Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Island

Halldór Laxness, Der große Weber von Kaschmir

Ein Roman wie ein Donnerschlag, mit dem Laxness sich früh in den Olymp der großen Literatur schreiben konnte. Es ist gewiss spannend zu entdecken, aber bleibt doch hinter seinen anderen Texten zurück. Es ist zwar gut, aber eben dann doch „lediglich“ ein Frühwerk.

Halldór Laxness, Atomstation

Eins der Hauptwerke von Laxness. Es behandelt die Stellung Islands im Kalten Krieg. Aufgrund der geostrategischen Lage war es sehr interessant für beide Blöcke. Da die Isländer sich aber bereits während des Zweiten Weltkriegs die USA zur Schutzmacht auserkoren haben, war die Wahl natürlich auch später nicht schwer. Übrigens etwas, was man auch heute noch sehr gut erkennen kann, weil der isländische Way of Life auffallend arg nach Westen ausgerichtet ist.

Der Roman ist fraglos gut, wenn ich ihn auch nicht so gelungen finde wie die Islandglocke.

Halldór Laxness, Die Islandglocke

Der Klassiker von Laxness. Wer sich für Island interessiert, sollte diesen Roman unbedingt lesen. Es geht um die Selbstfindung einer Nation, die fast ein Jahrtausend lang besetzt war – erst von Norwegen, später von Dänemark. Die Selbstfindung setzt da an, wo man sie bei Isländern auch vermutet: in ihrer eigenen Literatur. Deshalb handelt der Text auch in der Art eines historischen Romans von der Wiederentdeckung und Sammlung der alten Saga-Texte im 18. Jahrhundert, er handelt davon, wie Europa damals aus der Sicht Islands wirkte. Es ist ein wunderbarer Text, den ich jedem ans Herz lege, der mal bei diesem berechtigten Nobelpreisträger reinschnuppern möchte.

Laxdoela Saga (Die Saga von den Leuten aus dem Laxardal)

Die Neuübersetzung einer der schönsten Sagas, wenn nicht der schönsten Saga. In der Laxdoela geht es um die Erzthemen menschlicher Erzählung: Liebe, Enttäuschung, Rache, Mord, Totschlag. Es geht – nicht nur, aber mit Schwergewicht – um die Dreieckskonstellation Guðrún, dem schönen Kjartan und seinem Ziehbruder Bolli. Guðrún wird durchgehend als sehr treibende Kraft geschildert, sie nutzt die Möglichkeiten ihrer Zeit – und das sind nicht wenige im Vergleich zu mittelalterlichen Frauen auf dem europäischen Kontinent. Die Laxdoela ist summa summarum eine Saga, die auch dem Nichtskandinavisten durch und durch zu empfehlen ist.

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