Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Ror Wolf

Ror Wolf, Die heiße Luft der Spiele

Von allen Büchern, die ich von Wolf besitze, ist das hier dasjenige, das ich – mit Abstand! – am wenigstens leiden mag. Genau genommen habe ich auch mehr nur darin gestöbert als gelesen, einfach weil Fußball meine Welt nicht ist. Ich finde es schnarchlangweilig, halte es für schrecklich überhöht in unserer Gesellschaft und kann mit Kusshand darauf verzichten.

Und wenn ich ehrlich bin, verstehe ich bis heute nicht, wie Menschen mit einem gewissen intellektuellen Anspruch sich daran delektieren können, wenn ich auch innerhalb meines Freundeskreises selbst unter den größten Geistern noch Fußballfreunde weiß.

Dennoch möchte ich ein Sätzchen zum Inhalt verlieren: Wolf hat hier Texte, Reportagen, Aussagen und vieles anderes aus den Jahren 1969 bis 1979 rund um den Fußball gesammelt und daraus ein Spektrum an Beschreibungen, Erklärungen, Vorstellungen des Fußballs dieser Zeit geschaffen.

Nebenbei: Hier handelt es sich um ein klassisches Buchtauschkreisbuch.

Ror Wolf, Pfeifers Reisen

Als ich mir Pfeifers Reisen gönnte, hatte ich länger nichts Neues von Wolf gelesen. Umso erfreuter war ich natürlich bei der Lektüre, insbesondere über das Wiedersehen mit dem hochverehrten Hans Waldmann, den ich ohne Zögern auf meine Couch einladen würde, wenn er mal hier in der Gegend wäre. (Gegebenenfalls dürfte er auch auf dem Regal schlafen, das ist ihm überlassen. Hauptsache, er lässt seine Famili zu Hause.)

Tja, allerlei schöne, zum Teil zuvor unveröffentlichte Gedichte aus den Jahren 1958 bis 2006 sind hier versammelt und unterhalten den, der das gepflegte Wort wertzuschätzen weiß.

Ror Wolf, Aussichten auf neue Erlebnisse. Moritaten, Balladen & andere Gedichte

Ein Band, den ich entdeckte, als ich ein Geschenk für eine Freundin suchte. Insgesamt ein Wolf bester Qualität. Allerdings muss ich einräumen, dass ich vieles davon bereits in anderen Büchern versammelt hatte und für mich nur wenig Neues dabei war. Aber, auch das sei eingeräumt, Wolf gehört eben auch zu den Autoren, die nach der ersten Lektüre nicht gleich erledigt sind. Sie spornen zum mehrmaligen Lesen an, immer wieder entdeckt man neue Kleinigkeiten, die das Ganze so rund machen.

Ror Wolf, Danke schön. Nichts zu danken

Die hiesigen Leser mögen sich wundern, in welcher Reihenfolge Titel angesprochen werden. In der Hauptsache geht es ja Regal um Regal und Reihe um Reihe. Ausnahmen habe ich lediglich gemacht, wenn ich etwas Frisches gelesen habe oder wenn ich nicht zwei Wochen lang nur einen Autor besprechen wollte (zwei weitere Ausnahmen werden später noch genauer erklärt, aber das möchte ich jetzt hier nicht vorwegnehmen). Wie, so nun womöglich die Folgefrage, verfahre ich jetzt aber innerhalb eines Œuvres? Oft, aber nicht immer!, wurden die Titel in einer chronologischen Reihe vorgestellt. Das „nicht immer!“ ist nun der Grund, warum an dieser Stelle Wolfs „Danke schön. Nichts zu danken“ das heutige Thema sein soll.

Gefunden habe ich es in einer Unibuchhandlung in Bochum, die allein an mir einiges verdient haben dürfte. Und ich hoffe, der Laden ist nach meinem Magister und Weggang aus Bochum nicht pleite gegangen. (Das könnte ich mir nie verzeihen.) Dementsprechend lang ist das Buch in meinem Besitz – und entsprechend lang ist die Lektüre her. Anders als bei waldmann, den ich auch später sehr regelmäßig wieder in die Hand nahm, habe ich dieses Buch sicher nur einmal gelesen. Es amüsierte mich, so viel weiß ich noch sicher, aber ich muss gestehen, dass ich mich kaum an Inhaltliches erinnre. Insofern kann ich es als Wolf-Fan dank des erinnerten Gefühls empfehlen, muss zum Inhalt aber schweigen, bis ich Zeit für eine erneute Lektüre finde.

Ror Wolf, hans waldmanns abenteuer

Ich kenne bis heute leider immer noch nur Ausschnitte aus Wolfs Wirken. Aber diese Abenteuer gehören für mich zu dem Lustigsten, Bewegendsten und Spannendsten, was ich von ihm gelesen habe. Unvergessen Waldmanns Sturzereignisse im bewegenden „ruhe, ruhe“. Und allein für den Vierzeiler Wetterverhältnisse* (der sich auf der Rückseite des Buchs befindet) gebührt diesem Virtuosen des Wortes meines Erachtens eine überlebensgroße Statue, die uns Tag und Nacht gemahnt, dass es da einen ganz Großen gibt, der Wörter ernst und unernst zugleich, aber stets buchstaben… – was sag ich! – nanometergenau zu setzen vermag. Nicht zuletzt möchte ich auf die wundervollen Collagen verweisen, die mir in dieser Form in diesem Band erstmals vorgestellt wurden. Kurz: Es ist ein Buch, das jeder ernstzunehmender Mensch im Hause stehen haben muss, wenn er unsere Sprache wirklich schätzt.

* PS: Wer den Vierzeiler nicht kennt, möge ihn hier lesen:

WETTERVERHÄLTNISSE
es schneit, dann fällt der regen nieder,
dann schneit es, regnet es und schneit,
dann regnet es die ganze zeit,
es regnet, und dann schneit es wieder.

Ror Wolf, Fortsetzung des Berichts

Ich frage den geneigten Leser, ob er schon einmal beobachtet hat, wie ein Hund, ein kleines glückliches Etwas, sich auf einem Teppich gewälzt hat, wie er sich in die Fasern gedrückt hat, Rücken, Flanken und noch mehr geschubbert.

In etwa so fühlte ich mich bei der Lektüre der Fortsetzung des Berichts. Ror Wolfs Debüt macht mich wünschen, in diesem Wortteppich zu versinken, mich an den Sätzen und Absätzen zu schubbern, Tage, Wochen, Jahre, ja mich selbst zu vergessen. Und hinüberzugehen in die Welt der Bücher, in der alles ein klares Ende hat.

Man merkt’s schon: Ich mag Wolfs Texte. Und abgesehen von seinem großartigen Humor musste ich bei diesem wegweisenden Debut feststellen, wie sehr jedes einzelne Wort, jedes einzelne Satzzeichen exakt abgewogen wurde. Es ist kein leichter Text. Es ist ein Text, der eigentlich danach schreit, dass man ihn mit viel Muße liest. Und genau das ist noch das einzige, was ich daran auszusetzen hatte: dass ich zurzeit nicht die Muße habe, die solche Bücher verdienen, um sie richtig genießen zu können.

Dringender Nachtrag (peinlich, peinlich): Das Buch war eine Schenkung zum Geburtstag und weil ich mich so gefreut habe, hab ich es auffallend schnell verschlungen. Deshalb ist mir etwas unterm Radar durchgeflogen, worauf ich heute nebenbei hingewiesen wurde. Die Schenkende – eine sehr liebe Freundin – hat es tatsächlich gedeichselt, dass Ror Wolf dem Buch, meinem Buch, seinem Buch, meinem Buch von ihm eine persönliche Widmung verpasst hat. Es ist keine irgend dahergelaufene Widmung, sondern etwas für mich Bestimmtes, das ich auf meinem Lebensweg mitnehmen werde. Danke, liebe Marlen, danke, lieber Ror Wolf! (Und jetzt geh ich in die Kammer, werde rot und hyperventiliere ein bisschen.)

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