Doc Tottes Welt

Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Werner Herzog

Mein liebster Feind

Es gibt nur wenige Dokumentarfilme, die ich im Kino zu schätzen gelernt habe, aber dieser hier gehört dazu, weil er ein Monument der Zusammenarbeit zwischen Herzog und Kinski ist und wunderbar erklärt, wie diese beiden Genies zusammen Meisterwerke erschaffen konnten.

Fazit: ein grandioses Stück

Cobra Verde

Der letzte Herzog-Kinski-Film, in dem Kinski nicht so recht bei der Sache ist – wie Herzog erklärt, weil Kinski geistig bereits in seinem eigenen Paganini-Projekt steckte.

Fazit: trotz starker Bilder der schwächste Herzog-Kinski-Film

Fitzcarraldo

Wahrscheinlich in Ausführung und Darstellung der wahnsinnigste Film des Herzog-Kinski-Gespanns über die Errichtung einer Oper im Dschungel Südamerikas – ICH WILL EINE OPER HABEN!

Fazit: Wer diesen Film nicht kennt, kennt Kinski nicht.

Woyzeck

Ich liebe dieses bekannte Büchner-Stück ja über alles und war daher begeistert, als ich erstmals erfuhr, dass sich das Herzog-Kinski-Gespann gemeinsam mit Eva Mattes dieses Urthemas angenommen hatte, wobei Herzog nicht ganz mit dem Spiel Kinskis einverstanden war, der ihm – frisch von den Dreharbeiten an Nosferatus kommend – noch in der gebrochenen Rolle des Untoten gefangen war.

Fazit: Ich kenne bessere Theateraufführungen; für eine Filmfassung halte ich sie aber durchaus für gelungen

Nosferatu – Phantom der Nacht

Ich persönlich lehne abgesehen von Murnaus und Coppolas Fassungen sämtliche Draculaverfilmungen als theatralisch-ödes Getue ab – auch wenn ich Lugosi und Lee in ihren Rollen sehr schätze, sind ihre Filme dieses Genres eher lächerlich als gut –, daher kann auch Kinski mich in dieser Rolle mit seinen albernen Hasenvampirzähnchen nicht überzeugen, obwohl ich zugebe, dass seine Sterbeszene eine eigene Interpretation des Max-Schreck-Vorbilds darstellt.

Fazit: nichts für den Vampirfan und auch Kinski-Fans kennen Besseres

Aguirre – der Zorn Gottes

Der erste Kinski-Herzog-Streifen und gleich der Film, der die Eckpfosten für ihre folgende Zusammenarbeit fest in den Boden rammt, weil in diesem Stück über einen irren Conquistador schon klar wird, wie die beiden Künstler in ihrem grenzenlosen Wahn aus dem Gegeneinander ein formidables Miteinander zu formen verstanden.

Fazit: vermutlich eher was für den Kinski-Fan, trotzdem in seiner Eindringlichkeit sehenswert

Michael Töteberg, Fritz Lang (Rowohlt-Biographie)

Die wirklich großen deutschen Filmregisseure kann man praktisch an einer Hand abzählen: Wen haben wir denn da? Lang, Murnau, Herzog, meinetwegen noch Schlöndorf und Fassbinder; dann wird es aber auch schon eng – und nein, Petersen oder Emmerich hab ich nicht vergessen. Die zwei sind weder große Regisseure noch würde ich sie wirklich als deutsch bezeichnen. Aber gut, das ist ein anderes Thema.

Oft habe ich vor allem Murnau und Lang als vergleichbare Regisseure betrachtet. In einer ähnlichen Zeit in ihrem Metier groß geworden, haben beide den Film an sich revolutioniert und das geschaffen, was man heute wohl Erzählkino nennen würde.

Dennoch gibt es einen Punkt, in dem sich beide deutlich unterscheiden: Murnau starb früh, zu früh für den Film, aber auch zu früh, um den Nazisumpf erleben zu müssen (ich erspare Spekulationen darüber, was ihm als homosexuellem Regisseur mit expressionistischen Ansätzen im Dritten Reich geblüht hätte). Lang dagegen spielte mit Elementen (der größenwahnsinnige Mabuse mit seiner verbrecherischen Organisation; Metropolis, die Nibelungen, M), die die Nazis entweder vorwegnahmen oder ihnen sinnbildstiftend in die Hände spielten. Das wurde u.a. begünstig durch seine Frau Thea von Harbou, die sowohl für Lang als auch für Murnau Drehbücher verfasste.

Doch auch bei Lang gab es einen großen Bruch – die Emigration in die USA, nachdem den Nazis hierzulande die Macht überlassen worden war.* Obwohl Lang sowohl in den USA als auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland in den 50ern weiterhin Filme drehte, blieben sie meines Erachtens doch weit hinter seinen früheren Glanzleistungen zurück. Leider!

Trotz allem möchte ich diese kleine Biographie aus dem Hause Rowohlt nicht missen. Sie bringt dem Filmfan den Menschen Lang ein kleines Bisschen näher.

* Und ja, ich schreibe bewusst nicht Machtergreifung oder ähnlichen Unsinn, der lediglich beschönigen soll, dass gewisse bürgerliche Kreise den Nazis die Macht sehr bewusst zur Verfügung gestellt haben.

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