Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Kategorie: Literatur Seite 1 von 34

Adelbert von Chamisso, E.T.A. Hoffmann, Karl Wilhelm Salice-Comtessa, Friedrich de la Motte Fouqué, Der Roman des Freiherrn von Vieren

In der Romantik ist ja einiges experimentiert worden. Manches zum Glück, auf anderes hätte man auch verzichten können. Ein schönes Beispiel fürs Glück ist der zerbrochene Krug, den Kleist im Wettstreit mit Wem-noch-gleich? aus einem Kupferstich entwickelt hat. Sprich, jeder nahm sich das Bild und erfand um die Szene eine Geschichte.

Einen anderen Ansatz wählten die Serapionsbrüder Chamisso, Hoffmann, Salice-Comtessa und de la Motte Fouqué. Sie schrieben einfach einen kurzen Roman in Arbeitsteilung. Der eine begann, der andere setzte fort und so weiter. Die Idee fand ich enorm amüsant, die Autoren gut bis spannend. Aber leider, leider muss ich sagen, ist dieses Experiment gescheitert. Die Geschichte, die die vier hier zusammengebraut haben, hinkt auf allen Beinen. Besser wird es erst, als Salice-Comtessa und Hoffmann Teile und Szenen des Experiments nehmen und daraus eigene Geschichten entwickeln (Das Bild der Mutter bzw. Die Doppeltgänger). Allerdings muss man sagen, dass auch diese Geschichten nicht auf dem höchsten Niveau sind. Schade.

Virginie Despentes, Vernon Subutex (3)

Was hatte ich auf das Erscheinen des dritten Bandes gewartet! Schon der erste Band hatte mich ziemlich angefixt, Band zwei kam mir dann zwar bereits schwächer vor, hielt aber eine gewisse Spannung fürs Erscheinen des Abschlusses. Das galt umso mehr, als breit angekündigt war, Despentes würde in diesem Band auch die Anschläge in Paris zum Thema machen.

Und dann das. Die Geschichte ist so mau-flau, dass ich zwar gut von Kapitel zu Kapitel kam, mich aber ständig gefragt hatte, was da kommen soll. Inhaltlich jedenfalls nicht viel. Denn die eigentliche abschließende Subutex-Geschichte wäre problemlos und ohne ästhetischen Verlust in einem Absatz erzählbar.

Blieb also noch das, was mich zusätzlich interessiert hatte. Doch auch hier: Bei der ersten Erwähnung, die so indirekt und schon im Nachklapp stattfand, wunderte ich mich über die Perspektive (die Sorge von Frauen, abends in Paris auf hohen Hacken rauszugehen, weil sie vielleicht schnell rennen müssten). Dann kam lange erst mal gar nichts. Und schließlich die ein oder andere Anspielung auf Paris, Berlin und anderes. Aber praktisch nie viel mehr als ein Sätzlein.

Mit einigermaßen guten Willen kann man dann ein zum Ende hin gesetztes Ereignis so verstehen, dass Despentes hier dem Thema gerecht werden wollte. Aber um ehrlich zu sein, finde ich auch das gescheitert.

Kurz: Das äußerst lahme Fazit aus Band drei hat mir insgesamt die Lektüre der Trilogie etwas versaut. Danach möchte ich die Trilogie ehrlich gesagt nicht mehr empfehlen.

Hanns Dieter Hüsch, Der Fall Hagenbuch

Der Umzug neulich hatte verschiedene Vorzüge. Unter anderem den, dass ich viel unterwegs war, um Sachen zu besorgen, herumzufahren oder sonstwie mobil zu sein. Dabei hörte ich viel Radio, an einem Abend lief dazu eine wunderbare Aufzeichnung von Hanns Dieter Hüsch, der ein Theaterstück vorlas, in dem ein Hagenbuch Shakespeare gab (oder zumindest Teile davon).

Hüsch war mir natürlich weder neu noch überraschend, Hagenbuch dagegen kam mir zum ersten Mal in die Gehörgänge. Und ich amüsierte mich so köstlich, dass ich nach der Ankunft im Wagen sitzen blieb, um die Aufzeichnung zu Ende zu hören.

Es war ein permanentes Wiederholen und scheinbar unsinniges Hin und Her, das aber so vorzüglich und vor allem dermaßen amüsant von Hüsch vorgetragen, dass ich zu Hause augenblicklich nach dem Buch suchte und ein gebrauchtes Hagenbuch-Exemplar bei Booklooker bestellte. Alas! Natürlich wählte ich ein Buch aus, in dem AUSGERECHNET dieser Text nicht vorkam, in dem Hagenbuch zu Rosenohr von Tisch zu Bett und in oder aus dem Schrank jedenfalls Hagenbuch zu Rosenohr Auf Wiedersehn! rief, wir sehn uns wieder beim Walzertakt im Totenhemdn und nich das Hemd für uns zu knapp Ade und ab Rosenohr wiederum kam sogar überhaupt nicht in meinem erstandenen Buch vor, dagegen vielerlei Amüsantes.

Lesetipp für den vielleicht nicht ganz so gewöhnlichen Geschmack!

John Williams, Stoner

Williams war für mich Anfang 2017 eine sehr erfrischende Entdeckung. Im Nachwort von Augustus war u.a. das Buch Stoner empfohlen worden. Mit kleiner Verzögerung hatte ich mir das Buch nun besorgt und recht zügig durchgelesen.
In diesem Werk, das (auch) autobiographische Züge enthält, schildert Williams das Leben eines Mannes, der aus einfachen Verhältnissen kommt und dem – von außen betrachtet – eine akademische Karriere gelingt, bis er in ein seltsames Intrigenspiel gerät. Ähnlich ergeht es ihm privat: Er heiratet eine Tochter aus gutem Hause, beide finden aber nie recht zusammen. Obwohl sie sogar eine Tochter bekommen, führen sie eine sehr unschöne Ehe, die zeitweise sogar in eine Affäre mündet.
Williams schreibt hier wunderbar. Ganz schlicht und unprätentiös. Die Erzählung wirkt teilweise unbeteiligt objektiv und erzeugt gerade durch diesen Trick eine tiefe Sympathie für den Helden.

Das Buch möchte ich uneingeschränkt empfehlen.

Jonas Lüscher, Kraft

Kraft war für mich in mehrerlei Hinsicht ein überraschendes Werk. Eigentlich hatte ich es wegen seiner erwarteten Kürze vorgezogen. Die ersten Seiten waren da fast unangenehm: zurzeit ungewohnt sperrige Sätze, eng verbaut, streng verschachtelt – daran erkannte ich vieles, wie ich selbst früher formulierte.

Nach ein paar Seiten hatte ich mich eingelesen, wunderte mich nur selten über das ein oder andere Komma, das irgendwo zu viel oder zu wenig war (der Nachteil bei solchen Sätzen: Sie verleiten zur Unüberschaubarkeit auch beim Autor).

Im Großen und Ganzen aber kam ich stilistisch sehr schnell sehr gut klar. In all diese Schachteln ist zudem eine wirklich interessante, bisweilen amüsante, immer aber unterhaltsame Geschichte um einen etwas unangepassten Professor, seine Familie und Geschichte gelegt, die im Wortsinne bis zur letzten Seite spannend blieb.

Kurz: für jeden Leser empfehlenswert, der Lust auf eine erfrischende Geschichte hat und keine Furcht vor sperrigen Sätzen.

Virginie Despentes, Vernon Subutex (1)

Ich hasse ja Hypes. Ich kann es nicht anders sagen. Aber manche Hypes haben Hand und Fuß. Der Despentes-Hype ist zurzeit so ein Hand-und-Fuß-Hype.

Während die Bücher der Französin in Frankreich für viel Wind sorgen, rollt in Deutschland von ihrer Trilogie bisher nur der erste Band den Markt auf.* Und ich muss sagen, sie rollt ihn zu Recht auf.

Im ersten Band präsentiert sie ein spannendes Spektrum der aktuellen französischen und im Prinzip kontinentaleuropäischen Gesellschaft. Die Hauptfigur ist Vernon, ein ehemaliger Schallplattenverkäufer, der mit seinem Geschäft leider nicht bis zum wiedererstandenen Plattenrevival durchgehalten hat. Er wird nach dem eigenen wirtschaftlichen Scheitern auf die Straße gesetzt und stratzt fortan durch Paris, zunächst von Freundinnen zu Freunden. Nach und nach sinkt er Stufe für Stufe in der gesellschaftlichen Hierarchie und landet schließlich auf der Straße. Aufgrund seines Marschs durch die Gesellschaft wirkt Vernon wie ein moderner Simplicissimus. Obwohl er eigentlich noch selbst handelt, obwohl er von Helfer zu Helfer tingelt, verweigert er sich lange der EInsicht, dass es von allein nicht aufwärts gehen kann. Diese Passivität durchbricht er maximal mit der Nutzung von Social Media und auch nur, solange er Möglichkeiten hat, bei Freunden, in der Bibliothek oder anderen Plätzen ins Internet zu gehen. Als ihm auch diese Möglichkeit genommen wird, ist er komplett aus der Gesellschaft ausgeschlossen.

Dabei sitzt Vernon gleichzeitig eigentlich auf einem Schatz, ohne das ihm das bewusst ist. Aus seiner früheren Clique hatte es einer seiner Freunde geschafft und konnte Superstar werden: Alex Bleach. (Die Namensanleihe an Nirvanas erstes lahmes Album ist bei Albumfachfrau Despentes sicher kein Zufall.) Obwohl Vernon kaum rechten Kontakt zu ihm hatte, finanzierte Bleach die letzten Jahre sporadisch Vernons Leben – bis er schließlich starb. Zuletzt hatte er Vernon ein paar Bänder hinterlassen, auf denen der Künstler sich selbst interviewt hatte. Vernon besitzt die Bänder, hat sie aber bei einer seiner Stationen als Pfand zurückgelassen. Als über einen seiner Freunde bekannt wird, dass solche Bänder existieren, beginnt im großen Business eine Jagd darauf – ohne dass der Inhaber auch nur einen blassen Schimmer davon hat.

Aus dieser eingedampft vielleicht platt klingenden Geschichte zaubert Despentes nun ein absolut kenntnisreiches Wissen über die Generation, die in den späten 80ern und 90ern aufgewachsen ist und in den letzten Jahrzehnten mit ihren Träumen auf die Nase fiel. Sie zeigt uns ein Paris zwischen Elend, Faschisten, Ausländern und (Pseudo-)Eliten, nach deren Meinung die Elenden ausschließlich selbst schuld am Scheitern tragen. Die Sprache, derer Despentes sich bedient, zieht enorm. Sie ist schnell, farbenreich, wo nötig, auch vulgär, insgesamt stark und durchweg ziehend. Ihr reichen nur wenige Striche bei einer Personenbeschreibung und man versteht sofort, welcher Typ Mensch da vor einem steht, ohne dass sie dabei in Klischees oder pauschalen Kategorisierungen versinkt.

Bisher ist in Deutschland leider nur der erste Band erhältlich, aber wenn Anfang des Jahres Band 2 erscheint, gehöre ich definitiv zu den Menschen, die ihn lesen wird.

* Ja, ich weiß, dass schon früher Bücher von ihr erschienen sind, auch auf Deutsch.

Frank Schulz, Onno Viets und der weiße Hirsch

Schulz, vermutlich einer der, wenn nicht sogar der wortgewaltigste aktuell lebende und schreibende deutschsprachige Schriftsteller hat mit dem weißen Hirschen den dritten Band seiner Viets-Reihe vorgelegt. (Anmerkung: Korrekt, Teil 2 habe ich noch nicht gelesen.)

Neben einer kleinen Kriminalgeschichte, deren Auflösung ich im Abgang ehrlich gesagt etwas platt fand, stellt er hier ein Gemälde niedersächsischen Dorftreibens dar, das sowohl in Nah- als auch in Fernsicht überzeugend bestehen kann.

Er präsentiert Jagdwesen vorurteilslos, greift zurück auf Themen wie Vertreibung, Umsiedlung, dem Finden einer neuen Heimat, Linksterrorismus, Traumata von Kriegskindern und posttraumatischen Belastungsstörungen aus der Jetztzeit. Alles ist geflochten in eine penibel & amüsiert aufgezeichnete Sprache mit viel Sinn für Witz in Satz und Wort.

Ich mag sowas. Ehrlich.

Robert Louis Stevenson, Der Strandräuber

Stevenson, Spross des bekannten schottischen Leuchtturmbauers, ist vor allem für Schatzinsel sowie Jekyll und Hyde bekannt. Dass er auch darüber hinaus andere gut erzählte Stile beherrschte, war mir bereits länger bekannt. Der Strandräuber, eine Verschmelzung aus Kriminal- und Künstlerroman, war mir dagegen bis vor kurzem unbekannt.

Nach der sehr befriedigenden Lektüre, während der ich Seiten & Kapitel wie schon lange nicht mehr verschlungen habe, bin ich mehr als froh, diese Lücke nun geschlossen zu haben.

Stevenson serviert ein detailliertes Panoptikum amerikanischer, schottischer und Pariser Schilderungen, die er gekonnt mit einer komplexen Mischung aus Südseeerlebnissen würzt.

Alles ist so lebendig, so farbenfroh geschildert, dass man den Hunger der Kunststudenten nahezu genauso spürt wie man den Salzgeruch der Meere schmeckt oder Möwen wie Eisenbahnen kreischen sowie Taue und Masten knarzen und ächzen hört. Zudem präsentiert er einen Krimi, der im Ergebnis kaum vorhersehbar ist und trotzdem auf einen Deus ex machina verzichtet.

So gelungen ich andere Werke Stevensons finde, so sehr sticht dieses Werkt noch einmal heraus, bei dem an auch den enormen Spaß mitlesen kann, den Stevenson bei der Abfassung gehabt haben muss.

Wirklich uneingeschränkte Leseempfehlung für sämtliche Fans von Abenteuer- und Kriminalromanen!

Michail Ossorgin, Eine Straße in Moskau

Ein hübscher Band aus der Anderen Bibliothek, ein Schmuck im Regal und ein Schmuck an geschilderter Beobachtung. Ossorgin erzählt ausgehend von Bewohnern einer Moskauer Straße, wie es ihnen und einigen Verwandten und Freunden in einer Zeit ergeht, die Moskau und Russland vollständig umkrempeln sollte.

Begonnen am Vorabend des ersten Weltkriegs trudeln die Figuren durch Krieg und Revolution. Dabei bedient Ossorgin sich eines Tricks, indem er vor allem im ersten Teil alles im Ausschnitt und leicht distanziert betrachtet.

Sehr deutlich für diese Erzählweise ist das Kapitel, in dem er von den Schilderungen eines Ameisenhaufens in einem schwindelerregenden Schwenk auf die zaristische Armee im Aufmarsch wechselt.

Diese oft verdichtete Sicht durchs Brennglas hat den Vorteil, zahllose Facetten des damaligen Lebens detailliert wiedergeben und doch ein Panorama schaffen zu können. Es hat aber zugleich den Nachteil, dass er praktisch zu keiner Figur eine echte Nähe herzustellen vermag. Alles bleibt Distanz, trotz der genauen und meistenteils sympathischen, fast nie aber lächerlich machenden Schilderungen.

Der zweite Teil des Romans beschäftigt sich mit der Zeit der Wirren direkt nach der Revolution. Mangelwirtschaft, Diebstahl, Hunger, erste Terrorwellen kennzeichnen diese Zeit. Sie liegt, und das drückt auch das Lesevergnügen nachhaltig, wie Blei auf den Seiten, denn jede Figur erleidet eigentlich nur noch Widrigkeiten, selbst die, denen es im System „eigentlich“ gut gehen sollte, führen genau genommen ein furchtbares Leben.

Im Ganzen auf jeden Fall ein empfehlenswertes Buch, wenn auch eher für einen kleinen literarisch interessierten Kreis.

Übrigens erinnerte Ossorgins mich vielfach an die Darstellung in Georges Perecs „Das Leben. Gebrauchsanweisung“, wobei Perec wesentlich mehr Sympathien zu den Figuren erzielen kann.

Karl-Ove Knausgård, Träumen

Es ist nun drei Jahre her, dass ich zum ersten Mal einen Knausgård gelesen und » hier besprochen habe. Obwohl ich damals mit gemischten Gefühlen aus der Lektüre gegangen bin, blieb ich weiter interessiert an seinem Experiment der ungeschönten Selbstdarstellung. Ich muss allerdings zugeben, dass ich den Band Träumen geschenkt bekommen habe und dass ich mir angesichts des Themas nicht sicher bin, ob ich ihn mir selbst gekauft hätte.

Im Band Träumen geht es um Knausgårds Zeit in Bergen, als er Schriftsteller wurde. Begonnen mit dem Einstieg in die Schreibakademie, gefolgt von etwas ungezieltem Herumstudieren bis zum Kennenlernen von – angeblich* – talentierteren befreundeten Autoren, die ihm später auf die eine oder andere Weise beim literarischen Durchbruch helfen. Der Band endet mit der verkürzten Darstellung der Beerdigung seines Vaters, nachdem er eine vierjährige Schreibblockade im Anschluss an sein Debüt überwunden hatte.

Knausgård schildert wieder sehr schonungslos, was er in der Zeit gemacht hat. Gesoffen. Freundinnen betrogen. Im Suff fast seinen Bruder geblendet. Er nennt sich selbst wiederholt einen schlechten Menschen und präsentiert sich tatsächlich als jemand, den man in seinen Handlungen gemeinhin Arschloch nennen würde. Gleichzeitig kommen seine Freundinnen, Freunde und Verwandte weitgehend gut weg. Als Leser fragt man sich unwillkürlich, wie diese Menschen es über Jahre freiwillig mit ihm ausgehalten haben. Ich glaube, die einzige Person, die neben ihm schlecht wegkommt, ist sein Vater. Und genau genommen kommen beide aus demselben Grund schlecht weg: Knausgård benimmt sich wie ein asoziales Schwein, wenn er betrunken ist. Und er trinkt oft und viel. Obwohl er mehrfach schildert, dass sein Umfeld ihm empfiehlt, mit dem Trinken aufzuhören, tut er es nicht. Sein Vater ging schließlich einen Schritt weiter, indem er sich – wie Knausgård es darstellt – praktisch totgesoffen hat.

Es gibt ja die Banalität, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile. Das gilt hier besonders. Denn einerseits liest sich das Buch wieder wie ein Strudel. Man mag nicht aufhören zu lesen. Andererseits ist gerade der erste Teil auffallend mau und umständlich geschrieben. Ich bin mir noch nicht ganz im Klaren darüber, ob er mit diesem Anfang unterstreichen möchte, wie schlecht er in der geschilderten Zeit als beginnender Autor noch geschrieben hat. Jedenfalls sind die Sätze gerade dort äußerst verschachtelt, wurstig oder oft schlicht hirnrissig konstruiert. Während er die Zeit im Schreibkurs schildert, verwendet er zudem auffallend viele Klischees – für die er während des Kurses ausdrücklich wiederholt gerügt wird (eine etwas plumpe Koinzidenz, die man deutlich eleganter hätte lösen können).

Etwas merkwürdig finde ich, dass er gleich auf den ersten Seiten erklärt, er habe alle Tagebücher und ähnliche Unterlagen aus der Zeit vernichtet. Trotzdem ist er in der Lage, ausführlichst bis ins letzte Detail auch die schlimmsten Suffnächte darzustellen. Inwieweit er an solchen Stellen wirklich die Tatsachen schildert,  sei einmal dahingestellt.

Richtig böse muss ich aber erneut wegen Übersetzung und Lektorat sein: Sämtliche Fehler und Hirnrissigkeiten, die ich schon in der Rezension von Sterben kritisierte, werden auch in diesem Band gemacht. Mit einem Unterschied: Die Ahnungslosigkeit, wie O oder Oh eingesetzt wird, ist beim Übertragungsteam offenbar so groß, dass sie es zwischendurch sogar richtig machen – vermutlich aus Versehen.

Sei es, wie es sei. Ich weiß jetzt schon, dass ich sicher noch mehr aus dieser Reihe lesen werde. Ich bezweifle aber, dass ich noch außerhalb dieser Reihe etwas von Knausgård lesen möchte. Denn so dolle schreibt er (in der deutschen Übersetzung) ehrlich gesagt dann doch nicht.

* Ehrlich gesagt kenne ich keinen einzigen davon und kann daher deren Talent nicht beurteilen.

Seite 1 von 34

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén