre (dazu ebenfalls bald mehr).

Ror Wolf, Die Vorzüge der Dunkelheit

Wolf bleibt für mich ein ganz Großer, ein weit unterschätzter. Sein Schreibstil aus Collagiertem, aus Sinnhaftem und (scheinbar) Sinnlosen, seine WIederholungen und Aneinanderreihungen macht ihn so einzigartig, dass ich jedes Mal aufs Neus staunend vor ihm stehe.

Nebenbei – in diesem Horrorroman finden sich zahlreiche faszinierende bildliche Collagen, die auch Lust darauf machen, solch ein Werk von ihm zu besitzen. Ich weiß nur leider nicht, ob man sie käuflich erwerben kann.

Tilman Birr, Zum Leben ist es schön, aber ich würde da ungern auf Besuch hinfahren. Eine kleine Heimatkunde.

Ich glaube, ich bin bei Twitter über eine Empfehlung gestolpert, bei der von der Lippe und Malmsheimer einen Text aus diesem Buch lasen und wirklich sehr viel Appetit auf das Büchlein gemacht haben.

Der Text (City of Angels) ist auch beim Selbstlesen noch sehr zu empfehlen, der Rest des Buchs leider überhaupt nicht. Es finden praktisch keine Geschichten statt. Das Sammelsurium an Plattitüden und gutteils äußerst langweilig verpacktem Unsinn kann auch nicht durch eine Sprache gerettet werden, die punktuell zielsicher ist.

Wäre Birr jünger, könnte ich auf die Idee kommen, dass von ihm vielleicht mal ein großer Wurf zu erwarten ist in der Art eines Schulz oder Witzels. So bin ich da eher skeptisch.

Martin Ernstsen, Hunger: Nach dem Roman von Knut Hamsun

Es gibt zugegebenerweise echt wenig Bücher, die ich mehrfach gelesen habe. Nicht, weil sie es nicht wert wären, sondern eher weil es viel zu viele gute Bücher gibt, die einfach auch gelesen werden wollen.

Hamsuns Hunger gehört definitiv zu den Büchern, die mir mehrfach auf dem Leseplan standen. Diese Ausgabe ist ein ungewöhnliches, aber gutes Exemplar. Es versinnbildlicht in gutem Maße die hungergetriebene Verkorkstheit des Erzählers. Hamsunfans zu empfehlen. Anderen auch.

Michael Palin, Erebus

Palin, den ich fast mehr wegen seiner Reisereportagen schätze als wegen seiner Monty-Python-Nummern (aber nur fast), hat hier lesenswert zusammengefasst, was man über die Expedition der Erebus weiß. Angefangen bei der Antarktisexpedition bis zur katastrophalen Suche nach der Nordwestpassage, die (mehr oder weniger) bekanntlich im Untergang der gesamten Expedition führte.

Wer sich ein klein wenig mehr Information erhofft, als im ein oder anderen Jahr durch die Presse geistert, wird leider enttäuscht: Der Wissensstand über das total Scheitern der Expedition ist auch bei Palin unverändert. Schade. Trotzdem interessante Lektüre.

Alcante, Laurent-Frédéric Bollée, Denis Rodier, Die Bombe – 75 Jahre Hiroshima. Die Entwicklung der Atombombe

Viel zu selten leider, aber doch ab und an komme ich bei mir in der Gegend zu einem kleinen netten Comicladen. Wenn ich ihn besuche, dann zum Stöbern. Ich möchte dann nichts bestellen, sondern ich möchte finden. Nicht immer glückt das, manchmal aber schon. Zum Beispiel bei meinem letzten Besuch, als dieser Band aus den ihn umgebenden Büchern herausstach.

In die Hand nahm ich ihn sofort, vor dem Kauf stöberte ich nur kurz weiter, kam aber schnell wieder zurück. Fast so schnell, wie ich den durchaus dicken Comic verschlungen habe.

Es ist witzig: Ich mag gerade ehrlich gesagt keine Reihen sammeln. Ich wünsche mir gern mehr Corto Maltese, gern mehr Blueberry zu Hause. Aber selbst diese Reihen kaufe ich nur sehr sporadisch. Und neue Reihen mag ich praktisch gar nicht beginnen, auch wenn sie – wie z.B. 100 Bullets – durchaus interessant klingen. Da kaufe und lese ich lieber in einem Satz so eine Schwarte, verschlinge sie aber gern direkt am Stück.

Womit wir beim Thema wären, beim Buch selbst. „Die Bombe“ ist wirklich ein Monstrum. Sie schildert detailliert aus den verschiedensten Perspektiven, wie der zweite Weltkrieg endet, und eigentlich auch, wie der Kalte Krieg begonnen hat.

Insgesamt scheint mir die Geschichte gut recherchiert zu sein, obwohl sie natürlich erzählerische Freiheiten nutzt. Besonders schön arbeitet der Comic meiner Meinung nach den Charakter der höchst unterschiedlichen Protagonisten rund um das Manhattan Project, aber auch rund um den Globus heraus.

So bitter die Geschichte als Ganzes ist, vor allem weil man vom Cover an weiß, wie sie enden wird, so eindringlich erzählt sie von Seite zu Seite. Einmal begonnen, möchte man den Comic nicht mehr zur Seite legen.
Meine Empfehlung für jeden, der keine Furcht vor Graphic Novels hat.

Thomas Hettche, Herzfaden

Wo fange ich an?

Hätte mir das Buch rundum gefallen, wäre diese Kurzrezension sicher im Stil einer Augsburger-Puppenkisten-Geschichte geschrieben.

Mit Sprachfehlern, Wackelarmen und mindestens einem Lied. Da all das hier fehlt, ist klar, was ich davon halte.

Die Idee des Buchs, ein nettes Geschenklein, fand ich eigentlich hübsch. „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ kann ich auch heute nur so denken: „Öch weuß nöcht, wös söll ös bedoitööön“. (Wer das nicht versteht: Stichwort Urmel.) Ich freute mich richtig vor der Lektüre darauf.

Und dann dieser Einstieg. Eine grottendumme Rahmengeschichte, die immer wieder den Erzählfluss stört. Ja, richtiggehend stört in ihrer Blödheit.

Hettches Erzählweise an sich, gut, da mag man gespaltener Meinung sein. Das Meiste ist okay, richtig glänzt aber wirklich gar nichts. Ich erinnere an meine Bookdarts für schöne Zitate, die ihren Weg in meine Kladden finden. Die Menge bei Herzfaden ist null, nada, niente, nullkommanix. Richtig gelesen.

Und genau genommen finde ich den Titel sogar Schwindel. Er bezieht sich zwar auf eine vorgebliche Äußerung des Puppenkistengründers. Aber in diesem Buch stellt sich kein einziger Herzfaden ein. Nicht mal zur Hauptfigur Hatü, obwohl sie allen Grund dafür hätte, dass man als Leser einer romanesken Biographie genau den zu ihr entwickelt.
Ach, ich möchte das Buch nicht empfehlen. Und ich möchte auch nie wieder was von Hettche lesen.

James Fenimore Cooper, Der letzte Mohikaner

Als Kind hatte ich den einen oder anderen Klassiker gelesen, in der Regel dürften es „Jugendversionen“ gewesen sein, jedenfalls war mein Robinson Crusoe damals deutlich kürzer als die Fassung, die ich Jahre später gelesen habe.

Cooper hat mich als Kind seltsamerweise nie recht gefesselt. Ich bin mir nicht sicher, ob mir die Schilderungen einfach zu kompliziert waren im Vergleich zur Winnetou-Welt (die ich zugegebenerweise eher aus Fernsehen und Filmfestspielen kannte, weil ich Mays Bücher auch furchtbar fand – wenn auch anders als Cooper).

Im Nachhinein muss ich mich aber fast fragen, ob das bei Cooper nicht vielleicht ein Glück war. Denn dadurch, dass ich ihn erst spät zu lesen angefangen habe, konnte ich ihn ganz anders und wie ich glaube: tiefgreifender genießen, als es mir als Kind/Jugendlicher hätte möglich sein können.

Zurück zum Titel: Der letzte Mohikaner ist ein enorm kurzweiliges Stück, in dem eigentlich nur wenige Szenen eine eigentlich überschaubare Handlung unglaublich spannend schildern.

Und ja: Ich bin dank Ticonderoga mal wieder auf die Fährte gestoßen worden, die ich allerdings schon vor Jahren anhand der Schmidt’schen Übersetzungen aufzunehmen begonnen hatte.

Cooper ist auch in diesem Fall eine Lektüre wert!

Caroline Alexander, Die Endurance. Shackletons legendäre Expedition in die Antarktis

So spektakulär die Shackleton-Expedition an sich schon war, so spannend ist diese eigentlich recht nüchterne Schilderung des Scheiterns. Die Fotografien – zugegebenerweise von vornherein als Marketinginstrument geplant – sind enorm beeindruckende Zeugnisse des Überlebenwillens. Und nicht zuletzt erscheint Shackleton als vorbildliche Führungskraft, die auch in ausweglosen Situationen die Ruhe bewahrt, um die Mannschaft noch geschlossen mitzunehmen, egal welche Entbehrungen noch drohen. Dabei geht er genau auf die psychologischen Bedürfnisse aller Expeditionsmitglieder ein.

Unbedingt Leseempfehlung!

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