Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Gerd Haffmans

Heiko Arntz, Gerd Haffmans (Hrsg.), Der phantastische Rabe. Mit großem Philip.-K.-Dick-Sonderteil

Nach dem ich mich zuletzt eher über Raben beklagt habe, kann ich nun mit einem meiner Lieblingsraben aufwarten: Die Nr. 59 ist quasi Philip K. Dick gewidmet und enthält daher u.a. Ausschnitte aus seinen Werken. Dazu gesellen sich verschiedenste Arbeiten von Egner, Bruno Schulz, Holbein, Conan Doyle und anderen. Zwei besondere Highlights sind und bleiben aber der grandiose Essay „Wie man eine Welt erbaut, die nicht nach zwei Tagen wieder auseinanderfällt“ von Dick himself sowie der aufschlussreiche Strip „Die religiöse Erleuchtung des Philip K. Dick“ von Robert Crumb, in der er wundervoll die Visionen schildert, die Dick nach Einnahme von Natriumpentothal im Rahmen einer Zahnarztbehandlung hatte (und die er u.a. im genannten Essay schildert). Diese Visionen waren prägend für seine letzten Jahre und mündeten bekanntlich in die verstörende VALIS-Trilogie und Dicks Paranoia.*

Kurz: Ich liebe diesen Raben. Ich liebe ganz besonders Dicks Essay und bedaure es ja u.a. deswegen, dass der Essayband, den der Heyne-Verlag vor Jahren ankündigte, weiterhin auf Eis liegt. Zum Abschluss möchte ich meinen Lieblingssatz von Dick zitieren, der Satz, der der Schlüssel zu seinem Werk ist und mit dem er einst die Frage einer Studentin beantwortet hatte, die ihn für eine Philosophiearbeit um eine möglichst kurze Definition der Wirklichkeit bat:

Wirklichkeit ist das, was übrig bleibt, wenn man aufhört, daran zu glauben.

* Die von Dick prophezeiten polizeistaatähnlichen Zustände in den USA werden in den vergangenen Jahren übrigens erschreckend real.

Heiko Arntz, Gerd Haffmans (Hrsg.), Der Robert-Gernhardt-Rabe

Beim Raben Nr. 50 handelt es sich eindeutig um ein Fanprojekt. Wen die Frage nicht juckt, warum Gernhardt Falksocken trug, und wer auch sonst eher wenig Interesse an Gernhardt hat, den wird dieser Rabe nicht interessieren. Ich persönlich stehe da etwas in der Mitte. Ich kann durchaus über Gernhardt lachen, renne seinen Ideen und Gags aber nicht hinterher. Insofern ließ mich dieser Rabe – zum 60. Geburtstag des Gefeierten, also eine Art Festschrift – hin und wieder schmunzeln. Für überzeugendes Amüsement müsste ich Gernhardt aber wohl höher schätzen.

Barbara Gafner, Gerd Haffmans (Hrsg.), Der 13-Jahre-Rabe

Der Rabe galt lange Zeit als Unglücksvogel (im germanischen Kulturkreis spätestens seit der Christianisierung), ähnlich ergeht es – meines Erachtens unberechtigerweise – der Zahl 13. Was könnte da Besseres passieren, als dass der Rabe mit seiner Ausgabe Nr. 42 das 13-jährige Bestehen feiert? Eben. Also wurden Texte gesammelt und zusammengestellt, Autoren und Zeichner wie Bernstein, Henscheid, Gernhardt und Rühmkorf, Egner, Haefs und Schulz zur Kollekte gebeten. Heraus kam eine Reihe spaßiger und nachdenkenswerter geistige Ergüsse, die die einzelnen Jahre von 1981 bis 1993 erklären und schildern mögen. Der Ansatz, dass jeder ein betreffendes Jahr aus seiner Warte beschreibt, behagt mir ganz besonders, weil er in dieser Zusammenstellung eine ungewöhnliche Perspektive erzeugt. Lohnt sich!

 

Gerd Haffmans (Hrsg.), Der Tier-Rabe

Es gibt eher wenig Tiere, die lesen können, aber zum Glück kann man Tierspuren lesen. Oder den Tier-Raben (Nr. 38). Dieser moderne Brehm ist gespickt mit Bierce, Schopenhauer, Gernhardt und Egner. Wir werden von Monty Python fortgebildet, von Elsemarie Maletzke, Wiglaf Droste und Frank Schulz. Alles in allem unterstreicht es meine Theorie, dass, wenn es keine Tiere gäbe, sie erfunden werden müssten, da sie zu einem nicht unbeträchtlichen Teil unserer Unterhaltung dienen. (Deshalb sollte man sie eigentlich auch nicht essen, oder zumindest nicht so viele von ihnen. Schließlich ist auch ein Radio oder Fernseher eher wenig bekömmlich.)

Gerd Haffmans (Hrsg.), Der farbige Exoten-Rabe

Als der Haffmans-Verlag noch selbstständig lebte, und nicht als Ziehkind von Zweitausendeins, da brachte er mehrfach im Jahr eine kleine, aber feine Literaturzeitschrift in Taschenbuchformat heraus. Jede Ausgabe war monothematisch, der oder die Herausgeber wechselten dem Thema entsprechend. Gefüllt war jede einzelne Ausgabe mit Texten aus der klassischen Literatur, aber auch Neues fand sich immer wieder darunter, dazu überraschende, witzige und amüsante Zeichnungen, Bilder, Fotos oder Collagen. Während des Studiums brachte ich über verschiedenste Quellen die ein oder andere Ausgabe des Raben zusammen, die mir auch in der Zweitlektüre regelmäßig gute Unterhaltung bescheren. Einen Raben hatte ich hier bereits vor geraumer Zeit in aller Kürze vorgestellt, weitere werden folgen.

Zunächst der farbige Exoten-Rabe. Unter dem Titel mag man sich als Unbeteiligter wohl kaum etwas vorstellen. Mit der Titelseite wird es klarer. Es geht um Schwarze, Rassen, Sklaven und allem, was dazugehört. Es ist ein wahres Panoptikum an Splittern und Arbeiten von Kant, Kästner, Kipling und vielen weiteren. Hier kann man wahrhaft zahlreiche Facetten zum Thema in einem Band versammelt sehen. Mal erheiternt, mal bitter, aber immer auch auf eine Weise unterhaltsam.

Und die Lesetipps und -warnungen (Der Rabe rät und Der Rabe rät ab) sind in dieser Ausgabe mal wieder besonders schön. So u.a. Rafik Schami über „Nicht ohne meine Tochter“ mit der herrlichen Dreiwortrezension: „Aber ohne mich.“

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