Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Fritz Lang

Michael Töteberg, Fritz Lang (Rowohlt-Biographie)

Die wirklich großen deutschen Filmregisseure kann man praktisch an einer Hand abzählen: Wen haben wir denn da? Lang, Murnau, Herzog, meinetwegen noch Schlöndorf und Fassbinder; dann wird es aber auch schon eng – und nein, Petersen oder Emmerich hab ich nicht vergessen. Die zwei sind weder große Regisseure noch würde ich sie wirklich als deutsch bezeichnen. Aber gut, das ist ein anderes Thema.

Oft habe ich vor allem Murnau und Lang als vergleichbare Regisseure betrachtet. In einer ähnlichen Zeit in ihrem Metier groß geworden, haben beide den Film an sich revolutioniert und das geschaffen, was man heute wohl Erzählkino nennen würde.

Dennoch gibt es einen Punkt, in dem sich beide deutlich unterscheiden: Murnau starb früh, zu früh für den Film, aber auch zu früh, um den Nazisumpf erleben zu müssen (ich erspare Spekulationen darüber, was ihm als homosexuellem Regisseur mit expressionistischen Ansätzen im Dritten Reich geblüht hätte). Lang dagegen spielte mit Elementen (der größenwahnsinnige Mabuse mit seiner verbrecherischen Organisation; Metropolis, die Nibelungen, M), die die Nazis entweder vorwegnahmen oder ihnen sinnbildstiftend in die Hände spielten. Das wurde u.a. begünstig durch seine Frau Thea von Harbou, die sowohl für Lang als auch für Murnau Drehbücher verfasste.

Doch auch bei Lang gab es einen großen Bruch – die Emigration in die USA, nachdem den Nazis hierzulande die Macht überlassen worden war.* Obwohl Lang sowohl in den USA als auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland in den 50ern weiterhin Filme drehte, blieben sie meines Erachtens doch weit hinter seinen früheren Glanzleistungen zurück. Leider!

Trotz allem möchte ich diese kleine Biographie aus dem Hause Rowohlt nicht missen. Sie bringt dem Filmfan den Menschen Lang ein kleines Bisschen näher.

* Und ja, ich schreibe bewusst nicht Machtergreifung oder ähnlichen Unsinn, der lediglich beschönigen soll, dass gewisse bürgerliche Kreise den Nazis die Macht sehr bewusst zur Verfügung gestellt haben.

Elisabeth Lenk, Katharina Kaever, Peter Kürten, genannt der Vampir von Düsseldorf

Serienmörder, ihr meist unauffälliges Verhalten innerhalb der Gesellschaft, das Entsetzen und die Hatz unterliegen meist sehr ähnlichen Abläufen. Der Fall des „Vampirs von Düsseldorf“, der fünf Erwachsene und vier Kinder umgebracht und zum Ende der Weimarer Republik geschnappt wurde, scheint für uns deutsche dennoch ein besonders typischer Fall zu sein. Die beiden Autorinnen haben für den Band aus der Reihe der anderen Bibliothek zahlreiche Unterlagen gewälzt und gut lesbar aufbereitet. Sie lassen ein Bild der Gesellschaft im Rheinland der späten 20er Jahre entstehen, das gut nachvollziehbar ist.
Übrigens hat es bereits früher, quasi zeitgleich eine kulturelle Auseinandersetzung mit diesem Fall gegeben: in dem Film „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ von Fritz Lang.

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