Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Erzählung

Robert Louis Stevenson, Das Flaschenteufelchen

Eine sehr nette kleine Geschichte über ein Teufelchen in einer Flasche, die mitsamt Inhalt immer weitergegeben werden muss. Das Teufelchen ist wie in Tausendundeiner Nacht Wunscherfüller. Aber wer stirbt, ohne die Flasche vorher verkauft zu haben, muss in die Hölle. Die Geschichte hat zwei besonders interessante Gesichtspunkte: Stevenson schrieb sie nicht nur in der Südsee, wo er die letzten Jahre seines Lebens verbrachte, sondern schrieb sie sogar in der Sprache der Samoaner.

Zudem krame ich seit Tagen in meinem Gedächtnis herum, wo ich eine weitere Geschichte mit einem Flaschenteufelchen hatte. Diese andere Geschichte spielt meiner trüben Erinnerung zufolge im Norditalien des 17. oder 18. Jahrhunderts.

Edit: Ha! Gefunden! Es ist natürlich die Fouqué-Geschichte „Das Galgenmännlein“. Stilistisch nicht ganz so gut wie der Stevenson, gehört aber sicherlich zu den besseren Fouqué-Arbeiten.

Gerard Donovan, Winter in Maine

Ein Tipp eines Freundes. Und kaum erzähle ich einer Freundin davon, sagt die mir, dass sie das Buch zu Hause stehen hat. So war es schnell ausgeliehen und ähnlich schnell ausgelesen. Es handelt sich um die Geschichte eines Einsiedlers in Nordmaine, dessen Hund brutal erschossen wird. Der Einsiedler, der auf diese Weise das Letzte verliert, was ihm noch an Gemeinschaft geblieben ist, verliert nun jede Hemmungen und beginnt, sich an den Menschen zu rächen, die er schuldig sieht an diesem Verbrechen. (Mehr möchte ich nicht schreiben, weil ich anderenfalls zu viel verrate.)

Alles in allem schnelle, gute Unterhaltung, die sogar eine Reihe von nachdenkenswerten Sätzen enthält. Lediglich der Schluss stimmte mich etwas unzufrieden, wenngleich ich einräume, dass Donovan einen Punkt erreicht, an dem es schwierig wird, noch sinnvoll weiterzuschreiben.

Heinrich von Kleist, Sämtliche Werke

Wer kennt sie nicht – das Käthchen von Heilbronn, den zerbrochenen Krug, den Michael Kohlhaas, all die Erzählungen und Anekdoten, die Kleist für die Berliner Abendblätter verfasst hat? Kleist lesen macht irgendwie immer Spaß. Die Bildung seiner Sätze, sag ich, schätze ich sehr. Viel, ach, viel zu oft ertappe ich mich dabei, sie in meine Schreiben einfließen zu lassen. Warum, weswegen und wieso? Weil er gut war, der Mann. Kleist lesen bleibt das Gebot der Stunde.

Ganz nebenbei: Im November ist der gute Mann zweihundert Jahre tot. Guter Grund, ihn wiederzuentdecken!

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