Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: James Joyce

Livia Veneziani Svevo, Das Leben meines Mannes Italo Svevo. Mit Briefen und Dokumenten von Paul Heyse bis James Joyce

Svevo, das habe ich bislang etwas unterschlagen, um auch er noch etwas schreiben zu können, war sehr gut mit James Joyce bekannt. Der Unternehmer Svevo war Sprachschüler des irischen Schriftstellers und Sängers und unterstützte Joyce’ Arbeiten. Umgekehrt machte Joyce Svevo Mut, weiter zu schreiben, nachdem dessen erstes Buch Una Vita (Ein Leben) nicht besonders gut aufgenommen worden war. Vermutlich verdanken wir so gesehen Joyce den Zeno Cosini – allein dafür muss man den Iren wertschätzen, ganz egal wie man zu seinem Werk steht!
In diesem schmalen Bändchen sind allerlei Quellen zu und aus dem Leben des Triestiners versammelt, die Einblicke in eine Persönlichkeit geben, die man nicht anders als sympathisch beschreiben kann. Es bleibt eine Tragödie, dass Svevo zu früh gestorben ist. Er hätte uns noch viel zu sagen gehabt, davon bin ich überzeugt.

Herman Melville, Moby-Dick oder Der Wal

Es gibt wohl nur wenige Bücher, die so aussehen und sind wie ihr Thema. Moby-Dick gehört definitiv dazu. Was uns Deutschen Goethe mit seinem ewig besserwisserischen Salbadern scheint dem US-Amerikaner Melvilles Meisterwerk. Ich erinnre nur an den Grundgag in Woody Allens Zelig, der zum menschlichen Chamäleon wurde, weil er in der Schule nicht zugeben wollte, Moby-Dick nicht gelesen zu haben.
Nicht immer, aber in diesem Fall macht dieses Merkmal den Text so spannend. Er ist wie ein 8000er, den man einfach mal erklimmen muss. Klar, die Geschichte kannte ich längst in einer Kinderversion, auch die tolle John-Huston-Verfilmung mit Gregory Peck als Captain Ahab (Peck spielte nebenbei in der tollen TV-Verfilmung von 98 ebenfalls mit, diesmal allerdings als Prediger).
Lange ist’s her, da hatte ich es auf englisch probiert und bin kläglich im Basislager meiner Penguin-Ausgabe gescheitert. Jahre später hörte ich dann davon, dass sich Friedhelm Rathjen, seines Zeichens ein Satellit im Universum Schmidt-Joyce-Wollschläger, einer Neuübersetzung verschrieben hatte, weil ihm die bisherigen deutschen Übersetzungen zu verstümmelt und/oder zu frei übersetzt waren.
Irgendwann im Verlauf der Arbeit gab es ein Probekapitel in einer Zeitung zu lesen (war es die Frankfurter Rundschau? Ich glaube, sie war es), das mir durchaus gefallen hat. Zu der Zeit war ich im Rahmen eines Saga-Seminars selbst mit dem Thema Übersetzungen beschäftigt, in dem es um die Frage ging: so nah wie möglich am Original oder so nah wie möglich an der aktuellen Sprache? Dialekte übertragen? Damals war ich noch der Meinung, möglichst textnah sei am besten – Rathjen ausweislich der Probearbeit ebenfalls. Vermutlich fand ich seine Arbeit wegen dieser gleichen Herangehensweise so spannend. Gut, leider gab es Zores zwischen Rathjen und dem ursprünglichen Verlag, das Werk blieb zunächst liegen, bis sich Zweitausendeins der Sache annahm. Als es erschien, war ich natürlich elektrisiert und besorgte mir die schön gestaltete Ausgabe sofort. Der Neuübersetzung wurden wunderbare Holzschnitte von Rockwell Kent zur Seite gestellt.
Und dann las ich. Und las. Ich kämpfte mich durch die Seiten, erfuhr vielerlei interessante, aber auch belanglose Details über Wale, den Walfang, vor allem aber über das überdimensionierte Wissen des Unnützen, das Melville nicht nur angehäuft, sondern auch wie einen Popanz vor sich herträgt. Und je mehr Seiten ich las, desto mehr nahm ich Abschied von der Übersetzerphilosophie, nah am Original zu bleiben. Oder um mit einer meiner Professorinnen zu sprechen: „Wenn Sie die Sagas nah am Original übersetzen wollen, müssen Sie sie ins Mittelhochdeutsche übersetzen. Das wäre nämlich nah am Original.“
Kurzum: Ich weiß nicht, ob ich Moby-Dick jemals wieder lesen werde, vor allem in dieser Übersetzung; aber ich weiß, dass mir der Text sehr vieles sehr nahe gebracht hat, über das ich mir zuvor nur wenig Gedanken gemacht habe. Das Buch bleibt eben ein 8000er, ich habe ihn ohne Sauerstoff bestiegen und bin glücklich über die Leistung, habe aber ein paar Erfrierungen davongetragen.

James Joyce, Dubliner

Die Dubliner sind für sich ein wichtiges Werk. Das sollte man auch kennen, wenn man sonst nichts von Joyce lesen möchte. Langweilig wird es bei der Lektüre sicher nicht, deshalb kann ich es nur empfehlen.

James Joyce, Ein Porträt des Künstlers als junger Mann

Wer dieses Buch nicht kennt, kennt Joyce nicht und wird den Ulysses nur zum Teil verstehen. Wer aber kein Interesse an gehobener Literatur hat, kann es aber auch getrost stehen lassen, er wird nichts versäumen.

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