Jörg ist ein Kommilitone aus meiner Studienzeit in Bochum. Wenn wir nicht in Seminaren der Skandinavistik gehockt haben, haben wir uns in der Caféte übers Schreiben und Zocken ausgetauscht. Über ein paar Umwege ist er dann in der Welt des Spielejournalismus gekommen und hat einen großen Teil dazu beigetragen, einen neuen Geist hineinzubringen. Sein Ziel war (und ist), Computerspiele als das wertzuschätzen, was sie längst oft genug sein können: Unterhaltung auf höchstem Niveau. Japaner und Angelsachsen haben das längst erkannt und setzen hochbezahlte Scriptschreiber in der Entwicklung von Spielen ein. Aber natürlich ist sowas in Deutschland nicht drin. Im vorgeblichen Land der Hochkultur beschäftigt sich das Feuilleton lieber mit DSDS oder madenfressenden Pseudoprominenten, während sie in einem Sandkastendschungel „eingesperrt“ sind.

Jörg geht dabei mit einem journalistischen Ansatz ans Werk, der ihm nicht nur Freunde eingebracht hat. Sicher, das Eine-Hand-wäscht-die-andere-Prinzip gilt nicht nur im Spielejournalismus, das ist mir schon klar. Aber was Jörg öffentlich gemacht hat und was er zusätzlich unter der Hand erzählt hat, ist schon erschreckend. Mehr Details spare ich an dieser Stelle besser aus, weil ich weiß, dass er auch regelmäßig von hauseigenen Juristen zurückgepfiffen wurde.

Zu diesem Ansatz gehörte für ihn auch, richtiggehende Kolumnen in die Spielewelt zu bringen. Nachdem so ein beachtliches Œuvre angewachsen war, brachte er dies in gesammelter Form als Taschenbuch heraus.

Keine Frage, die Texte sind nichts für jeden Geschmack. Es dreht sich fast alles rund um Computerspiele und die zugehörigen Zocker. Dafür sind die Texte sehr unterhaltsam und kurzweilig zu lesen.

PS: Wo ich gerade neulich von Hohlbein sprach – Jörg hat ihn einmal interviewt und erzählte mir, dass es ein besonders lustiges Interview war. Es fand am Telefon statt, Hohlbein stand der Akustik nach zu schließen im Hausflur (Nebengeräusche). Die beiden plauderten nett, führten ein normales Interview und dann knallte Jörg ihm eine Frage um die Ohren, die Hohlbein am Ende des Interviews als die beste Frage bezeichnete, die ihm je gestellt wurde: „Welches Ihrer Bücher finden Sie am schlechtesten?“ Und nein, ich weiß seine Antwort nicht mehr, er hat sie aber gegeben.