Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Philip Roth

Charles Lewinsky (Hrsg.), Der jüdische Rabe

Gemeinhin halte ich nichts von Schubladendenken, ganz besonders wenn es dabei um religiöse Schubladen geht. In mindestens einem Fall scheint es aber eine ungewöhnliche Verbindung aus religiös verursachtem Kulturkreis und Humor. Richtig, ich bin beim jiddischen Witz. ich brauche nicht erst Woody Allen zu nennen (der natürlich im Raben Nr. 43 so wenig fehlen darf wie Heine und Tucholsky). Nein, ich kann auch Jurek Becker, Kinky Friedman, Alfred Kerr, Egon Erwin Kisch, Groucho Marx und Philip Roth als Beiträger anführen – neben vielen anderen. Mehr als netter Sidekick: die durch den ganzen Raben verteilten gezeichneten Kohn-Gags, deren Grundidee schließlich auch das Rabenrätsel bestimmt. Nicht bekannt? Ganz einfach: Wie nennt man einen jüdischen Kellner? Kohn serviert. Ein jüdischer Schneider? Kohn flickt.

Spaßeshalber transkribiere ich hier einmal zwei Fragen aus dem Rabenrätsel, auf dass die Leserschaft sich darüber Gedanken macht:
1. Ratschlag an einen Juden, der nicht wusste, wie er die Briefmarken auf dem Umschlag befestigen sollte
2. Sagenhaftes biblisches Tier, aus dem Milch und Honig fließt

Ich freue mich schon auf Vorschläge.

Philip Roth, Der menschliche Makel

Ein hochinteressantes Weihnachtsgeschenk war dieses Buch. Ich hatte bisher noch nichts von Roth gelesen und war daher sehr gespannt. Die Geschichte handelt von Coleman Silk, einem Mann, der sein Leben sehr früh auf einer gewaltigen Lüge aufgebaut hat (die ich hier natürlich nicht verraten werde), über die er letztlich irgendwie in mehreren Schritten stolpert.

Eine Sache hat mich irgendwie gestört: Die Geschichte ist größtenteils für mich uninteressant. Viel zu viel Probleme alter Männer werden hier gestreut und gewälzt, an die ich derzeit zum Glück keinen Gedanken aufwenden muss. So gesehen würde ich, nach dem Unterschied zwischen Roth und Franzen gefragt, behaupten, dass das Thema bei diesem Roth langweiliger ist, als bei jedem bisher gelesenen Franzen. Aber ich muss zugeben, dass Roth der stärkere Schreiber ist. Kann man bei Franzen nicht aufhören zu lesen, weil vor allem die Geschichte einen so packt, egal welches Thema er behandelt, ist Roth (und auch sein Übersetzer Dirk van Gunsteren natürlich) ein sprachlicher Hochleistungsverdichter. Und davor habe ich wirklich Hochachtung!

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