Essays, Skizzen und Gedanken

Schlagwort: Wolfgang Hohlbein

Jörg Luibl, Spielefresser, Biomonster & Fanboys. Geschichten aus der Welt der Videospiele

Jörg ist ein Kommilitone aus meiner Studienzeit in Bochum. Wenn wir nicht in Seminaren der Skandinavistik gehockt haben, haben wir uns in der Caféte übers Schreiben und Zocken ausgetauscht. Über ein paar Umwege ist er dann in der Welt des Spielejournalismus gekommen und hat einen großen Teil dazu beigetragen, einen neuen Geist hineinzubringen. Sein Ziel war (und ist), Computerspiele als das wertzuschätzen, was sie längst oft genug sein können: Unterhaltung auf höchstem Niveau. Japaner und Angelsachsen haben das längst erkannt und setzen hochbezahlte Scriptschreiber in der Entwicklung von Spielen ein. Aber natürlich ist sowas in Deutschland nicht drin. Im vorgeblichen Land der Hochkultur beschäftigt sich das Feuilleton lieber mit DSDS oder madenfressenden Pseudoprominenten, während sie in einem Sandkastendschungel „eingesperrt“ sind.

Jörg geht dabei mit einem journalistischen Ansatz ans Werk, der ihm nicht nur Freunde eingebracht hat. Sicher, das Eine-Hand-wäscht-die-andere-Prinzip gilt nicht nur im Spielejournalismus, das ist mir schon klar. Aber was Jörg öffentlich gemacht hat und was er zusätzlich unter der Hand erzählt hat, ist schon erschreckend. Mehr Details spare ich an dieser Stelle besser aus, weil ich weiß, dass er auch regelmäßig von hauseigenen Juristen zurückgepfiffen wurde.

Zu diesem Ansatz gehörte für ihn auch, richtiggehende Kolumnen in die Spielewelt zu bringen. Nachdem so ein beachtliches Œuvre angewachsen war, brachte er dies in gesammelter Form als Taschenbuch heraus.

Keine Frage, die Texte sind nichts für jeden Geschmack. Es dreht sich fast alles rund um Computerspiele und die zugehörigen Zocker. Dafür sind die Texte sehr unterhaltsam und kurzweilig zu lesen.

PS: Wo ich gerade neulich von Hohlbein sprach – Jörg hat ihn einmal interviewt und erzählte mir, dass es ein besonders lustiges Interview war. Es fand am Telefon statt, Hohlbein stand der Akustik nach zu schließen im Hausflur (Nebengeräusche). Die beiden plauderten nett, führten ein normales Interview und dann knallte Jörg ihm eine Frage um die Ohren, die Hohlbein am Ende des Interviews als die beste Frage bezeichnete, die ihm je gestellt wurde: „Welches Ihrer Bücher finden Sie am schlechtesten?“ Und nein, ich weiß seine Antwort nicht mehr, er hat sie aber gegeben.

H.P. Lovecraft, Horror Stories. Das Beste vom Meister des Unheimlichen ausgewählt von Wolfgang Hohlbein

Lovecraft ist mir vor Ewigkeiten bereits von einem Freund ans Herz gelegt worden. Damals wollte ich – aus welchen Gründen auch immer – nicht recht etwas davon wissen und bevorzugte einfach Poe. Irgendwann kam ich dann doch nicht mehr um Lovecraft herum, und ich bin froh deswegen!

Die Geschichten für das vorliegende Buch hat wie oben erwähnt Wolfgang Hohlbein zusammengestellt. Ich bin nun wirklich kein Hohlbein-Fan, habe nie etwas von ihm gelesen und auch kein Interesse daran, aber halte ihn für jemanden, der für Literatur in Deutschland wichtiger ist, als viele glauben. Deshalb stört es mich auch nicht, dass er sich hier als Auswählender zur Verfügung gestellt hat, denn er hat die wichtigsten Lovecraft-Klassiker genommen:

  • Cthulhus Ruf
  • Der Fall Charles Dexter Ward
  • Die Farbe aus dem All
  • Berge des Wahnsinns
  • Stadt ohne Namen
  • Die Ratten im Gemäuer
  • Schatten über Innsmouth
  • Die Musik des Erich Zann

Ich schätze vor allem den Dexter Ward und Schatten über Innsmouth. Und ich frage mich, warum es noch keine professionelle gute Verfilmung der Texte gibt. Die Geschichten gäben es problemlos her. Klar, darüber hinaus ist Cthulhu wichtig, allein wegen des Erzählkreises, aber auch weil in Berge des Wahnsinns ein netter Bezug zur Poes Arthur Gordon Pym steckt.

Und doch ging Poe ganz anders zu Werke als sein Epigone Lovecraft. Wo Poe noch meist auf einen Punkt hin schreibt und oft genug eine Art Auflösung gibt, konzentriert sich der bekennende Rassist Lovecraft mehr auf die Dauerstimmung. Permanent wird der Leser unter Strom gehalten. Selten gibt es besondere Schreckmomenten. Dafür gelingt es Lovecraft aber, über Dutzende Seiten eine Spannung zu halten, wie sonst kaum jemandem.

Übrigens gibt es im Blog von Tom Hillebrand anlässlich des 90. Geburtstags des Necronomicon einen lesenswerten Abriss zur Geschichte des geheimen Buchs.

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