Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Charles Dickens

William Somerset Maugham, Of Human Bondage

Es ist schon etwas her, dass mir hier im Blog dieses Buch empfohlen worden ist. Leider führten private Gründe dazu, dass ich für die Lektüre unverhältnismäßig lange brauchte. Teilweise fand ich kaum Zeit, in der Woche auch nur 20 Seiten zu lesen. Das war umso bedauerlicher, als es ein sehr gutes Buch ist. Ich möchte sogar behaupten, dass es zusammen mit 1Q84 das Beste ist, was ich in den letzten 12 Monaten gelesen habe. Ein Vergleich untereinander verbietet sich natürlich, weil Murakami heute auf ganz andere literarische Stilmittel zurückgreifen kann als Maugham vor 80 Jahren.

Genau genommen hat Maugham sogar in die Mottenkiste gegriffen, weil er einen schon für seine Zeit altertümlichen Entwicklungsroman hingelegt hat, nur dass der eben während des Aufbruchs der Moderne am Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Fin de Siècle spielt. In dem Roman hat Maugham zahlreiche autobiographische Züge implantiert, transponiert also Versatzstücke eigener Erfahrung (nicht abwertend gemeint!) in einen Dickens-Roman unserer europäischen Frühmoderne. Und das gelingt Maugham phänomenal!

Übrigens habe ich – teils aus Bequemlichkeit, teils aus Interesse – den Text im Original auf dem Tablet gelesen. Dazu möchte ich anmerken: Das Original hat sich dank genialem Stil gelohnt. Die Lektüre dicker Bücher auf dem Tablet hat sich dagegen für mich vorläufig erledigt. Ich will ein Buch in der Hand halten, erst recht wenn es mich so lange begleitet. Daher denke ich derzeit darüber nach, mir Of Human Bondage nach dem digitalen Kauf sogar noch einmal in Papierform zuzulegen.

Ein gutes Buch!

Charles Dickens, Oliver Twist

Okay, der Klassiker, den wohl noch die meisten von Dickens kennen, wenn sie sonst nix kennen. Eigentlich ist es auch ganz nett, weil es quasi ein Prototyp für viele Dickens-Texte ist. Die Figuren sind sehr typisch gestrickt, die treibende, verwickelte Handlung … wer übrigens zu faul zum Lesen ist, dem rate ich zur Polanski-Verfilmung. Die ist sehr nah am Buch, vor allem an der Gestaltung. Und bedient sich artig zeitgenössischer Kupferstiche.

Charles Dickens, Nikolas Nickleby

Von den Dickenstexten, die ich kenne, dürfte das der beste sein. Hier ist die Geschichte viel genauer von Anfang bis zum Schluss gedacht. Man hat nicht so sehr das Gefühl, dass man hier Sklave der Grillen der zeitgenössischen Dickens-Leser ist, die ihn mit ihren Leserbriefen dazu trieben, bestimmte Figuren auszubauen und manch guten Faden in der Geschichte fallen zu lassen.

Charles Dickens, Bleakhouse

Eine Geschichte, die mich trotz der wunderbaren Zeichnung der Figuren – dafür muss man Dickens einfach lieben! – irgendwann doch recht angeödet hat. Es war ein bisschen zu viel Hin und ein bisschen zu wenig Her, um Bleakhouse ein rundes Buch nennen zu können.

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén