Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Linda McCartney

Linda McCartney, Die 60er Jahre. Portrait einer Ära

Wer Kunstbände sein Eigen nennt, wird vermutlich ähnlich wie ich das „Problem“ kennen, dass es zwar schön ist, diese Bände zu haben, sie auch mal durchzublättern. Aber wirklich gelesen, wirklich studiert werden wohl die wenigsten dieser Bücher.

Nicht nur in dieser Hinsicht sticht der Band von McCartney heraus. Nein, es sind wirklich wundervolle Fotografien aus den 60ern, aus einer Zeit, als die Welt im Umbruch war. Und McCartney – damals hieß sie noch Eastman, war aber nicht mit der Kodakfamilie verwandt, obwohl sie als Fotografin arbeitete – war mittendrin. Sie erlebte in Kalifornien, in London und an vielen anderen Orten all die Leute, die später als sogenannte Musikgrößen in die Geschichte eingingen. Sie fotografierte, Hendrix, Joplin, Who, Cream, die Doors, Zappa, die Yardbirds, Grateful Dead, Jefferson Airplane, Dylan, Beach Boys, Twiggy, B.B. King, Otis Redding, Buffalo Springfield, Still, Crosby & Nash, Tiny Tim, Blue Cheer, Simon & Garfunkle, Mamas und Papas, natürlich die Beatles und, und, und. Kurz – you name it, she shot it.*

Und um das Fass voll zu machen: McCartney hat nicht nur einfach Fotos gemacht, nein, sie hat fantastische Bilder eingefangen. Bilder eines Who-Soundhchecks(!), bei dem Townsend seine Gitarre und Moon mal eben das Schlagzeug zerlegen, Bilder eines entspannt-ausgelassenen Hendrix’ an der Bar – ach, es gibt praktisch keine Seite in diesem Schirmer-Mosel-Band, die enttäuscht. Deshalb muss ich jedem, wirklich jedem, der auch nur irgendwie diese Zeit und ihre Musik schätzt, dringend empfehlen, sich diesen Band zuzulegen! Er ist A B S O L U T fantastisch!

* Mir fällt aus dem Stand nur ein bekanntes Beispiel ein, das hier fehlt: Joe Cocker. Es sei denn, ich hätte das Foto vergessen und fände es auch gerade nicht.

Laura Joplin, Janis Joplin. Biographie mit bisher unveröffentlichten Briefen

Eine weitere Biographie über ein unfreiwilliges Klub-27-Mitglied. Joplin gehört als Frau innerhalb dieses Kreises (siehe auch Jimi Hendrix) zu einer Minderheit.  Das macht ihre Musik aber nicht schlechter. Ich glaube, es gibt wenige Stimmen, zu denen die Bezeichnung Röhre so treffend passt wie bei ihr – natürlich als Kompliment gemeint, denn sie wusste dieses Röhrige auf den Punkt einzusetzen.

Die Biographie von Laura Joplin, Janis’ jüngere Schwester, fand ich bei der Lektüre vor inzwischen 20 Jahren sehr interessant, vor allem ihre Ausflüge in die bildnerische Kunst waren mir zuvor unbekannt (sie hat beispielsweise einen Porsche wunderschön bemalt – natürlich ist er im Buch abgebildet). Ein Buch, das sich lohnt!

Noch besser wird die Biographie übrigens in Kombination mit Bildern der Fotografin Linda McCartney.* So bekommt man einen sehr guten Eindruck von der Persönlichkeit der Texanerin, die uns viel gegeben hat und sicher noch mehr hätte geben können.

* Es gibt einen wunderschönen Bildband mit einer Auswahl ihrer Fotos, den ich demnächst vorstellen möchte.

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