Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Buch

James Ellroy, Der Hilliker-Fluch

Ich persönlich kannte Ellroy hauptsächlich als Autor der Schwarzen Dahlie (nebenbei gehöre ich offenbar zu der winzigen Gruppe der Menschen, die die Verfilmung nicht für gänzlich gescheitert halten). Das Buch selbst hatte ich zwar nicht gelesen, kenne aber zumindest die Hörbuchfassung (Asche auf mein Haupt, aber beim Lenken eines Kraftfahrzeuges sind Hörbücher meist etwas praktischer als gedruckte Werke).

Als nun sein Hilliker-Fluch bei Zweitausendeins angepriesen wurde, war ich zumindest neugierig. Im Buch sollten wichtigste Punkte in Ellroys Leben geschildert sein, darunter der frühe Tod seiner Mutter und die daraus sich entwickelnden Folgen.

Nach der Lektüre muss ich sagen: hm. Richtig, der Tod der Mutter ist eine Art Ausgangspunkt. Auch schildert er unentwegt, was seiner Meinung nach alles damit zusammenhängt. Das ist aber praktisch nichts anderes als seine dauernde Suche nach „der“ Frau. Und hier wird es einerseits größtenteils erschreckend langatmig, andererseits zerfetzt sein Schreibstil aus abgehakten Sätzen vielfach einen lesefreundlichen Stil. Er bellt Sätze mehr heraus, als sie zu schreiben.

Uninteressant fand ich das Buch nun nicht, es gab auch den ein oder anderen klugen Gedanken, den ich mir für späteres Erinnern notiert habe. Aber eine Empfehlung möchte ich eher nicht aussprechen; es könnte mir übel ausgelegt werden.

Ror Wolf, Fortsetzung des Berichts

Ich frage den geneigten Leser, ob er schon einmal beobachtet hat, wie ein Hund, ein kleines glückliches Etwas, sich auf einem Teppich gewälzt hat, wie er sich in die Fasern gedrückt hat, Rücken, Flanken und noch mehr geschubbert.

In etwa so fühlte ich mich bei der Lektüre der Fortsetzung des Berichts. Ror Wolfs Debüt macht mich wünschen, in diesem Wortteppich zu versinken, mich an den Sätzen und Absätzen zu schubbern, Tage, Wochen, Jahre, ja mich selbst zu vergessen. Und hinüberzugehen in die Welt der Bücher, in der alles ein klares Ende hat.

Man merkt’s schon: Ich mag Wolfs Texte. Und abgesehen von seinem großartigen Humor musste ich bei diesem wegweisenden Debut feststellen, wie sehr jedes einzelne Wort, jedes einzelne Satzzeichen exakt abgewogen wurde. Es ist kein leichter Text. Es ist ein Text, der eigentlich danach schreit, dass man ihn mit viel Muße liest. Und genau das ist noch das einzige, was ich daran auszusetzen hatte: dass ich zurzeit nicht die Muße habe, die solche Bücher verdienen, um sie richtig genießen zu können.

Dringender Nachtrag (peinlich, peinlich): Das Buch war eine Schenkung zum Geburtstag und weil ich mich so gefreut habe, hab ich es auffallend schnell verschlungen. Deshalb ist mir etwas unterm Radar durchgeflogen, worauf ich heute nebenbei hingewiesen wurde. Die Schenkende – eine sehr liebe Freundin – hat es tatsächlich gedeichselt, dass Ror Wolf dem Buch, meinem Buch, seinem Buch, meinem Buch von ihm eine persönliche Widmung verpasst hat. Es ist keine irgend dahergelaufene Widmung, sondern etwas für mich Bestimmtes, das ich auf meinem Lebensweg mitnehmen werde. Danke, liebe Marlen, danke, lieber Ror Wolf! (Und jetzt geh ich in die Kammer, werde rot und hyperventiliere ein bisschen.)

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