Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Bernd Rauschenbach

Susanne Fischer, Bernd Rauschenbach (Hrsg.), Der Schwindel-Rabe

Wie Stefan Schwarz zu Recht anmerkt, ist „Jemand Lästigen oder auch nur Unpassenden mit einer befriedigenden und plausiblen Lüge abspeisen zu können […] eine der wichtigsten Zivilisationstechniken überhaupt.“* Daher ist klar, dass das Thema des Raben Nr. 51 – Lügen und Schwindel –  schon an sich hochspannend ist. Es wird aber umso spannender, wenn man weiß, dass es hierin Arbeiten gibt von Egner, Barnes, Fanny Müller, Max Goldt, Frank Schulz, Gerhard Polt, Friedrich Forssman und vielen mehr. Diesen Raben muss man also lesen!

* Weiter heißt es: „Man muss länger arbeiten, alle Termine einhalten und sich dauernd mit doofen Bekannten treffen, wenn man nicht lügen kann. Ja, seriöse Lebensgestaltung ist nahezu unmöglich, wenn man nicht aus dem Stand heimische Wasserrohre gebrochen oder über Nacht Autobatterien entleert sein lassen kann.“

Stephan Opitz, Bernd Rauschenbach (Hrsg.), Der maritime Rabe

Ich kann es nicht beschwören, aber ich glaube, der Rabe Nr. 39 war in etwa der erste Rabe, den ich erwerben durfte. Er passt schon thematisch so offensichtlich in meine Bibliothek (vgl. den Bücherkoffer), dass er sich auch außerhalb meiner Raben-Abteilung problemlos in die Regale schmiegte. Wer erzählt hier von und über die Seefahrt? Viel Bekanntes und (mir ansonsten) weniger Bekanntes. Eugen Egner erklärt, wie die Seefahrt erfunden wurde, Rühmkorf grüßt Schiff ahoi! Reemtsma präsentiert einen Auszug aus seiner Übersetzung des Tacitus, die ich ganz ausdrücklich empfehlen möchte, weil ich sie besonders gut finde.

Wieder eine sehr angenehme Lektüre, oft erfrischend wie eine Seebrise.

Jan Philipp Reemtsma, Bernd Rauschenbach (Hrsg.), „Wu hi?“ Arno Schmidt in Görlitz Lauban Greiffenberg

Diese Sammlung war ein erster Versuch, biografisches Material über den frühen Arno Schmidt zu sammeln. Es sind etliche kleine, fast durchweg interessante Einzelheiten, die dabei helfen, sich ein Bild von den frühen Jahren dieses Mannes zu machen, dessen Leben höchstwahrscheinlich schon damals nicht anders als seltsam bezeichnet werden kann. Besonders schön finde ich die eponyme Geschichte: Der junge Schmidt fuhr erstmals mit der Bahn in Schlesien zur weiterführenden Schule und wurde von einem alten Schlesier gefragt: „Wu hi?“ Schmidt, damals des Schlesischen nicht mächtig, deutete die Frage („Wo geht’s hin?“) fehl, nämlich als Frage nach seinem Namen. Daher stand der gut erzogene Junge auf, verbeugte sich und stellte sich höflich vor.

Solange Bernd Rauschenbach seine Schmidt-Biografie noch nicht vollendet hat, müssen wir uns hinsichtlich der Frühzeit u.a. hiermit begnügen.

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