Tagebücher sind eine seltsame literarische Gattung. Vermutlich gibt es kaum eine andere, die so oft begonnen, aber nicht fortgeführt, geschweige denn veröffentlich wird. Letzteres ist allerdings in den allermeisten Fällen wohl auch eher weniger wünschenswert. Umgekehrt ist es aber in zahlreichen Fällen enorm spannend, was manche Leute so notiert haben. Nicht zuletzt gilt vielen das tägliche Schreiben als wertvolle Übung oder wie Italo Svevo zu Beginn des Tagebuch-Raben (Rabe Nr. 34) zitiert wird:

„Ich glaube, glaube aufrichtig, dass es kein besseres Mittel gibt, um eines Tages richtig schreiben zu können, als täglich etwas hinzukritzeln.“

Dementsprechend changieren die Texte in diesem Raben zwischen amüsant und nachdenkenswert. Immer stillen sie aber diesen Voyeurismus, über den man als ambitionierter Leser wohl genauso verfügen muss wie gute Autoren. Denn dann und vermutlich nur dann kommt man zu Erkenntnissen, wie Jan Philipp Reemtsma sie hier in seinem Rom-Tagebuch niederschreibt:

„Das Pantheon ist der schönste Raum der Welt.“