Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Friedrich de la Motte-Fouqué

Adelbert von Chamisso, E.T.A. Hoffmann, Karl Wilhelm Salice-Comtessa, Friedrich de la Motte Fouqué, Der Roman des Freiherrn von Vieren

In der Romantik ist ja einiges experimentiert worden. Manches zum Glück, auf anderes hätte man auch verzichten können. Ein schönes Beispiel fürs Glück ist der zerbrochene Krug, den Kleist im Wettstreit mit Wem-noch-gleich? aus einem Kupferstich entwickelt hat. Sprich, jeder nahm sich das Bild und erfand um die Szene eine Geschichte.

Einen anderen Ansatz wählten die Serapionsbrüder Chamisso, Hoffmann, Salice-Comtessa und de la Motte Fouqué. Sie schrieben einfach einen kurzen Roman in Arbeitsteilung. Der eine begann, der andere setzte fort und so weiter. Die Idee fand ich enorm amüsant, die Autoren gut bis spannend. Aber leider, leider muss ich sagen, ist dieses Experiment gescheitert. Die Geschichte, die die vier hier zusammengebraut haben, hinkt auf allen Beinen. Besser wird es erst, als Salice-Comtessa und Hoffmann Teile und Szenen des Experiments nehmen und daraus eigene Geschichten entwickeln (Das Bild der Mutter bzw. Die Doppeltgänger). Allerdings muss man sagen, dass auch diese Geschichten nicht auf dem höchsten Niveau sind. Schade.

Arno Schmidt, Fouque und einige seiner Zeitgenossen, Sitara und der Weg dorthin, Essays und Aufsätze. Bargfelder Ausgabe III.1–4

Die dritte Kassette der Bargfelder Ausgabe enthält neben den beiden Monografien über Karl May und Friedrich de la Motte Fouqué die zahlreichen Essays, die Schmidt für Zeitungen verfasst hat. Letztere sind oft recht kurz gehalten, sprühen aber oft vor Witz, Ideen, aber auch vor Zorn darüber, wie miserabel seine Situation als Schriftsteller ist und was man politisch ändern müsste, um es Schriftstellern allgemein leichter zu machen.
Daher dürften die Essays so ziemlich das Persönlichste sein, was man von Schmidt in die Finger bekommen kann.

Die Arbeiten über May und Fouqué dagegen betrachte ich gemischt. Der Text über May, in dem Schmidt bis zum Erbrechen die These vertritt, die Bücher Mays seien an Sammelsurium an Schwulitäten, ist in der Herangehensweise nicht uninteressant, im Ergebnis aber bald sehr lähmend, weil man schnell merkt, wie sich da jemand in seine Theorie verrannt hat, es aber nicht zugeben mag.

Und Fouqué? Je nun. Von allen Schmidt-Empfehlungen halte ich den von ihm ach-so-hochgeschätzten Fouqué für den am meisten überschätzten Autor. Im Gegenteil habe ich den Eindruck, dass alles, was Fouqué anderes in seinem Leben gemacht hat, wesentlich wertvoller für die Nachwelt war als seine Texte. Und dafür ist Schmidts Annäherung an eine Biografie natürlich durchaus von gewissem Interesse. Aber mehr auch nicht.

E.T.A. Hoffmann, Meistererzählungen

Ein Bändchen mit Ansammlung von Hoffmann-Erzählungen: Ritter Gluck, Don Juan, Rat Krespel, Der goldne Topf, Das Fräulein von Scuderi, Doge und Dogaresse, Klein-Zaches. Was mich bei Hoffmann immer wundert: Ich mag es, ihn zu lesen, nachhaltigen Eindruck hinterlassen seine Texte bei mir aber selten. Übrigens ähnlich wie bei anderen Romantikern, ich denke da an Fouqué oder Tieck. Ob es daran liegt, dass sie oft zu viele Elemente enthalten, die eigentlich nicht sehr zusammenpassen, daher unorganisch als Geschichte abspeicherbar sind? Ich weiß es nicht. Immerhin eignen sie sich so wenigstens zum Immer-wieder-Lesen.

Friedrich de la Motte-Fouqué, Rittergeschichten und Gespenstersagen

Okay, natürlich hab ich Fouqué wegen Arno gesucht, gefunden und gelesen. Und da ich den ein oder anderen Romantiker durchaus zu schätzen weiß (später mehr zu Hoffmann), freute ich mich zunächst auf die Lektüre von Texten des preußischen Militärs Fouqué. Im Buch enthalten sind die Undine (selbstverständlich), Sintram, das Galgenmännlein, der unbekannte Kranke, der Siegeskranz, Adler und Löwe sowie Rosaura und ihre Verwandten.
Abgesehen von wenigen interessanten Aspekten in der Undine haben mich lediglich Sintram und das Galgenmännlein etwas amüsiert. Dabei ist das Galgenmännlein besonders interessant, weil es Gemeinsamkeiten mit Stevensons Flaschenteufel hat (auch dazu irgendwann mehr). Insgesamt glaube ich aber, dass Schmidt Fouqué als Schriftsteller weit überschätzt hat. Leider.

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