Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: James Fenimore Cooper

James Fenimore Cooper, Der letzte Mohikaner

Als Kind hatte ich den einen oder anderen Klassiker gelesen, in der Regel dürften es „Jugendversionen“ gewesen sein, jedenfalls war mein Robinson Crusoe damals deutlich kürzer als die Fassung, die ich Jahre später gelesen habe.

Cooper hat mich als Kind seltsamerweise nie recht gefesselt. Ich bin mir nicht sicher, ob mir die Schilderungen einfach zu kompliziert waren im Vergleich zur Winnetou-Welt (die ich zugegebenerweise eher aus Fernsehen und Filmfestspielen kannte, weil ich Mays Bücher auch furchtbar fand – wenn auch anders als Cooper).

Im Nachhinein muss ich mich aber fast fragen, ob das bei Cooper nicht vielleicht ein Glück war. Denn dadurch, dass ich ihn erst spät zu lesen angefangen habe, konnte ich ihn ganz anders und wie ich glaube: tiefgreifender genießen, als es mir als Kind/Jugendlicher hätte möglich sein können.

Zurück zum Titel: Der letzte Mohikaner ist ein enorm kurzweiliges Stück, in dem eigentlich nur wenige Szenen eine eigentlich überschaubare Handlung unglaublich spannend schildern.

Und ja: Ich bin dank Ticonderoga mal wieder auf die Fährte gestoßen worden, die ich allerdings schon vor Jahren anhand der Schmidt’schen Übersetzungen aufzunehmen begonnen hatte.

Cooper ist auch in diesem Fall eine Lektüre wert!

James Fenimore Cooper, Die Roten

Mitte des 19. Jahrhunderts zog neues Ungemach über die USA. Sogenannte Antirentner, die es ganz und gar nicht einsahen, den Leuten, die auf dem Papier Besitzer halber Staaten waren, die Pacht zu erstatten. Es wird in diesem Band daher ein hochgradig heißes Eisen angepackt, denn letztlich ist es ja aus heutiger Sicht eine Art sozialistische Enteignungsbewegung. Und das in einer Zeit, in der ein gewisser Trierer in Europa das kommunistische Manifest entwickelte.

Dass die Antirentner als Rote bezeichnet wurden, entbehrt aus heutiger Sicht nicht einer gewissen Komik. Damals bezog sich das allerdings darauf, dass die Antirentner sich als Rothäute verkleideten, um die Pachtherren zu triezen.

Cooper, der stets etwas Edles in den amerikanischen Ureinwohnern sah, rettet deren Ehre, indem er sie auf Seiten des Urenkels des Satanstoe-Heldens für die gute Sache, also den Besitz, kämpfen lässt.

Mir erschien dieser Band bei der Lektüre als der stärkste aus der Trilogie. Das mag daran liegen, dass er mir historisch-inhaltlich am nächsten liegt. Es mag auch daran liegen, dass ich nach zwei Bänden gut genug auf Cooper geeicht war, um den Inhalt zu genießen. Auf jeden Fall bekräftigte die Lektüre in meinen Augen einen Wunsch, der immer wieder durch die Gemeinde der Arno-Schmidt-Leser geistert: dass auch die Übersetzungen Teil der Werkausgabe werden sollten.

James Fenimore Cooper, Tausendschön

In der Fortsetzung von Satanstoe zieht diesmal der Sohn der Hauptfigur aus Band 1 in die Wälder. Auch diesmal geht es um Land, allerdings richtet sich das Augenmerk nun auf die sogenannte Squatterbewegung. Dabei handelte es sich um Siedler, die sich ohne Rücksicht auf andere „Besitzer“ Land in Beschlag nahmen, Hölzer fällten und zu eigenem Nutzen verkauften. Natürlich darf auch eine Liebeständelei nicht fehlen.

Dieser ebenfalls von Arno Schmidt übertragene Band war lustigerweise mein Einstieg in die Trilogie, weil ich ihn zuerst in einer Buchhandlung erstanden habe. Bei der Lektüre fand ich ihn damals eher langweilig, musste aber feststellen, dass er eben an Qualität gewinnt, wenn man auch die Vorgeschichte Satanstoe und die Fortsetzung kennt.

James Fenimore Cooper, Satanstoe

Die sogenannte Littlepage-Trilogie, von Arno Schmidt übersetzt, erscheint mir ein besonderes Kleinod. Anders als der „Letzte Mohikaner“ oder die Beweinte von Wish-ton-Wish hat Cooper in dieser Trilogie auf Entwicklung und Vergleich gesetzt. In allen drei Bänden (Satanstoe, Tausendschön und Die Roten) geht es um Landnahme und Landhaltung im Kampf gegen alle möglichen Feinde. Cooper stellt sehr realistisch dar, was sich in den Jahrzehnten vor und nach der Gründung der USA abspielte. Er zeigt, wie die Menschen zu Land gekommen sind und entlarvt unabsichtlich* immer wieder, wie die Landnehmer an ihren Reichtümern klebten, selbst wenn diese unerschlossen und ungenutzt waren. Sie sind praktisch ein Beleg für eine nicht zu unterschätzende Geisteshaltung des US-Amerikaners, und zwar bereits in der Frühzeit des Staates.

Dabei schätze ich an den Büchern vor allem, was wohl auch Schmidt so sehr schätzte, eben die auffallend realistische Darstellung über die Generationen hinweg. Ich glaube, ich habe selten Bücher gelesen, die dermaßen geeignet dazu sind, diese Zeit auf dem amerikanischen Kontinent darzustellen.

Im ersten Band geht es um den noch jungen Corny Littlepage, der mit dem Indianer Susquesus und dem Chainbearer (entspräche heute einem Vermessungstechniker) loszieht, um Land in Besitz zu nehmen, über das seine Familie ein Patent besitzt. Es stellen sich allerlei Widrigkeiten, die aber natürlich überwunden werden – wie sich das für einen Text dieser Zeit gehört.

* Aus aktuellem Anlass eine kleine Erläuterung zu dem Wörtchen „unabsichtlich“: Ich halte an diesem Wörtchen weiterhin fest, denn es geht mir im Speziellen darum, dass Cooper hier seine eigene politische Haltung oft unangenehm in den Vordergrund schiebt und sich in meinen Augen damit weniger sympathisch darstellt, als er selbst geglaubt haben dürfte. Für jemanden wie ihn war es selbstverständlich, wenn eine Familie in den jungen USA Ländereien besaßen, die größer waren als manch Staat in Europa. Ich habe da eine andere Auffassung von Landnahme und erst recht von Landbesitz, insbesondere wenn man bedenkt, was die Ureinwohner bekanntlich von diesem sehr europäischen Konzept des „Landbesitzes“ gehalten haben.
Trotzdem vielen Dank für den freundlichen Verweis, er bestärkt mich darin, dass das Konzept dieses Blogs verstanden wird. 🙂

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