Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Joachim Kersten (Hrsg.), Der Tagebuch-Rabe

Tagebücher sind eine seltsame literarische Gattung. Vermutlich gibt es kaum eine andere, die so oft begonnen, aber nicht fortgeführt, geschweige denn veröffentlich wird. Letzteres ist allerdings in den allermeisten Fällen wohl auch eher weniger wünschenswert. Umgekehrt ist es aber in zahlreichen Fällen enorm spannend, was manche Leute so notiert haben. Nicht zuletzt gilt vielen das tägliche Schreiben als wertvolle Übung oder wie Italo Svevo zu Beginn des Tagebuch-Raben (Rabe Nr. 34) zitiert wird:

„Ich glaube, glaube aufrichtig, dass es kein besseres Mittel gibt, um eines Tages richtig schreiben zu können, als täglich etwas hinzukritzeln.“

Dementsprechend changieren die Texte in diesem Raben zwischen amüsant und nachdenkenswert. Immer stillen sie aber diesen Voyeurismus, über den man als ambitionierter Leser wohl genauso verfügen muss wie gute Autoren. Denn dann und vermutlich nur dann kommt man zu Erkenntnissen, wie Jan Philipp Reemtsma sie hier in seinem Rom-Tagebuch niederschreibt:

„Das Pantheon ist der schönste Raum der Welt.“

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  1. Ich lese auch hin und wieder gern Tagebücher – zunächst mal meine eigenen. Dabei merke ich immer wieder, wie viel ich eigentlich von dem vergessen habe, was ich einmal für wichtig gehalten hatte. Und dann gibt es Tagebücher, die mich ungemein erheitern. Im Moment amüsiere ich mich zum wiederholten Mal mit Boswells Journal. 🙂

    Ich habe mir ebenfalls ein paar Raben bestellt; u.a. den von Dir vorgestellten Tagebuchband. Bei Amazon kosten sie nur ein paar Cent plus Versandkosten. Der nächste Besucher aus der Heimat wird sie mir sicher mitbringen.

    • Richtig Tagebuch hab ich nur mal als Teenie versucht (vermutlich liegen hier die Ursprünge der meisten Tagebücher), aber meist schnell wieder abgebrochen. Andere Tagebücher zu lesen finde ich im Ausschnitt sehr spannend. Oft ermüdet mich aber einfach die Länge, sonst würde ich sicher bei den Gebrüdern Goncourt oder bei Pepys reinschauen. Gerade deshalb ist so eine Sammlung von Tagebuchhäppchen für mich natürlich besonders angenehm.

      Danke übrigens für den Amazon-Tipp: Ich hatte zuletzt nur mitbekommen, dass ein Großteil der Raben im Antiquariat recht teuer wurde, daher wäre ich im Traum nicht darauf gekommen, mal bei Amazon zu stöbern. 🙂

  2. Ich habe mich gerade ein wenig gehenlassen und 5 Raben bestellt, die Zwanziger Jahre, Flaubert, Kritiker, Vampire und Dekadenz. Gute Mischung, wenn ich das hier so lese beim Runtertippen … Da hast du ja was angerichtet ; )

  3. Ich muss mal nach dem Hotel- und dem Tagebuch-Raben Ausschau halten, danke für die beiden Tipps, lieber Doc!

    • Hoffentlich bekommt man die noch gut. Als ich meine Raben damals gekauft habe, war es schon (modernes) Antiquariat, inzwischen dürfte es echt schwierig werden. Aber falls du sie bekommst, kann ich nur empfehlen, sie nicht zu verleihen – verliehene Raben bekommt man nämlich nie wieder, wie ich leider lernen musste. 😉

      • Oha, danke für den Tipp : ) Der erste Rabe ist schon angekommen, der Tagebuch-Rabe, hab schon ein bisschen drin gelesen, war wirklich ne prima Empfehlung! Und für sein Alter ist er noch sehr gut erhalten. Bin schon auf den Hotel-Raben gespannt. Der Zwanziger-Jahre-Rabe reizt mich auch noch, überhaupt: Gibt es das Magazin eigentlich noch? Ich hab erst durch dich davon gehört/gelesen.

        • Nee, der Rabe ist mit dem Haffmanns-Verlag untergegangen. Er lebt lediglich in Resten wie dem Raben-Kalender fort (jedes Jahr bei Zweitausendeins erhältlich). Übrigens kann ich schon ankündigen, dass ich hier noch eine ganze Reihe Raben knapp vorstellen werde. 😉

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